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Wirtschaft

IWF ist vorsichtig optimistisch für Afrika

Die Krise hat Afrika genauso getroffen wie den Rest der Welt, doch der Internationale Währungsfonds ist zuversichtlich, dass die Krise weniger tiefe Spuren in Sub-Sahara-Afrika hinterlässt als frühere Rezessionen.

IWF-Logo und Weltbank-Logo mit Karte von Afrika (Fotomontage: DW)

Alle Länder in Afrika leiden unter der Wirtschaftskrise

Es gibt kein Land auf dem afrikanischen Kontinent, dass nicht unter der Krise leidet. Doch besonders drastisch ist der konjunkturelle Einbruch in den Ländern, deren Wirtschaft stark von Rohstoff-Exporten und dem Tourismus-Geschäft abhängig ist. Außerdem sind in den Staaten südlich der Sahara die privaten Direktinvestitionen aus dem Ausland, sowie die Überweisungen von Afrikanern, die im Ausland leben und arbeiten, spürbar zurückgegangen. Die Folgen schlagen sich in den Zahlen des Internationalen Währungsfonds nieder, der in Istanbul seinen aktuellen regionalen Wirtschaftausblick für Afrika südlich der Sahara vorlegte: In diesem Jahr wird das Wirtschaftswachstum in der Region bei gerade einmal 1,1 Prozent liegen. Nach Wachstumsraten zwischen 5,5 und 7 Prozent in den vergangenen Jahren ist das ein schmerzhafter Rückgang.

Größerer finanzieller Spielraum als in früheren Krisen

Arbeiterin in einer Textilfabrik in Eritrea (Foto: Africa-Foto)

In diesem Jahr wächst Afrikas Wirtschaft nur um ein Prozent

Trotzdem verbreitet die Chefin der Afrika-Abteilung beim IWF, Antoinette Monsio Sayeh, vorsichtigen Optimismus: "Wir denken, dass die politischen Entscheidungen der Regierungen in die richtige Richtung gehen und das Schlimmste für die Volkswirtschaften vieler afrikanischer Staaten verhindert werden konnte.“ Eine vernünftige Wirtschafts-Politik, die vor der Krise in vielen Ländern durch Schuldenerlasse unterstützt worden sei, gebe jetzt den Regierungen mehr finanziellen Spielraum für öffentliche Ausgaben, obwohl die Staatseinnahmen zurückgingen, sagte die frühere Finanzministerin von Liberia.

Wachstum legt ab 2010 wieder zu

Nach den Berechnungen des IWF wird das Wirtschaftswachstum für das Jahr 2010 bei gut vier Prozent und fünf Prozent für 2011 liegen. Früher sei in Afrika der Aufschwung nach einer Rezession eher schleppend und schwach gewesen, verglichen mit dem Rest der Welt. Heute sei Afrika stärker in das globale Wirtschaftssystem integriert und könne deshalb auch mehr von einer Erholung der Weltkonjunktur profitieren. Außerdem hätten die meisten Regierungen aus früheren Fehlern gelernt. Statt Märkte und Währungen durch Protektionismus gegen Krisen abzuschotten und die öffentlichen Ausgaben drastisch zu kürzen, seien jetzt in vielen Ländern Leitzinsen und zum Teil sogar Steuern gesenkt worden, um den wirtschaftlichen Abschwung aufzufangen, unterstrich IWF-Afrika-Direktorin Sayeh.

IWF stockt Kredite auf

Eine Mutter hält ihr krankes Kind auf dem Arm (Foto: AP)

Fortschritte in der Armutsbekämpfung sind bedroht

Zur Krisenbewältigung hat der Internationale Währungsfonds seine Darlehen aufgestockt: 2009 sind vom IWF mehr als drei Millarden US-Dollar an Krediten in die Staaten südlich der Sahara geflossen – eine deutliche Steigerung gegenüber etwas mehr als einer Millarde US-Dollar 2008 und gerade einmal rund 200 Millionen US-Dollar 2007. Trotz der positiven Aussichten für die kommenden Jahre sieht Sayeh aber auch die Gefahr, dass die Fortschritte bei der Armutsbekämpfung, die in den Milleniums-Zielen der Vereinten Nationen festgelegt worden sind, durch die Krise ernsthaft bedroht sind. Selbst in Ländern wie Ghana, die auf dem besten Weg waren, bis 2015 die Armut zu halbieren, werde sich das Tempo der Armutsbekämpfung stark verlangsamen.

Weniger Überweisungen von Afrikanern im Ausland

Typische Wohnhäuser in Lesotho (Foto: J. Sorges)

Drastischer Rückgang der Investitionen in Lesotho

Wurden vor der Finanzkrise noch rund 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr von Afrikanern aus dem Ausland in ihre Heimatländer überwiesen, ist dieser Wert mittlerweile um vier bis acht Prozent zurückgegangen. Für Länder wie Lesotho, dessen Wirtschaftsleistung sich bislang zu fast einem Drittel aus diesen privaten Auslandsüberweisungen speiste, sind die Folgen erheblich. Auch die privaten Investitionen in der Region, die 2007 auf 53 Milliarden US-Dollar angestiegen waren und für Infrastruktur-Projekte und Investitionen im Rohstoff-Bereich genutzt wurden, brachen zuletzt um 40 Prozent ein.

Wenn die Weltkonjunktur wieder anspringt, werden auch die afrikanischen Rohstoffexporteure davon profitieren. Aber: So ganz sicher ist sich IWF-Afrika-Direktorin Sayeh nicht, dass die Krise für Afrika so glimpflich ablaufen wird. Denn die Annahmen des IWF basieren auf weit weniger Datenmaterial, als das bei den Industrieländern der Fall ist: "Es gibt sehr große Ungewissheiten, die mit dieser Einschätzung verbunden sind, genauso wie das bei den Prognosen für die Weltwirtschaft auch der Fall ist.“ Im Falle Sub-Sahara-Afrikas sei die wirtschaftliche Erholung noch keineswegs sicher gestellt. Doch das Risiko einer Abwärtsspirale, vor dem der Weltwährungsfonds noch im Frühjahr gewarnt hatte, sei erheblich geringer geworden.

Autor: Thomas Kohlmann, Istanbul
Redaktion: Monika Lohmüller

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