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Welt

IWF-Chef Strauss-Kahn in Handschellen

Die Festnahme des Chefs des Internationalen Währungsfonds, Strauss-Kahn, hat nicht nur in seinem Heimatland Frankreich für Furore gesorgt. Strauss-Kahn soll in New York versucht haben, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen.

Dominique Strauss-kahn (Foto: AP)

Dominique Strauss-Kahn

Nach 30 Stunden in Polizeigewahrsam wurde Dominique Strauss-Kahn von Polizeibeamten in Handschellen aus dem Revier geführt. Er soll an diesem Montag erstmals vor dem Haftrichter erscheinen. Dabei könnte auch die Frage nach einer Freilassung auf Kaution behandelt werden. Ein Polizeisprecher hatte zuvor ausgeschlossen, dass der IWF-Chef diplomatische Immunität genieße.

Polizeibeamte in der Hotellobby (Foto: AP)

Was geschah in der Hotel-Suite in New York?

Strauss-Kahn beauftragte mehrere Anwälte mit seiner Verteidigung. Der Chef des Internationalen Währungsfonds wehre sich gegen die Vorwürfe der sexuellen Belästigung eines New Yorker Zimmermädchens und werde "energisch" gegen die Anschuldigungen vorgehen, sagte einer der Verteidiger, Benjamin Brafman, am Sonntagabend (15.05.2011). Sein Anwaltskollege William Taylor erläuterte, die Verlegung des Haftrichter-Termins auf den Montag habe damit zu tun, dass die Polizei zunächst weitere Beweise sichern wolle. Dabei solle auch die Kleidung des IWF-Chefs auf DNA-Spuren untersucht werden. Strauss-Kahn habe dem "bereitwillig" zugestimmt, so der Verteidiger.

Den Mann eindeutig indentifiziert

Dem Franzosen, der in seiner Heimat als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat galt, werden versuchte Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und Freiheitsberaubung eines Zimmermädchens vorgeworfen. Die 32-jährige Hotelangestellte sagte laut Polizei aus, Strauss-Kahn sei nackt aus der Dusche gekommen und habe sie daraufhin bedrängt. Bei dem mutmaßlichen Opfer handelt es sich nach Polizeiangaben um eine dunkelhäutige Frau, die seit drei Jahren in dem Hotel der Sofitel-Kette nahe des Times Square in Manhattan arbeitet. Bei einer Gegenüberstellung bei der Polizei habe sie Strauss-Kahn eindeutig identifiziert, hieß es.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn (Foto: AP)

Gilt als erstklassiger Finanzexperte und wurde sogar als Präsidentschaftskandidat gehandelt: Dominique Strauss-Kahn

Der IWF-Chef war am Samstagnachmittag auf dem New Yorker John-F-Kennedy-Flughafen wenige Minuten vor dem Abflug nach Paris von US-Beamten in einer Air-France-Maschine festgenommen worden. Zuvor soll er das Hotel überstürzt verlassen und unter anderem sein Handy zurückgelassen haben. Ein Polizeisprecher erklärte, die Beamten seien Strauss-Kahn auf die Spur gekommen, nachdem dieser kurz vor dem Abflug im Hotel angerufen habe, um nach seinem Handy zu fragen.

Ende einer Karriere?

In Frankreich gilt es inzwischen als unwahrscheinlich, dass Strauss-Kahn noch als Präsidentschaftskandidat der Sozialisten antreten kann. In vielen Zeitungskommentaren ist vom Ende einer Karriere die Rede. Der IWF-Chef war schon in der Vergangenheit wegen sexueller Eskapaden aufgefallen. 2008 leitete der Währungsfonds eine interne Ermittlung gegen Strauss-Kahn ein. Es ging um den Verdacht, der IWF-Chef habe seine Macht missbraucht, als er eine Affäre mit einer ihm untergebenen Ökonomin einging. Der IWF-Verwaltungsrat wollte nun an diesem Montag zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Einen Termin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Strauss-Kahn bereits absagen müssen. Am Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe in Brüssel werde stellvertretend Nemat Shafik, der für die Arbeit des IWF in verschiedenen europäischen Ländern zuständig sei, teilnehmen.

Autor: Marko Langer (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Gerhard M. Friese

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