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Kultur

Jüdisch-arabische Verwicklungen auf der Bühne

In Tel Aviv ist ein außergewöhnliches Theaterstück angelaufen: Jüdische und arabische Schauspieler haben zusammengearbeitet - so entstand "Plonter". Ein Stück über das Leben im Schatten des Terrors.

Plonter

Das exzellent gespielte Stück pendelt zwischen absurd komisch und zum Verzweifeln tragisch. Es heißt "Plonter", was auf Deutsch "Verwicklung" bedeutet, "Verwirrung" oder "Durcheinander". Es ist ein buntes, atemloses Kaleidoskop vom Leben unter Besatzung und vom Leben im Schatten des Terrors, wie es im Programmheft heißt.

Am Anfang war kein Text

Sieben Monate lang hat die erst 29-jährige Autorin und Regisseurin Ya'el Ronen zusammen mit neun jüdischen und arabischen Schauspielern an dem Stück gearbeitet. "Wir haben ohne Text begonnen", erklärt sie. "Die Idee war es, eine Gruppe von Leuten zu nehmen, jüdische und arabische Schauspieler, und sie einfach mit Themen zu konfrontieren, die mit dem Konflikt zusammenhängen und aus der sich entwickelnden Gruppendynamik Szenen entstehen zu lassen."

Trauer und Trotz

Es sind Szenen aus dem Leben von Israelis und Palästinensern entstanden, von zwei Familien, die durch den Konflikt ungewollt miteinander verwoben werden. Die jüdische Familie versucht verzweifelt, am Schein der Normalität festzuhalten, obwohl eine Tochter bei einem Anschlag ihr ungeborenes Kind verloren hat. Der Sohn hat als Soldat in den besetzten Gebieten ein palästinensisches Kind erschossen, das nun von seiner Mutter beweint wird.

Doch dann erblickt die palästinensische Mutter eine Fernsehkamera und hält eine trotzige Rede, in der sie den Märtyrertod ihres Sohnes preist: "Ich bin glücklich, glücklich, glücklich", ruft sie. "Jetzt bin ich auch die Mutter eines Märtyrers und dafür danke ich Gott. Mein Sohn ist jetzt ein Engel und ich sage allen Müttern Palästinas, seid stolz und stark - obwohl es weh tut und traurig ist."

Zwischen Blutrache und Komik

Plonter

Das Theaterstück von Regisseurin Ya'el Ronen zeigt, wozu Attentate führen: Stolz, Trotz und noch mehr Gewalt

Szenenwechsel: In einer jüdischen Siedlung stehen Siedler am Grab eines Kindes, das von einem Palästinenser während eines Überfalls erschossen wurde und in den Armen seiner Mutter gestorben ist. "Herr der Rache, es gibt hier Leute, deren Geduld am Ende ist. Die Mehrheit des Volkes will Rache", fordern sie. "Über den Tod eines Babys können wir nicht schweigen. Die Rache wird kommen, Blutrache für ein Baby, Rache, Rache, Rache ..."

Zwischen diesen schmerzhaften Szenen gibt es auch viel

Situationskomik und Heiterkeit. Zum Beispiel, als ein israelischer Bauunternehmer mitten durch das Haus einer palästinensischen Familie die israelische Mauer zieht. Doch meistens bleibt einem das Lachen schon in der nächsten Szene wieder im Halse stecken.

"Sie haben sich selbst wiedererkannt"

Yo'av Levy, der in dem Stück einen israelischen Soldaten verkörpert, empfand die Arbeit an "Plonter" als Psychotherapie. Als ehemaliger Angehöriger einer Eliteeinheit der israelischen Armee habe er sich in vielen Szenen wiedergefunden - und nicht nur er. "Ich habe meine Freunde aus meiner Einheit eingeladen, das Stück zu sehen", erzählt Levy. "Als ich schließlich rausging, da sah ich sie alle auf einer Bank sitzen und weinen. Sie haben einfach geweint, 30jährige Männer, die schon so einiges erlebt haben. Sie haben einfach geheult wie Kinder. Und da habe ich verstanden, was mit mir in dieser Aufführung passiert ist - und mit ihnen: Sie haben sich selbst wiedererkannt."

Von der Kritik in Israel ist "Plonter" mit Begeisterung aufgenommen worden. "Wenn unsere Politiker nur halb so engagiert bei der Sache wären wie diese jungen Schauspieler, dann wäre der Nahostkonflikt schon längst gelöst", sagte ein Kritiker.

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