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Afrika

Ivorische Armee schießt auf Frauen

Ivorische Sicherheitskräfte haben bei einer Pro-Ouattara-Demonstration am Donnerstag mindestens sechs Frauen erschossen. Zu den blutigen Auseinandersetzungen kam es in Abobo, einem Stadtteil von Abidjan.

Straße in Abidjan (Photo Gbekide Barnus/Panapress)

Straßenkämpfe in Abidjan

Mehrere Zeugen bestätigen den Bericht über den brutalen Angriff auf die Demonstranten. Männer in Uniform seien in einem Auto vorgefahren und hätten wild in die Menge geschossen, sagte ein Bewohner des Stadtteils Abobo. "Sechs Frauen starben sofort vor Ort." Ein anderer Zeuge sprach sogar von zehn Toten. Ein Angehöriger des Militärs bestätigte, dass es eine Schießerei gegeben habe. Es handele sich dabei um einen Unfall, den er mit der "Nervosität der Sicherheitskräfte nach vorangegangenen Zusammenstößen" rechtfertigte.

Auf der Flucht

Seit zehn Tagen kommt es in Abobo immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. In Abobo leben überwiegend Anhänger des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara. Die ivorische Armee und die Polizei stehen aber nach wie vor hinter Alt-Präsident Laurent Gbagbo. Er weigert sich das Ergebnis der Präsdentschaftswahl vom November 2010 anzuerkennen und beansprucht weiter das Präsidentenamt. Seitdem treffen Anhänger beider Lager immer wieder in gewaltsamen Auseinandersetzungen aufeinander.

Bewohner von Abobo auf der Flucht (Foto: dapd)

Die Bewohner von Abobo fliehen

Nach den jüngsten Ausschreitungen in der vergangenen Woche scheint der Ausbruch eines Bürgerkrieges jetzt immer wahrscheinlicher. Die UN-Beauftragte für Menschenrechte Navi Pillay warnte am Donnerstag (03.03.2011) vor einer humanitären Krise. "Ich bin sehr besorgt über die Zunahme der Gewalt und die Menschenrechtsverletzungen in der Elfenbeinküste", sagte Pillay weiter. Allein während der vergangenen 24 Stunden seien in Abobo mindestens 26 Menschen getötet worden, sagen UN-Vertreter in der Elfenbeinküste. Die Vereinten Nationen sprachen am Donnerstag von 200.000 Flüchtlingen. Sie alle wollten Abobo so schnell wie möglich verlassen.

Ohne Empfang

Unterdessen können internationale Sender wie BBC Radio und Radio France International (RFI) seit Mittwoch nicht mehr empfangen werden. Die Regierung von Laurent Gbagbo sagt laut BBC, sie habe nichts gegen die Sender unternommen. Noch sei nicht klar, weshalb die Übertragung gestoppt sei. Das französische Radioprogramm der Deutschen Welle wird weiter über die ivorischen Partnersender der Deutschen Welle ausgestrahlt. Allerdings dürfen keine Beiträge über die Elfenbeinküste gesendet werden. Diese Regelung ist aber nicht neu; sie war schon vor der Präsidentschaftswahl in Kraft.

Bewaffnete Jugendliche in Abidjan (Foto:Rebecca Blackwell/AP/dapd)

Bewaffnete Jugendliche ziehen in Abidjan durch die Straßen

Bereits im Dezember waren BBC, RFI und der Nachrichtensender France24 abgeschaltet worden. Ausländische Journalisten werden immer wieder bedroht. Nach Berichten des Gbagbo-treuen Staatsfernsehens, die Darstellungen der ausländischen Medien würden das Land destabilisieren, gab es bereits Angriffe von jugendlichen Gbagbo-Unterstützern auf fremde Journalisten. Am Sonntag wurde der Sendemast des Staatsfernsehens von Gegnern des abgewählten Präsidenten in Brand gesetzt.

Inzwischen haben außerdem neun örtliche Zeitungen, die entweder Ouattara unterstützen oder unabhängig sind, in dieser Woche ihren Betrieb eingestellt. So protestieren sie gegen die Bedrohung und Schikane durch das Gbagbo-Lager. Es sei äußerst gefährlich für die Medien, in der Elfenbeinküste zu arbeiten, da Kritiker sowohl von Gbagbo als auch von Ouattara mit Repressalien rechnen müssten, erklärte Mohamed Keita vom "Comittee to Protect Journalists". So wurden seit Januar zwei Reporter aus dem von Rebellen kontrollierten Norden von Gbagbo-loyalen Sicherheitskräften festgenommen.

Keine Waffen aus Weißrussland

Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko(Foto: AP Photo/Nikolai Petrov, BelTA)

Keine Beweise: Eine Entschuldigung bei Lukaschenko war fällig

Am Mittwoch musste sich die UNO für die Behauptung entschuldigen, Weißrussland habe Waffen für Gbagbo in die Elfenbeinküste geliefert. Anfang der Woche hatte die Organisation bekannt gegeben, dass Weißrussland nach ihren Informationen drei Kampfhubschrauber in das westafrikanische Land geschickt habe. Diese Vermutung ließ sich nicht beweisen. Bei einem Treffen mit einem weißrussischen Diplomaten drückte die UN ihr tiefes Bedauern über den Schaden, den sie dem Land verursacht habe, aus. Weißrussland machte im Zuge dessen erneut deutlich, dass es das seit 2004 bestehende Waffenembargo gegen die Elfenbeinküste definitiv einhalte. Gegenüber Reuters gab ein anonymer Mitarbeiter der UN an, dass es aber durchaus möglich sei, dass die Lieferung der Hubschrauber auch durch die Veröffentlichung des UN-Berichts unterbunden worden sei.

Autorin: Carolin Hebig (ap, dpa, Reuters)
Redaktion: Christine Harjes

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