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Aktuell Europa

Italienische Küstenwache rettet 1350 Flüchtlinge

Die italienische Küstenwache hat zusammen mit anderen Helfern allein am Samstag mehr als 1300 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer gerettet. Nach einer wissenschaftlichen Studie machen die Rettungseinsätze Schleuser reich.

Italienisches Marine-Schiff mit Flüchtlingen an Bord (Foto: Getty Images/AFP)

Italienisches Marine-Schiff mit Flüchtlingen an Bord

An insgesamt elf Einsätzen zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste waren nach italienischen Angaben auch die EU-Mission Eunavfor Med, die maltesische Flüchtlingshilfe Moas und das Schiff eines Privatmanns beteiligt. Damit seien binnen drei Tagen mehr als 3000 Flüchtlinge gerettet worden, teilte die Küstenwache weiter mit.

50.000 Flüchtlinge seit Jahresanfang

Insgesamt haben in diesem Jahr bereits rund 50.000 Migranten die Küste Italiens und damit Europa erreicht. Trotz der geschlossenen Balkanroute sind damit allerdings bislang nicht mehr Menschen über die Mittelmeerroute in Italien angekommen als in den ersten fünf Monaten des Vorjahrs.

Die Überfahrt nach Italien, meist in überfüllten Schiffen aus Nordafrika, ist besonders gefährlich. Seit 2014 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 10.000 Menschen auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrunken, oder sie gelten seither als vermisst.

Kritische Studie

Nach einer Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Palermo auf Sizilien spülen die europäischen Einsätze zur Rettung von Flüchtlingen vor allem Geld in die Taschen von Menschenschmugglern. Die Untersuchung zeige, dass "militärische Patrouille-Einsätze im Mittelmeer die Zahl der Ankünfte (von Migranten) erhöht haben, und damit einen Anreiz und einen positiven Faktor für das Geschäft der Schleuser darstellen", heißt es in einer Präsentation der noch unveröffentlichten Studie, die der Deutschen Presse-Agentur nach eigenen Angaben vorliegt. Indem die Rettungsmissionen die Sicherheit der Überfahrt erhöhen, machten sie die Dienste der Schleuser attraktiver und befeuerten deren Geschäft.

Die Rettungspatrouillen im Mittelmeer stehen nicht zum ersten Mal unter dem Vorwurf, den Schleusern in die Hände zu spielen. Menschenrechtler und EU-Institutionen sehen aber trotz des sogenannten "Pull Faktors" eine moralische Verpflichtung, in Seenot geratene Menschen zu retten.

wl/stu (dpa, rtr, afp)