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Vor den nächsten Euro-Krise?

Italiens Krisenbank auf der Suche nach Milliarden

Wie gefährlich kann eine einzelne angeschlagene Bank für das Finanzsystem Italiens werden? Die Banca Monte dei Paschi di Siena bleibt ein Problem - auch aus Sicht der EU. Woher soll das Geld kommen?

Die angeschlagene italienische Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) bemüht sich weiter um die  Beschaffung zusätzlichen Kapitals. Wie die Bank mitteilte, wurde bei einer Aufsichtsratssitzung in Mailand beschlossen, mit der geplanten Kapitalerhöhung fortzufahren und wie geplant bis zum 31. Dezember Privatinvestoren zu finden. Italienischen Medienberichten zufolge hatte die Europäische Zentralbank (EZB) zuvor eine Bitte um einen Aufschub abgelehnt.

Fünf Milliarden vielleicht?

Die BMPS hatte am Mittwoch um mehr Zeit gebeten. Sie wollte die geplante Kapitalerhöhung nicht bis zum 31. Dezember, sondern bis zum 20. Januar abschließen. Die Bank verwies auf die Unsicherheit nach dem vom ehemaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi verlorenen Referendum zur Verfassungsreform.

Mit der Kapitalerhöhung will das Geldinstitut bis zu fünf Milliarden Euro frisches Geld in die Kasse bekommen. Bank-Chef Marco Morelli warb kürzlich auch in den USA, Großbritannien und Frankreich um Investoren. Der katarische Investmentfonds Qia, der eigentlich eine Milliarde Euro investieren wollte, hatte sich wegen der politischen Lage in Italien aber zurückgezogen. Allerdings verlautete nun aus Kreisen des Bankmanagements, sei der Staatsfonds von Katar sei bereit, in die Bank zu investieren, möglicherweise rund eine Milliarde Euro.

Faule Kredite auslagern

Schon im Juli war ein Rettungsplan für die Bank vorgelegt worden. Dieser sieht vor, sogenannte faule Kredite in Höhe von fast 28 Milliarden Euro auszulagern. Zudem sollen 2600 Arbeitsplätze gestrichen und etwa 500 der 2000 Filialen geschlossen werden. Die BMPS kämpft seit Jahren mit Problemen. Das Institut schnitt beim Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht Ende Juli mit Abstand am schlechtesten ab.

Deutschland European Banking Congress EBC in Frankfurt (Getty Images/AFP/D. Roland)

Bundesbank-Chef Jens Weidmann

Auch der Bundesbankpräsident macht sich längst Gedanken um das italienische Krisenhaus. Jens Weidmann sagte: "Dass sich neben den Investoren auch der Staat an einer Krisenlösung beteiligt, lässt sich wohl nie grundsätzlich ausschließen." Dies sollte aber die "seltene, klar eingegrenzte Ausnahme und nicht der Regelfall" sein, sagte Weidmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Nach der großen Finanzkrise hatte man sich in Europa eigentlich darauf geeinigt, dass Eigentümer und Gläubiger für Verluste von Banken haften und nicht mehr die Steuerzahler. Bei der BMPS wären davon allerdings auch Zehntausende Kleinanleger betroffen, was die Sache politisch brisant macht.

ml/wl (rtr, dpa)