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Wirtschaft

IWF bekräftigt optimistische Prognose

Mit der Weltwirtschaft geht es noch etwas stärker bergauf, sagt der Internationale Währungsfonds voraus. Doch die Experten warnen: Die Risiken durch Protektionismus werden größer.

Die Weltwirtschaft kommt nach Auffassung des Internationalen Währungsfonds (IWF) immer besser in Schwung. Zum Auftakt der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank bekräftigte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld seine Prognose vom vergangenen Herbst, wonach das globale Wachstum in diesem Jahr rund 3,5 Prozent und im nächsten Jahr rund 3,6 Prozent betragen könnte.

"Der Aufschwung findet auf einer breiten Basis statt", sagte Obstfeld am Dienstag in Washington. "Denn sowohl Industrie- als auch Schwellen- und Entwicklungsländer tragen dazu bei." Die Vorhersage für das laufende Jahr habe der IWF sogar gegenüber der Januar-Prognose geringfügig angehoben, sagte Obstfeld weiter. Dies sei den momentan guten Entwicklungen in Europa und in Asien geschuldet, und in Asien speziell in den Volkswirtschaften Japans und Chinas, sowie dem fortgesetzten Wachstum in den USA.

Potenziale nicht ausgeschöpft

Trotz dieser guten Nachrichten gebe es immer noch viele Länder, deren Wachstumsraten deutlich unter denen der vergangenen Jahre lägen, schränkte Obstfeld ein. So seien zum Beispiel die Rohstoffpreise und damit die Einnahmen vieler Länder seit Anfang 2016 relativ stabil, allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau, was den Rohstoffe exportierenden Ländern wenig Spielraum gebe, besonders im Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika. Gleichzeitig bedrohten oft das Zusammentreffen von schlechten Erntebedingungen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen die Ernährungssituation in vielen Ländern, bis hin zu Hungersnöten, besonders in der Subsahara-Region Afrikas.

"Es bleibt deshalb fraglich, ob sich der momentane Schwung in der Weltwirtschaft verstetigen kann", sagte Obstfeld weiter. Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen hätten in vielen Ländern noch Luft nach oben, obwohl sich die Indikatoren schon auf einem hohen Niveau bewegten, so Obstfeld. "Andererseits bekommt die Weltwirtschaft immer noch Gegenwind", meinte der oberste Konjunkturforscher des IWF. So beobachte seine Institution in vielen Ländern einen gedämpften Produktivitätsfortschritt, der die vorhandenen Potenziale nicht ausschöpfe.

Risikokandidaten USA und China

"Zudem stammen zwei der größten Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft aus den beiden größten Volkswirtschaften der Welt", warnte Obstfeld. Da sei zum einen die Notenbank der USA, die mit ihrem Ausstieg aus der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan um einige Schritte voraus sei. Andererseits habe die neue US-Administration für die nächsten Jahre eine expansive Ausgabenpolitik angekündigt. Das erhöhe die Inflationsgefahr, was wiederum zu schnelleren und kräftigeren Zinsanhebungen führen könnte als bisher geplant, zusammen mit einer kräftigen Dollar-Aufwertung. Diese Entwicklung könnte vor allem solche Schwellen- und Entwicklungsländer in Schwierigkeiten bringen, die große Verbindlichkeiten in US-Dollar halten.

Auch von der zweitgrößten Volkswirtschaft gingen Abwärtsrisiken aus, der Volksrepublik China. China sei auf dem Weg, seine Überschüsse im Außenhandel abzubauen und den Anteil der Industrieproduktion zugunsten des Dienstleistungssektors zu verringern. Doch bleibe die enorme Kreditexpansion ein ernsthaftes Risiko für das Finanzsystem, deren Folgen auch auf andere Länder überspringen könnten.

Kampf jeder gegen jeden

Jenseits dieser ökonomischen und konjunkturellen Risiken beobachtet der Internationale Währungsfonds besonders in den entwickelten Volkswirtschaften eine zunehmende Skepsis gegenüber der Globalisierung und der internationalen Arbeitsteilung, eine Abkehr von multilateralen (Handels-)Abkommen und eine Zunahme protektionistischer Tendenzen. "Wenn wir damit anfangen, führt das zu einer verhängnisvollen Abwärtsspirale, zu einemWettlauf nach unten, bei dem es keine Sieger, sondern nur Verlierer gibt", so Maurice Obstfeld.

Der internationale Handel sei immer eine Quelle des Wachstums gewesen, führte der IWF-Chefvolkswirt weiter aus. Er habe die Einkommen in vielen Ländern eindrucksvoll gesteigert und die Armut in der Welt verringert, vor allem in den weniger entwickelten Volkswirtschaften. "Aber seine Erträge sind nicht immer bei allen Menschen gleichermaßen angekommen, sie sind ungleich verteilt". Es sei daher die Aufgabe der Politik, die Arbeitnehmer an diesen Erträgen teilhaben zu lassen - andernfalls werde die politische Unterstützung für den Welthandel weiter erodieren.