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Kultur

Jäger der verlorenen Nagelfeile

Schatzsuche im eigenen Garten - das war gestern. Heute wird global versteckt, mit GPS: "Geocaching" ist wie Eiersuchen mit Satelliten-Unterstützung. Zu finden gibt's nur kleine Dinge - aufs Suchen kommt es an.

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"Geocaching": Menschen suchen kleine Schätze - mit Peil-Hilfe aus dem All

GPS (das Global Positioning System) funktioniert über Satellit und hilft ahnungslosen Autofahrern, die unbekannte Straßen ansteuern. Aber es ist auch die Basis für ein globales Versteckspiel. Überall auf der Welt verbuddeln Menschen Dosen oder Tüten mit kleinen Schätzen darin, stellen die Koordinaten ins Internet und sagen: "Sucht mal!" Dann nehmen "Geocacher" (sprich: Geokäscher) ein handygroßes Gerät, den GPS-Empfänger, außerdem Kind, Kegel und Freunde - und machen sich auf den Weg. "Eine moderne Form der Schnitzeljagd", sagt Stefanie Bierbaum vom Trendbüro Hamburg.

Ein Blick aufs Gerät - und dann laufen, laufen, laufen

Auch wenn die Koordinaten kryptische Kürzel wie N 51° 14.432; E 006° 53.388 sind: Wenn man weiß, wo der Schatz liegt, ist die Suche so spannend wie ein Zentralfriedhof zur Mittagszeit - denkt man. Und denkt falsch. "Man wird ja nicht bis auf den Zentimeter rangeführt. Das GPS hat eine Genauigkeit von sechs bis acht Metern. Für den Rest braucht man Intuition", sagt Nicola Straub, begeisterte Geocacherin aus Hürth bei Köln und Webmasterin bei www.geocaching.de. Wo mag die begehrte Dose liegen? Unwissenheit ist die Mutter aller Abenteuer.

Geocaching mit GPS

Beim Geocaching gibt es schon mal nasse Füße

Das Versteck ist nämlich manchmal ganz schön vertrackt. Nicola Straub, die oft mit Sohn und Ehemann loszieht, kann ein Lied davon singen - ab und an werden die Sachensucher zum Beispiel über mehrere Etappen zum Schatz gelotst. "Eine Station war an einer Bank, darauf saß ein älteres Ehepaar und wir kamen an die nächsten Koordinaten nicht dran", erzählt Straub DW-WORLD. "Da haben wir sie eingeweiht. Dann auf den Berg, durchs Tal, wieder auf den Berg…" Auf dem Weg versagten noch die Batterien des GPS-Geräts, dann ging das Trinkwasser aus, dann wurde es dunkel, vom Fundort fuhr kein Bus mehr zurück.

Helft Papa Erpel!

Auch an die ersten Koordinaten kommt man nicht immer so einfach. "Es gibt ein paar tolle Rätsel-Caches", erzählt Nicola Straub. Ihr Ehemann habe sich den "Enigma-Cache" ausgedacht, "an dem haben sie letztes Mal mit acht Erwachsenen, fünf Kindern und zwei Hunden wochenlang geknobelt". Andere entwerfen liebevolle Geschichten, und so kam es zum "Erpel-Cache": Ein Enten-Papa kommt aufgelöst nach Hause, weil ihm beim Heimflug ein Schatz runtergefallen ist. Da hilft nur ein eifriges Geocaching-Team.

Geocaching mit GPS

Ein tragbares GPS-Gerät

Letztlich kann sich dann aber rausstellen, dass der Schatz eine ausklappbare Mini-Nagelfeile ist. "Bei solch schwierigen Verstecken geht es ums Finden und nicht um den Fund an sich", sagt Trendforscherin Bierbaum. Generell sind Geocache-Schätze eher Kleinigkeiten. Nicola Straub kauft oft Knackfrösche oder Karnevalströten, aber: "In Holland haben wir auch mal Kondome gefunden."

Schatz geben, Schatz nehmen

Verstecke gibt es selbst in Australien und in der Antarktis. Für manche braucht man eine Taucherausrüstung oder Kletter-Equipment - zu anderen kann man einfach mit dem Auto fahren.

Leer werden die Minischatztruhen übrigens nie: Wer was rausnimmt, legt dafür etwas Neues rein. Straub versteckt auch selber und sorgt dafür, dass nicht nur Billigplunder in der Dose bleibt: "Man pflegt seinen Cache." Das Interessanteste ist für sie das Logbuch, das in jedem Versteck liegt und in das jeder seine Sucherlebnisse einträgt.

Treffen der Sachensucher

Mittlerweile sind die Cacher eine Gemeinschaft geworden, bei so genannten Event-Caches wird erst gesucht, dann gegrillt. Ist der Schatz auch klein, war man wenigstens an der frischen Luft, sagt Trendexpertin Bierbaum: "Ich habe gelesen, dass ein Vater das macht, um seine Kinder zu bewegen, überhaupt aus dem Haus zu gehen."

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