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Wirtschaft

IWF und Weltbank warnen vor Währungskrieg

Mit einem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs hat in Washington die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank begonnen - im Zeichen der Angst vor einem Währungskrieg.

IWF-Direktor Strauss-Kahn spricht (Foto: AP)

IWF-Direktor Strauss-Kahn: "Manche sehen ihre Währung als Waffe"

Droht uns ein Abwertungswettlauf, der die Weltwirtschaft erneut in eine Krise führt? Anlass für diese Frage ist der immer mehr eskalierende Konflikt zwischen den USA und China. Die USA werfen China vor, sich mit einem künstlich niedrig bewerteten Yuan auf unfaire Weise Wettbewerbsvorteile zu verschaffen - doch China weigert sich, die Bewertung seiner Währung dem freien Spiel der Märkte zu überlassen. Weder die Weltbank als Finanzierer von Entwicklungshilfeprojekten noch der Internationale Währungsfonds IWF als Finanzfeuerwehr der Vereinten Nationen sind die geeigneten Gremien, in denen Wechselkursfragen entschieden werden. Trotzdem wird dieses Thema auf der Herbsttagung der beiden Organisationen in Washington für Diskussionen sorgen.

Für IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn ist die Sache völlig klar. Ein Währungskrieg sei eine sehr militaristische Vokabel, "aber Tatsache ist, dass Manche die Währung als eine Waffe ansehen - und das ist nicht gut für die Weltwirtschaft", sagte Strauss-Kahn in Washington. Die müsse in ein neues Gleichgewicht gebracht werden. "Und das kann nicht funktionieren, wenn man sich gegen den freien Lauf der Wechselkurse stemmt."

Mehr Mitsprache, mehr Verantwortung

Eine Polizistin läuft am Logo der Herbsttagung von IWF und Weltbank am Hauptquartier des IWF in Washington vorbei (Foto: Rolf Wenkel / DW)

Treffpunkt zahlreicher Volkswirte: Herbsttagung von IWF und Weltbank

Eine Bemerkung, die eindeutig auf China gemünzt ist - jene mittlerweile zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, die in den Entscheidungsgremien des IWF jedoch eindeutig unterrepräsentiert ist und mehr Mitsprache fordert. Die Frage, ob er mehr Gewicht für China in den Gremien des IWF von mehr Bewegung in der Wechselkursfrage abhängig machen würde, nahm der IWF-Direktor dankbar auf, um sie zu einen Appell zu nutzen, der ebenfalls eindeutig auf China gemünzt ist: "Je mehr Schwellenländer eine angemessene Stimme im Währungsfonds bekommen, desto mehr müssen sie auch Verantwortung für die Stabilität des Systems übernehmen. Sie können im Zentrum des System stehen, oder am Rand. Doch wenn sie im Zentrum stehen wollen, und das ist ja der legitime Wunsch vieler Schwellenländer, dann müssen sie auch Verantwortung für ihr Handeln übernehmen - und die Konsequenzen für die Weltwirtschaft." Mit anderen Worten: Wer seinen Wechselkurs auf Dauer niedrig hält und sich so Exportvorteile verschafft, verstärkt eher das, was IWF und Weltbank gleichermaßen bekämpfen wollen: Die trotz einer moderaten Erholung nach wie vor bestehenden Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft.

Mahnungen an China

Auch Weltbank-Präsident Robert Zoellick spricht von einem moderaten Wachstum der Weltwirtschaft, aber das sei vielerorts zu schwach, um Arbeitsplätze zu schaffen. "Und wenn sie hohe Arbeitslosigkeit haben, kommt es zu Spannungen. Wir sehen das jetzt an der Debatte über die Wechselkurse. Industrieländer lassen ihre Wechselkurse frei schwanken, einige Schwellenländer halten ihre Währung niedrig, um die Exporte zu fördern. Und all das verursacht internationale Spannungen. Die Geschichte zeigt aber, dass ein Abwertungswettlauf keine Zukunft hat. Und sie zeigt, dass man sich in einer zunehmend vernetzten Welt nicht nur über die negativen Folgen einer solchen Politik im Klaren sein muss, sondern auch, dass man gemeinsam vernünftig handeln muss."

Weltbank-Präsident Robert Zoellick (Foto: AP)

Weltbank-Präsident Robert Zoellick

Das war ebenfalls ein kaum verborgener Appell an China, sich in der Wechselkursfrage mehr zu bewegen. Gemeinsames Handeln und vor allem gemeinsame Entscheidungen zu treffen – das ist der Gruppe der 20 vorbehalten. Deren Finanzminister tagen aber überhaupt nicht in Washington, wie ursprünglich vorgesehen - sie kommen erst in zwei Wochen beim G20-Gipfel in Südkorea zusammen. Zwar beraten am Freitag (08.10.2010) die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben westlichen Industriestaaten (G7), doch dieser Club der Reichen hat längst nicht mehr so viel Bedeutung wie früher.

"Wir haben mehr Player als früher", sagt auch Zoellick, "und die haben verschiedene Interessen. Wir haben wirtschaftlich schwierige Zeiten, und das führt zu Spannungen. Mein Vorschlag ist, erst einmal mit diesen Spannungen umzugehen. Wenn man die in handfeste Konflikte oder in Protektionismus umschlagen lässt, laufen wir Gefahr, die Fehler der 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu wiederholen." Fehler, die bekanntlich die erste große Weltwirtschaftskrise auslösten.

Autor: Rolf Wenkel, Washington
Redaktion: Martin Schrader

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