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Wirtschaft

IT-Branche rechnet mit schwarzer Null

Die Hightech-Branche in Deutschland erwartet nach deutlichen Umsatzrückgängen im Krisenjahr 2009 erst 2011 wieder ein spürbares Wachstum. 2010 sei ein "Übergangsjahr", heißt es auf der CeBIT.

Über ein Fernbedinung steuert auf dem Messegelände in Hannover auf dem CeBIT Stand von Connected Living ein Nutzer die Temperatur in den verschieden Räumen eines Hauses. (Foto: dpa)

Schöne neue Welt: Fernbedienung für das vernetzte Haus

Die Stimmung in der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche hellt sich deutlich auf. Fast 60 Prozent aller Unternehmen rechnen nach dem Krisenjahr 2009 mit einem Umsatzplus schon im ersten Quartal. Die Unternehmen investieren wieder in IT - Smartphones, mobile Computer und Flachbildfernseher boomen geradezu.

Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer (Foto: dpa)

Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer

Trotzdem wagt August-Wilhelm Scheer, Präsident des deutschen IT-Branchenverbandes BITKOM, nur eine ganz vorsichtige Prognose: "Für das Jahr 2010 erwarten wir eine positive Null, das ist eine vorsichtige Schätzung. Wir sehen dieses Jahr als ein Übergangsjahr an und erwarten dann im Jahr 2011 eine erfreuliche Wachstumszahl von plus 1,6 Prozent."

Vergleichsweise geringer Rückgang

Eine schwarze Null nach einem Minus von 4,3 Prozent auf knapp 140 Milliarden Euro im vergangenen Jahr - für die einst so erfolgsverwöhnte Branche sind das recht bescheidene Zahlen. Aber, so Scheer: "Dadurch, dass wir in unseren Märkten nicht so stark nach unten gegangen sind, können wir jetzt auch nicht so optimistische Wachstumszahlen nach oben verkünden wie andere Branchen. Wenn jemand um 20 Prozent abgeschmiert ist und jetzt wieder um zehn Prozent wachsen will, ist das keine Kunst."

Gesättigter Markt

Netbook (Foto: AP)

Schon ab 250 Euro erhältlich: Netbook der neueren Generation

Die IT-Branche hat es sowieso schwer, beim Umsatz noch nennenswert zuzulegen. Zwar steigen die Mengen der verkauften Geräte, aber gleichzeitig werden sie immer billiger. Ein PC kostet im Schnitt nur noch 480 Euro, 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Netbooks seien schon ab 250 Euro zu haben. "Wir brauchen im Geräteverkauf ein Mengenwachstum von mindestens acht Prozent, um beim Umsatz wenigstens eine schwarze Null zu schreiben", rechnet der BITKOM-Präsident vor. Bei der Telekommunikation sei es ähnlich: Zwar steige das Gesprächs- und Datenvolumen über Festnetz und Mobilfunk unaufhörlich, aber gleichzeitig würden die Preise durch die Behörden nach unten reguliert.

Kein Stellenabbau trotz Krise

Immerhin kam die deutsche Informationstechnologie- und Telekommunikations-Industrie (ITK) auch im Krisenjahr 2009 ohne Stellenabbau aus: "Wir haben 830.000 Beschäftigte und diese Zahl auch im Krisenjahr stabil gehalten", sagt Scheer. "Wir haben 20.000 offene Stellen, früher hatten wir immer 40.000. Das ist ein bisschen zurückgegangen, aber es zeigt, dass wir nach wie vor ein strukturelles Problem haben". Und dieses Problem besteht darin, genügend junge Menschen für ein Informatik-Studium zu begeistern. Auch die Universitäten müssten ihre didaktischen Methoden überdenken, weil immer noch jeder zweite Informatik-Studienanfänger sein Studium vorzeitig abbricht. Außerdem müsste seine Branche zeigen, dass sie sexy sei und sich nicht darauf beschränkte, Algorithmen, also Rechenvorschriften zu programmieren.

BITKOM fordert Internet-Minister

Der Bundesregierung stellt August-Wilhelm Scheer durchwachsene Noten aus. Mit der so genannten Breitband-Initiative sei der richtige Weg beschritten worden. Sie soll auch auf dem flachen Land für schnelle Internet-Verbindungen sorgen, dort, wo es noch die weißen Flecken auf der Landkarte gibt. Doch wenn Deutschland eine Vorreiterrolle beim Aufbau intelligenter Netze für Verkehr, Gesundheit, Energie, Lernen und Bürgerservice einnehmen wolle, dann müsse ein zentraler Verantwortlicher für die Themen der digitalen Welt im Bundeskabinett vertreten sein. Deshalb fordert Scheer von Berlin für die Koordinierung der Internet-Strategie einen eigenständigen Staatsminister.

Autor: Rolf Wenkel

Redaktion: Klaus Ulrich

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