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Aktuell Europa

Italienischer Schriftsteller Tabucchi gestorben

Der italienische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Antonio Tabucchi ist tot. Im Alter von 68 Jahren erlag er einem Krebsleiden. Er galt immer wieder als Anwärter für den Literaturnobelpreis.

Wenn es um sein Heimatland Italien ging, nahm Antonio Tabucchi kein Blatt vor den Mund. In seinen Büchern kritisierte er Italiens Politik und prangerte Missstände an. Seine Liebe galt seiner zweiten Heimat Portugal, wo Tabucchi am diesem Sonntag gestorben ist. Das meldete die italienische Zeitung "La Republica". Der 68-Jährige soll einem Krebsleiden erlegen sein.

Zwischen Toskana und Lissabon

Tabucchi, der 1943 in Vecchiano bei Pisa geboren wurde, erlangte mit seinem Roman "Erklärt Pereira" aus dem Jahr 1994 Weltruhm. Der Roman spielt im Lissabon von 1938, als Portugal unter der faschistischen Herrschaft Salazars stand. Der Held ist ein alternder und bequem gewordener Journalist, der eigentlich mit der Politik nichts mehr zu tun haben will. Doch das Engagement eines jungen Kollegen weckt auch seine Neugier erneut. So wird der unpolitische Intellektuelle zum Zeitzeugen, der auch Position bezieht.

Der Ort des Geschehens ist nicht willkürlich gewählt: Portugal war Tabucchis Wahlheimat. "Die Menschen können sich nicht aussuchen, wo sie geboren werden, aber wo sie leben und sterben schon", lautete das Credo des Autors. Über Jahre pendelte der Professor für portugiesische Sprache und Literatur an der Universität Genua zwischen Lissabon und der Toskana hin und her. Studiert hatte Tabucchi moderne Literatur an den Universitäten in Paris und Pisa, wo er auch provomierte.

Gegen Berlusconi

Immer wieder thematisierte Tabucchi die politische Lage in seiner Heimat Italien. Mit Kritik am langjährigen italienischen Premier Silvio Berlusconis sparte er nicht. "Ich habe ehrlich gesagt keine Lust, in einem Land zu leben, dass Bürgerwehren autorisiert, Immigration als Verbrechen bezeichnet und mich einmal zur künstlichen Ernährung zwingen könnte", sagte Tabucchi einst zur politischen Situation in seinem Heimatland in einem Interview mit dem italienischen Magazin "Il Venerdì di Repubblica".

Trotz seines eigenen politischen Engagements sah Tabucchi die Möglichkeit der Literatur, in das Zeitgeschehen einzugreifen, eher skeptisch. "Heute kann jeder Idiot im Fernsehen in Sekundenschnelle Millionen von Personen erreichen - mit einem Buch hingegen?", zog Tabucchi ein pessimistisches Fazit.

Kein Nobelpreis, aber viele Ehrungen

Auch wenn er oftmals als Kandidat für den Literaturnobelpreis galt, blieb Tabucchi diese Ehrung verwehrt. Geehrt wurde er aber mit dem "Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur" und dem italienischen "Premio Campiello".

Vielen Literaturexperten galt er als "Grenzgänger zwischen italienischer und lusitanischer Kultur". Seine Stärke sei es gewesen, das Fantastische, Mysteriöse und Bedrohliche am Alltag aufzuzeigen. Daher wechseln Tabucchis Geschichten oftmals zwischen Traum, Fantasie und Wirklichkeit. Er thematisierte Irrwege des Schicksals und die Unumkehrbarkeit der Zeit. "Die Stimme ist Leben, das Schweigen ist gar nichts, das Schreiben hingegen ist wie ein Kristall, der am Ende übrig bleibt", sagte Tabucchi.

nis/kle (dpa, afp)