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Aktuell Europa

Italienische Küstenwache rettet 4500 Bootsflüchtlinge an einem Tag

Die italienische Küstenwache hat erneut mehr als 4500 Flüchtlinge gerettet, die über das Mittelmeer nach Europa kommen wollten. Die gefährliche Überfahrt ist aus zwei Gründen wieder attraktiver geworden.

Symbolbild Flüchtlingsboot

Viele Flüchtlinge wagen auf nicht seetüchtigen Schlauchbooten die Überfahrt von Afrika nach Italien

Die meisten Flüchtlinge werden von Schleppern in kleine und meist nicht seetüchtige Boote gesetzt. So skrupellos die Schleuser auch sind, die Schlechtwetterperiode der vergangenen Tage und Wochen hat sie dann doch davon abgehalten, viele "Kunden" auf die Reise zu schicken. Doch jetzt hat sich das Mittelmeer beruhigt - und sofort setzt wieder verstärkt ein Zustrom von Flüchtlingen ein. Die meisten von ihnen sind in Libyen gestartet.

Die auf Malta stationierte Hilfsorganisation MOAS (Migrant Offshore Aid Station) berichtete von zwei Dutzend Booten, die rund 20 Seemeilen vor der libyschen Küste gesichtet worden seien. Die Marine des nordafrikanischen Landes hat eigenen Angaben zufolge acht Schlauchboote mit insgesamt fast 1000 Menschen an Bord aufgebracht. Die meisten der Insassen waren aus arabischen Staaten und aus Ländern südlich der Sahara.

Kein Ende in Sicht

Rettungsmannschaften nahmen bei Dutzenden von Einsätzen am Donnerstag insgesamt mehr als 4500 Bootsflüchtlinge an Bord. Damit seien an einem einzigen Tag so viele Migranten aufgegriffen worden wie sonst in einer Woche, sagte ein Mitarbeiter der italienischen Küstenwache gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Sprecher der Küstenwache sagte, die Zahl der Geretteten sei noch nicht genau zu nennen, da einige der Einsätze bis zum Abend noch nicht abgeschlossen gewesen seien. Die überwiegende Zahl der bereits Aufgegriffenen befand sich in Schlauchbooten. Von den mehr als 40 entdeckten Booten waren nur zwei aus Holz.

Wie die Küstenwache weiter mitteilte, wurde von Bord eines Schlauchbootes die Leiche einer Frau geborgen.

Mittelmeer statt Balkan-Route

Einer Zwischenbilanz des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge sind seit Jahresbeginn bereits mehr als 56.000 Flüchtlinge und Migranten über das Mittelmeer nach Italien gekommen. Mehr als 2800 starben bei dem Fluchtversuch.

Italien hat am meisten unter dem Ansturm zu leiden: Seit Anfang 2014 sind 320.000 Bootsflüchtlinge an italienischen Küsten gelandet oder wurden von der Küstenwache aufgegriffen. 125.000 von ihnen leben noch immer in italienischen Notunterkünften. Die drei Herkunftsländer, die die größte Zahl der Flüchtlinge stellen, sind Nigeria, Eritrea und Gambia. Das teilte das italienische Innenministerium mit.

Das Mittelmeer ist als Fluchtweg wieder interessant geworden, seit die Balkan-Route geschlossen wurde. Auch das Abkommen der EU mit der Türkei über die Rücknahme von Flüchtlingen hat die Zahl der Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer wieder ansteigen lassen.

mak/nin (rtr, dpa, afp)