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Wirtschaft

IWF registriert stabilere Finanzmärkte

Die globalen Finanzmärkte haben wieder zu mehr Stabilität gefunden, sagt der Internationale Währungsfonds. Zugleich warnt er aber vor möglichen neuen Turbulenzen, wenn Banker und Politiker nicht ihre Hausaufgaben machen.

Stadtansicht von Istanbul (Foto: picture alliance/Bildagentur Huber)

Die diesjährige IWF-Herbsttagung findet in Istanbul statt

Ein Jahr nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, die fast zur Kernschmelze im weltweiten Finanzsystem geführt hätte, gab der Internationale Währungsfonds (IWF) auf seiner Herbsttagung in Istanbul am Mittwoch (30.09.2009) eine bedingte Entwarnung: “Wir befinden uns auf dem Weg der Besserung", sagt José Viñals, Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, "aber das bedeutet nicht, dass plötzlich alle Risiken verschwunden sind."

Demonstranten (Foto: AP)

Gewerkschafter protestierten in Istanbul gegen das Treffen von IWF und Weltbank

Die Maßnahmen der Politik und der Zentralbanken hätten Wirkung gezeigt, sagt Viñals. Es sei richtig gewesen, viel Liquidität in die Finanzmärkte zu pumpen, Rettungsschirme für die Banken aufzuspannen und alles zu tun, um die berühmte Kreditklemme zu vermeiden. Das habe entscheidend dazu beigetragen, die Systemrisiken für die Industrieländer zu mindern. Doch während sich dort die Märkte erholen, hätten sich die Risiken auf die Schwellen- und Entwicklungsländer verlagert. Dort kommen die Banken kaum an Kredite, und die Regierungen haben nicht die Mittel, so gigantische Konjunkturpakete zu schnüren wie in den westlichen Industrieländern.

IWF hat versprochene Gelder bekommen

Im April hatten die Teilnehmer des G20-Gipfels in London beschlossen, die Mittel des Internationalen Währungsfonds um 500 Milliarden Dollar für neue Kreditprogramme aufzustocken - und in der vergangenen Woche in Pittsburgh bilanziert, dass dieses Versprechen eingehalten worden sei. Diese Mittel werde der IWF vor allem dazu nutzen, die Situation in den Schwellenländern und den weniger entwickelten Volkswirtschaften zu entschärfen, so José Viñals. Insgesamt schätzt der IWF die globalen Verluste aus der Finanzkrise auf die unvorstellbare Summe von 3400 Milliarden Dollar. Aber immerhin: das sind rund 600 Milliarden Dollar weniger als noch im Frühjahr geschätzt wurde.

Empfehlungen der internationalen Finanzfeuerwehr

"Die gute Nachricht ist, dass sich die Kapitalsituation der Banken seit dem letzten Stabilitätsreport vom Frühjahr substantiell verbessert hat", sagt der IWF-Experte Viñals. "Wenn man aber fragt, ob das ausreicht, um die Erholung der Weltwirtschaft hinreichend mit Krediten zu unterstützen, dann lautet die Antwort nein", so Viñals weiter.

Es gibt also noch viel zu tun - auch für die Politiker. Und an die hat die internationale Finanzfeuerwehr gleich mehrere Empfehlungen. Erstens müsse sie dafür sorgen, dass das Kreditvolumen für die Unternehmen weiter wächst, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen. "Zweitens wird es extrem wichtig und sehr heikel für die Politiker werden, die richtige Balance zu finden zwischen 'Geld-in-die-Märkte-Pumpen' und 'Geld-aus-den-Märkten-Saugen'. Damit betreten die Politiker Neuland", sagt Viñals.

Niemand kann sich eine neue Krise leisten

José Viñals (M.), Jan Brockmeijer (l.) und Peter Dattels (r.) vom IWF bei einer Pressekonferenz in Istanbul (Foto: dpa)

José Viñals (M.), Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung in Istanbul

Neuland, das schnellstens erkundet werden muss. Denn bleibt die Liquidität zu lange und zu reichlich in den Märkten, ist der Keim für die nächste Blase gelegt. Außerdem, so Viñals weiter, müsse die enorme öffentliche Verschuldung, die durch die Konjunkturpakete sprunghaft angestiegen sei, mittelfristig wieder zurückgeführt werden - andernfalls drohe eine neue Krise, nämlich die Schuldenkrise. "Das weltweite Finanzsystem steht also immer noch vor großen Herausforderungen. Wenn es nicht gelingt, sie zu meistern, könnten die Systemrisiken wiederkehren und der Zug der wirtschaftlichen Erholung wieder entgleisen", meint der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung. "Und das ist etwas, was wir uns schlicht und einfach nicht leisten können."

Autor: Rolf Wenkel

Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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