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Wirtschaft

IWF fordert mehr Flexibilität in Europa

Die Weltwirtschaft wird nach der Einschätzung des IWF ihr kräftiges Wachstum auch 2007 fortsetzen. Für Deutschland erhöhte der Währungsfonds seine Wachstumsprognose deutlich, forderte aber weitere Strukturreformen.

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In Deutschland droht weniger Konsum

Chefökonom Raghuram Rajan Weltbank

Raghuram Rajan

Selbst bei einer leichten Abschwächung der Wachstumsrate von 5,1 Prozent im laufenden Jahr 2006 auf 4,9 Prozent in 2007 beurteilte IWF-Chefvolkswirt Raghuram Rajan die weltweite Entwicklung am Donnerstag (14.9.2006) als weiterhin gut, denn die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte nehmen ab. Einer Wachstumseinbuße in Amerika stehen Erholungen in Japan sowie den Schwellen- und Entwicklungsländern gegenüber, heißt es im Weltwirtschaftsausblick. Auf der Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds IWF und Weltbank in Singapur mit 16.000 Teilnehmer - darunter Finanzexperten, Banker, Minister und Notenbankchefs aus 184 Ländern - wird am Wochenende zudem der jährliche Weltentwicklungsbericht vorgestellt.

Kaufkraftentzug in Deutschland durch höhere Mehrwertsteuer

Mit Blick auf Deutschland ist der IWF deutlich optimistischer als bei seiner letzten Wirtschaftsprognose vom April. Für dieses Jahr haben die Volkswirte ihre Wachstumsvorhersage von 1,3 auf zwei Prozent angehoben. Für 2007 wird nun ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent erwartet. Die Abschwächung beim Wirtschaftswachstum begründet der IWF nicht nur mit einer allgemeinen Verlangsamung der Expansion der Weltwirtschaft, sondern auch mit dem Kaufkraftentzug durch die beschlossene Anhebung der Mehrwertsteuer.

"Geben Sie den Leuten mehr Anreiz zu arbeiten"

Doch alles in allem ist IWF-Chefvolkswirt Raghuram Rajan für Deutschland optimistisch: "Deutschland ist auf gutem Weg. Die Exporte laufen gut, die Investitionen ziehen an." Durch Lohnzurückhaltung sei die Wettbewerbsfähigkeit des Exports gestärkt worden, denn die Löhne seien weniger schnell gestiegen als die Produktivität. Doch der Konsum würde zu wünschen übrig lassen. "Nach wie vor besteht die Notwendigkeit für strukturelle Reformen, die das Wachstumspotenzial verbessern, etwa durch stärkere Anreize insbesondere für Langzeitarbeitslose. Geben Sie den Leuten mehr Anreiz zu arbeiten", sagte Rajan in Singapur.

Auch sollten nach Ansicht des IWF-Chefvolkswirts in Deutschland die Steuern weiter verringert werden. Ebenso gab er den Ratschlag, die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken, und zwar nicht nur die der Industrie, die international ihre gute Position behaupte, sondern vor allem im Dienstleistungssektor.

Sorge vor steigendem Leistungsbilanzdefizit in den USA

Symbolbild Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft mit ihrem internationalen Güterhandel soll robuster werden

Insgesamt wird nach Ansicht des IWF gegenwärtig zu wenig unternommen, um die Weltwirtschaft robuster zu machen, damit der bereits lang anhaltende Aufschwung verlängert werden kann. Unter diesem Aspekt ruft der wahrscheinliche Anstieg des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits – also höhere Importe als Exporte - von mehr als sechs Prozent in 2006 auf sieben Prozent im kommenden Jahr Sorge hervor.

Von Europa forderte Rajan mehr Flexibilität im Bereich der Dienstleistungen. Die Politiker in Europa müssten gleichzeitig die Arbeitsmärkte und den Unternehmensbereich stärken. Dies werde leider immer wieder auf die Zeit nach den nächsten Wahlen verschoben. Dabei kämen nach Wahlen immer wieder weitere Wahlen. Es sei aber dringend erforderlich, die Dynamik der Weltwirtschaft zu stärken. Rajan erklärte: "Der Zusammenbruch der Handelsrunde Doha-Runde, die Zunahme des wirtschaftlichen Nationalismus bei grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen, die Zunahme des Widerstandes gegen Einwanderung: All dies sind Signale, die in die gleiche Richtung weisen. Im Namen des nationalen Vorteils, nach der Attitüde 'ich, ich, ich' bewirken die Politiker den allgemeinen Nachteil."

Schädliche Eingriffe des Staates in China

Die asiatischen Schwellenländer bilden weiterhin die dynamischste Region der Weltwirtschaft. Zum Beispiel wird China 2006 und im Folgejahr Jahr ein Wirtschaftswachstum von rund zehn Prozent erreichen. Rajan kritisierte: Obwohl China auf dem Weg zur Marktwirtschaft sei, gebe es immer wieder schädliche Eingriffe des Staates in die Wirtschaft. Nach Meinung des Währungsfonds sollte in China der Preis stärker als lenkendes Regulativ wirken. Eine solche Reform einzuführen, sei während einer Phase starken Wirtschaftswachstum am einfachsten.

In Indien soll der Wohlstand breiter verteilt werden

In Indien stellte Rajan eine Stärkung des inländischen Konsums fest. Allerdings müssten in Indien breitere Schichten der Bevölkerung an den Erträgen der Wirtschaft und am modernen Sektor der Volkswirtschaft beteiligt werden. Dafür seien höhere Investitionen des Staates in das Bildungs- und Gesundheitswesen sowie der weitere Ausbau der Infrastruktur und Reformen im Finanzwesen erforderlich.

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