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Wirtschaft

IT-Gipfel: Mehr Daten, mehr Business

Die deutsche Politik scheint sich vom restriktiven Datenschutz zu verabschieden. Man brauche Big Data für die Geschäftsmodelle der Zukunft, hieß es auf dem IT-Gipfel in Saarbrücken.

Die Deutschen müssen in den kommenden Jahren auf dem Weg in eine digitale Gesellschaft von der bisher geltenden Vorstellung von Datenschutz Abschied nehmen. Dies machte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Saarbrücken beim 10. Nationalen IT-Gipfel deutlich. "Das Prinzip der Datensparsamkeit kann heute nicht die generelle Leitschnur sein für die Entwicklung neuer Produkte", sagte sie.

Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zeigte sich überzeugt, "dass wir uns endgültig verabschieden müssen von dem klassischen Begriff des Datenschutzes". Dieser sei nichts anderes als ein Minimierungsgebot von Daten und somit das "Gegenteil des Geschäftsmodells der digitalen Welt".

Keine Daten, keine Geschäfte

Google-Chef Sundar Pichai sagte beim IT-Gipfel: "Wenn man die Innovation voranbringen will, dann muss man auch Risiken eingehen." Man müsse eine Balance zwischen Datenschutz und der Notwendigkeit offener Daten finden. Innenminister Thomas de Maizière plädierte für eine Datenpolitik, die Deutschland als Datenstandort etabliere: "Keine Daten in Deutschland heißt Datenverwertung woanders und Datenschutz woanders."

"Jetzt geht es erst richtig los", sagte der Präsident des Digitalverbands Bitkom, Thorsten Dirks. "Die Veränderungen, die uns in den nächsten Jahren erwarten werden, gehen weit über das hinaus, was wir in den letzten zehn Jahren erlebt haben." Niemand wisse, wie lange wir noch selbst Autos lenken, mit Bargeld bezahlen, Zeitung lesen oder zur Arbeit ins Büro fahren. Das nächste Jahrzehnt werde "ein Quantensprung in die Gigabit-Gesellschaft" sein. Darunter wird die jederzeitige Verfügbarkeit großer Datenmengen in Echtzeit auch zu industriellen Zwecken verstanden.

Digitale "Hubs" nehmen Arbeit auf

An dem IT-Gipfel nahmen mehr als 1000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft teil. Auch gab es grünes Licht für zwei wichtige Projekte auf dem Weg in eine digitale Gesellschaft. In fünf deutschen Städten beginnen digitale "Hubs" ihre Arbeit. Dabei handelt es sich um Zentren, in denen Mittelständler, Start-ups, Großunternehmen und öffentliche Forschungseinrichtungen an neuen digitalen Dienstleistungen arbeiten. Sie sollen Unternehmen digitales Know-how an die Hand geben.

"Innerhalb einer Generation wird unsere Welt von analog auf digital gedreht. Um hier zu bestehen, braucht es einen nationalen Kraftakt, sagte Dirks. Deswegen seien die Hubs nötig. In Frankfurt am Main kümmert man sich um die Digitalisierung der Finanzbranche, in Dortmund um die Logistikbranche. In Hamburg geht es in einem Hub vor allem um Fragen der maritimen Logistik, in München um neue Mobilitätskonzepte, und in Berlin arbeitet man am Internet der Dinge und ebenfalls an der Digitalisierung des Finanzwesens.

Deutschland | BK Merkel auf dem IT-Gipfel in Saarbrücken (picture-alliance/dpa/O. Dietze)

Bundeskanzlerin Merkel legt auf dem IT-Gipfel in Saarbrücken selbst Hand an

Smarte Schulen

Außerdem wurden im Saarland die ersten beiden sogenannten "Smart Schools" eröffnet. Im Gymnasium Wendalinum in St. Wendel und in der Gesamtschule Bellevue in Saarbrücken werden Schulkassen unter anderem mit dem Minicomputer "Calliope" ausgestattet, mit dem auch Grundschüler das Programmieren lernen können. Später soll dieses Gerät bundesweit in allen Schulen eingesetzt werden. Das Projekt wurde von Google mit 500.000 Euro mitfinanziert. Für jede der rund 40.000 Schulen in Deutschland werden über den Digitalpakt der Bundesregierung rund 125.000 Euro bereitgestellt, das Gesamtvolumen beträgt fünf Milliarden Euro. 

Die deutsche Politik muss nach den Worten von Telekom-Chef Tim Höttges zügig die Weichen für die schnellen Datennetze der Zukunft stellen. "Wir brauchen dafür andere Rahmenbedingungen", sagte er auf dem IT-Gipfel. Die Politik müsse sich jetzt schon damit befassen, wie der Ausbau von Glasfaseranschlüssen bis in die Haushalte (Fibre to the Home, FTTH) gefördert und die Funkfrequenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G verteilt werden. Insbesondere letzterer sei unverzichtbar für selbstfahrende Autos und die Ausrüstung von Fabriken und Maschinen mit internetgestützten Sensoren (Industrie 4.0).

Schnelle Netze

Das 5G-Netz werde wesentlich schneller sein als die derzeit zum Einsatz kommende LTE-Technologie. Schnelle Internet-Anschlüsse per Festnetz dürften vor dem Hintergrund an Bedeutung verlieren. "Wir gehen davon aus, dass künftig zwei Drittel des gesamten Internet-Verkehrs über den Mobilfunk laufen werden", sagte der Telekom-Chef. Derzeit steckt der Standard aber noch in der Entwicklung. In Europa dürfte er frühestens in vier Jahren in einigen Großstädten eingeführt werden.

wen/bea (dpa, rtrd)