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Europa

Italiens Finanzkrise erreicht die Monumente

Italien hat mehr UNESCO Weltkulturerbestätten als jedes andere Land. Doch die Krise macht sich auch hier bemerkbar: Italien gehen die Mittel für seine Museen und Monumente aus.

Eine nur halbstündige Zugfahrt von Roms Zentrum entfernt liegt das Castello di Guilio II. Von der jahrhundertealten Burg, kann man die Ruinen der Ostia Antica, einer antiken Hafenstadt, sehen. Allerdings: Schon bald wird das Castello vielleicht seine Tore schließen müssen.

"Wir haben nicht genug Mitarbeiter, das ist auch bei anderen Kulturdenkmälern ähnlich“, sagt Donatella Dotti, eine Fremdenführerin. "Das Castello kann jetzt nur noch donnerstags besucht werden." Dotti führt seit 1996 Touristen durch das Schloss. Noch bis vor kurzem war sie die ganze Woche über beschäftigt. Nur montags war Ruhetag. Jetzt müssen Touristen vorher buchen, wenn sie an der wöchentlichen Führung teilnehmen wollen.

Kürzere Öffnungszeiten

Marmor aus den römischen Ruinen

Ohne Finanzmittel werden die Kulturgüter verfallen

Verwirrte Touristen scharen sich um das Schild, das am Eingangstor hängt. "Wirklich nur am Donnerstag?“, fragen sie. "Ja, nur donnerstags", anworten Passanten aus einem Nachbardorf.

Das Castello di Guilio II ist eines von nur zwei Schlössern in Rom. Kardinal Guiliano della Rovere beauftragte den Florentiner Architekten Baccio Pontelli mit dem Bau des Schlosses und (1493-1487). Der Kardinal wurde später als Papst Julius II., der Förderer Michelangelos, berühmt.

Die Burg war strategisch wichtig, sie schützte die Mündung des Tiber-Flusses. Zollbeamten sammelten Steuern von den Schiffen ein, die auf dem Weg nach Rom Halt machten. Das Castello, das aus Marmor und anderen Materialien aus nahe gelegenen Ruinen errichtet wurde, sollte dem im Krieg standhalten können. "Es gab unter anderem sogar Öfen, in denen Brot gebacken werden konnte sowie Waffen- und Getreidespeicher. Kurz: alles, um auch einer monatelangen Belagerung standzuhalten", erklärt Donatella.

Renovierungsarbeiten verschoben

Fresken im Schloss

Können diese Fresken renoviert werden?

Die Burg reflektiert auch die Liebe zur Kunst, die Papst Julius II. hegte. Fresken schmücken die große Treppe, die zu den päpstlichen Wohnräumen führt. Bei Renovierungsarbeiten vor vier Jahren wurden Gemälde gefunden, auf denen Herkules und römische Kaiser zu sehen sind. Allerdings seien die Renovierungsarbeiten frühzeitig beendet worden, sagt Dotti. "Die Fresken hätten eigentlich in drei Phasen renoviert werden sollen. Die ersten beiden Phasen sind abgeschlossen. Ich weiß nicht, ob es noch zur dritten Phase kommt", erklärt sie. Wenn es nicht bald weitere Restorationsarbeiten gäbe, würden die Fresken weiter verfallen. Aber im finanziell gebeutelten Italien gibt es kaum Geld für Kultur.

47 UNESCO Weltkulturstätten gibt es in Italien, mehr als in jedem anderen Land. Aber in den letzten Jahren ist das Kulturbudget drastisch reduziert worden: immer weniger Geld für Renovierungsarbeiten und für´s Personal. Vor kurzem hat die Regierung den Verkauf von hunderten von historischen Gebäuden vorgeschlagen, um ihre Schulden zu reduzieren.

Bald auch weniger Geld für UNESCO?

Altes Tor

Die Tür wird nur noch einmal die Woche geöffnet

Das Castello ist also nur eine von vielen bedürftigen Kulturstätten. 2011 hat Farnesina, das italienische Außenministerium bekannt gegeben, dass Italien 25 Millionen Euro (etwa 35 Millionen US-Dollar) an UNESCO Projekte und Institutionen gespendet hat, sowie 14,3 Millionen Euro an kulturelle Programmen. Somit ist Italien der sechstgrößte Geldgeber weltweit. Die italienische Regierung wird bald das Budget verkleinern müssen, zumindest wird sie fragen müssen, wo und wie das Geld innerhalb der UNESCO ausgegeben wird.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Burg um ihre Zukunft bangt: Im 16. Jahrhundert veränderte ein schwerer Sturm den Lauf des Tibers. Die Burg, deren Graben vom Fluss genährt worden war, stand auf dem Trockenen. Über Nacht war die Burg, die der Belagerung der spanischen Truppen stand gehalten hatte, obsolet geworden. Über die Jahrhunderte stand die Burg ungenutzt in einem malariainfizierten Sumpf. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Burg wiederentdeckt, renoviert und für den Tourismus geöffnet.

So soll es auch bleiben, hofft Donatella Dotti. "Die Leute mögen die Burg. Die Führungen sind immer ausgebucht und die Burg ist es wirklich wert."

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