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Wirtschaft

Italien panscht Weine

Nach Dioxin im Mozzarella nun Salzsäure im Win: Schon wieder ein Lebensmittelskandal in Italien. Auch der Edeltropfen "Brunello" steht im Verdacht. Verdächtigt wird die Mafia.

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Stinkt`s?

Der Dreiklang von Oliven, Käse und Wein, ein Kernbestandteil international renommierter Genusskultur Italiens, ist empfindlich gestört. Wieder einmal deckte das Nachrichtenmagazin "L’Expresso" die Hintergründe eines Lebensmittelskandals auf. Rund 70 Millionen Liter Wein der Preisklasse zwischen 70 Cent und zwei Euro wurden mit chemischen Düngemitteln, Salz- und Schwefelsäure gepanscht und sind in den Handel gelangt. Nur ein Teil des krebserregenden Gebräus konnte sichergestellt werden. Gegen 20 Winzer vor allem in Norditalien wurden Ermittlungen eingeleitet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll die Mafia aus Apulien hinter dem gefährlichen Cocktail zur "Abrundung" der Massenware stehen.

Mozzarella war verseucht

Pizza-Belag Büffel-Mozzarella mit Dioxin?

Pizza-Belag Büffel-Mozzarella mit Dioxin?

Erst im März hatten Dioxin-Rückstände in Mozzarella-Käse europaweit für Aufsehen gesorgt. Guiseppe Mandara, einer der größten Produzenten, erklärte, man sein "nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt". Mehr als 400 Betriebe waren überprüft worden, weil Büffel vermutlich verseuchtes Gras nahe illegaler Mülldeponien gefressen hatten. Die EU-Behörden hatten von einem Importstopp noch einmal abgesehen.

In dem neuen Skandal geht es nicht nur um Billigweine. Auch der berühmte "Brunello di Montalcino" aus der Toskana geriet wegen Betrugs ins Visier der Ermittler. Mehrere Rebsorten sollen beigemischt worden sein, um dem normalerweise schweren Rotwein eine leichtere und süßere Note zu verleihen, vor allem für Kunden in den USA.

Italien Gepanschter Rebsaft und gefälschter Brunello

Nur Sangiovese gehört in den "Brunello di Montalcino"

Gesetzlich zulässig sind nur Trauben der Sorte "Sangiovese". In der Region wurden 600.000 Flaschen und sechs Weinberge beschlagnahmt. Insgesamt sind 13 Erzeuger aus Montalcina betroffen. Auch gegen namhafte Weingüter wie Antinori und Frescobaldi laufen Ermittlungen.

Bitterer Tropfen: Weinexporte gefährdet

Die Horrormeldungen platzten mitten hinein in das Weltgipfelftreffen der Branche, die Messe "Vinitaly", zu der jedes Jahr nach Verona eingeladen wird. 4300 Anbieter präsentieren sich dem internationalen Markt, natürlich vor allem Italiener. Wein ist ein Exportschlager. Landwirtschaftsminister Paolo De Castro sprach von einem "Sturm im Weinglas" und beeilte sich die Affäre herunterzuspielen, auch in Richtung der misstrauisch gewordenen Europäischen Kommission. Nur wenige Winzer stünden unter Verdacht, so De Castro in Interviews. Die EU-Kommission hatte, wie schon beim Käse-Skandal, umgehend Aufklärung von Rom verlangt.

Die Weinbranche hatte erst jüngst weltweite Produktionsrückgänge vermeldet. Die Abnahme sei auch auf größere Zurückhaltung gesundheitsbewusster Kunden zurückzuführen, erklärte die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) in Paris. (sc)

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