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Fußball

Italien – ausgerechnet Italien!

Es ist die Neuauflage des Klassikers: Deutschland gegen Italien, diesmal im Halbfinale der EURO 2012. Aber musste das denn sein? Schließlich konnte bislang noch keine DFB-Elf die Italiener in einem Turnier schlagen!

Deutsche Fans weinen nach der WM-Niederlage gegen Italien 2006 in Dortmund. (Foto: AP)

Deutsche Fans weinen nach der WM-Niederlage gegen Italien 2006 in Dortmund

War es nicht erst gestern, als wir mit verlorenem Blick im Dortmunder WM-Stadion standen? Die Köpfe waren leer, die Sommermärchen-Euphorie war verflogen. Deutschland hatte gegen Italien im Halbfinale der Heim-WM 2006 mit 0:2 verloren. Es war der 4. Juli, es war die 119. Spielminute: Andrea Pirlo spielte den Pass, Fabio Grosso nahm ihn auf und überwand Torhüter Jens Lehmann mit einem Schlenzer in die lange Ecke. Wenige Augenblicke später legte Alessandro Del Piero nach – es stand 0:2. Und da war sie, diese unendliche Stille in dem weiten Rund, minutenlang, nur das verlorene Häufchen Italiener feierte. Bis heute unvergessen für mich und meinen fußballverrückten Kumpel Thomas.

Und nun – wieder Italien! "Hätten es denn nicht die Engländer sein können", frage ich. "Es musste Italien sein", sagt mein Begleiter von damals wie aus der Pistole geschossen "– der Revanche wegen!" Nur wenn die mal so sicher wäre. Die Historie jedenfalls spricht eindrucksvoll und schmerzlich zugleich dagegen.

Eine Bilanz der Tränen

Schließlich hat die deutsche Nationalmannschaft noch nie bei einer Welt- oder Europameisterschaft gegen Italien gewonnen. Auch außerhalb der Turniere gab es bittere Niederlagen. Unter dem Strich hat Deutschland gegen die Italiener doppelt so oft verloren wie gewonnen.

Der Italiener Gianni Rivera (l.) reißt zusammen mit Luigi Riva (3.v.l) jubelnd die Arme hoch, Franz Beckenbauer (2.v.l.) und Berti Vogts (r.) sehen den Ball im Tor liegen, Torhüter Sepp Maier liegt geschlagen am Boden. (Foto: dpa)

WM-1970 in Mexiko: Rivera (l.) und Riva jubeln, Beckenbauer, Torhüter Maier und Vogts (v.l.) sind geschlagen

Bei großen Turnieren ist es bisher sieben Mal zu einem Aufeinandertreffen beider Mannschaften gekommen, notiert ist allenfalls ein moralischer Sieg der Deutschen: Das 0:0 zum Vorrunden-Abschluss der EM 1996 in England bedeutete für Italien das Aus. Deutschland kam weiter und holte letztlich den Titel. Insgesamt endeten vier der sieben Spiele unentschieden, doch die drei Niederlagen gehören zu den schmerzhaftesten der deutschen Fußball-Geschichte.

Das "Jahrhundertspiel" von Mexiko-Stadt

Das WM-Halbfinale vom 17. Juni 1970 gilt bis zum heutigen Tag als das "Jahrhundertspiel". Bei Temperaturen von bis zu 50 Grad bekamen die 103.000 Zuschauer im Azteken-Stadion von Mexiko-City die volle Bandbreite geboten. Es begann mit Rasenschach und wurde fortgesetzt mit einem leidenschaftlichen Sturmlauf der DFB-Elf, den Italien-Legionär Karl-Heinz Schnellinger – ausgerechnet Schnellinger – mit dem 1:1 (92.) belohnte. Die wohl beste Verlängerung der Fußball-Historie brachte fünf Tore in 17 Minuten und eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Franz Beckenbauer renkte sich die rechte Schulter aus und trug den Arm in einer Schlaufe, Italien verteidigte den Erfolg nach dem 4:3 von Gianni Rivera (111.) bis zur Erschöpfung.

Keine Chance in Madrid

Im Finale der Weltmeisterschaft in Spanien verlor die deutsche Mannschaft mit 1:3. An diesem 11. Juli 1982 in Madrid war die DFB-Elf den Italienern hoffnungslos unterlegen. Nach der "Schande von Gijon" beim 1:0 gegen Österreich und einer 1:2-Niederlage gegen Algerien in der Vorrunde war Deutschlands Einzug ins Endspiel ohnehin alles andere als verdient. Italien, das allerdings ebenfalls blutleer mit drei Unentschieden aus der Gruppenphase gekommen war, drehte in der K.o.-Runde auf und holte nach Siegen gegen Argentinien und Brasilien verdient den Titel.

Italiens Torwart Gianluigi Buffon (r.) feiert mit einem Team-Kollegen, Deutschlands Oliver Neuville (l.) dreht sind weinend weg (Foto: AP Photo)

Das WM-Aus 2006 in Dortmund: Italiens Keeper Buffon (r.) feiert - Neuville (l.) und Ballack sind untröstlich

Revanche oder neuerliche Schmach?

In schlechtester Erinnerung ist allerdings immer noch die bereits angesprochene Niederlage im WM-Halbfinale von 2006 in Dortmund. "Natürlich denkt man daran", sagte Deutschlands Kapitän Philipp Lahm mit Blick auf das neuerliche Duell: "Natürlich hat man das noch im Kopf. Aber damals waren wir noch nicht so weit wie jetzt."

Klingt da vielleicht Optimismus mit? Sollte man also doch froh sein, Italien zum Gegner zu haben, wegen der Chance auf die große Revanche? Oder wäre es nicht besser England gewesen, damit – im Falle einer Niederlage – wenigstens die Gefahr einer neuerlichen Schmach gegen Italien gebannt wäre? Für meinen Fußball-Freund Thomas ist klar: Ich bin ein Feigling!