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Kunst

Istanbul Biennale kommt nach München: Pinakothek zeigt "A good neighbour"

Wie beeinflussen globale Konflikte unsere Vorstellung von Heimat und Nachbarschaft? Wem fühlt man sich zugehörig? In der Pinakothek der Moderne reflektieren Künstlerinnen und Künstler ihre ganz eigenen Erfahrungen.

Wir Menschen sind umgeben von Nachbarn. Da gibt es die, mit denen wir Tür an Tür leben - unsere nächsten Nachbarn sozusagen. Aber auch Staaten sind unsere Nachbarn. In beiden Fällen kann es mal besser und mal schlechter mit der Verständigung klappen. Dabei ist sie essentiell, kann über Krieg und Frieden entscheiden - im Großen wie im Kleinen.

Erst vor wenigen Wochen ging in der Türkei die 15. Istanbul Biennale zu Ende. Die Beziehungen des Landes zu seinen Nachbarn sind teilweise sehr angespannt. Nicht wenige Künstler, Journalisten und Institutionen dachten darüber nach, die Kunstschau in dem zunehmend repressiv regierten Land zu boykottieren. Wer dort war, kritisierte die Biennale am Ende nicht selten als zu brav.

"Keine aufrührerische Schau"

Jetzt wird "A good neighbour" mit dem Titel-Zusatz "On the Move" in München fortgeführt: Statt mit 56 Künstlern lediglich mit zwölf - darunter zwei neuen. Davon abgesehen ist das Konzept gleich geblieben. Der Kurator der Pinakothek der Moderne, Dr. Bernhart Schwenk, verteidigt die von Elmgreen & Dragset erdachte Schau und betont, er teile die Auffassung, dass es in Istanbul so zahm zugegangen sei, überhaupt nicht.

Arrangierte, zerknüllte, bunt bedruckte Zeitung. (Olaf Metzel/VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Die Flüchtlingskrise aus medialer Distanz - das Thema in Olaf Metzels großer Plastik

"A good neighbour" sei aber gewiss kein aufrührerischer Titel für eine Ausstellung, gibt er zu. Elmgreen & Dragset seien dafür bekannt, eher subtil vorzugehen. "Wenn man mehr Aufruhr gewollt hätte, dann hätte man andere Kuratoren einladen müssen. Ich glaube aber auch, dass dieser Aufruhr nur selten dazu beiträgt, dass dann wirklich ein Schritt hin zu einer Verständigung passiert", so der Kurator. Im Übrigen seien auch in der Türkei sehr mutige Arbeiten zu sehen gewesen. Dabei denkt Schwenk an den Film "Wonderland" des Künstlers Erkan Özgen, den er jetzt auch in der Pinakothek zeigt. Özgen sei Kurde und lebe sogar im kurdischen Teil der Türkei. Für sein dreiminütiges Video hat er einen taubstummen syrischen Jungen gefilmt, der dem Zuschauer pantomimisch seine Kriegserlebnisse vor Augen führt (mehr dazu in unserer Bildergalerie).  

Nachbarschaft im Wandel

Insgesamt präsentiert Schwenk in der Ausstellung "A good neighbour_On the Move" 50 Arbeiten. Darunter Werke des berühmten griechischen Künstlers Vlassis Caniaris (gestorben 2011), des Iraners Mirak Jamal oder der US-Amerikanerin Andrea Joyce Heimer. Die Arbeiten sämtlicher Künstler spiegeln deren Erfahrungen mit globalen Konflikten oder sozialer Kontrolle wider. Sie reflektieren Geschlechterrollen und Formen des Zusammenlebens. Hinzu kommt die Frage: Wie haben sich unsere Vorstellungen von Heimat, Nachbarschaft und Zugehörigkeit in den vergangenen Jahren verändert? 

Poträt von Bernhart Schwenk, der ein Glas in der Hand hält. (Bayerische Staatsgemäldesammlungen)

Dr. Bernhart Schwenk, Kurator der Ausstellung "A good neighbour_On The Move"

Bei der Schau in der bayerischen Landeshauptstadt stehen die Werke im Vergleich zu Istanbul in einem gänzlich anderen Kontext. Darin liege ein großer Reiz, sagt Bernhart Schwenk, weil so plötzlich auch eine ganz andere Bedeutung hineinkomme. Außerdem habe die Ausstellung durch die Beschaffenheit des Museums, das sehr klassisch wirke, eine andere Sprengkraft. Neben Warhol, Kirchner und Beckmann wirken die zeitgenössischen Werke lebendiger, frecher, bunter. "Nicht, dass die andere Kunst nicht frech und bunt ist, aber leider ist es so, dass wenn wir Warhol, Kirchner oder Beckmann lesen, man schon den goldenen Rahmen drum gemacht und den hohen Auktionspreis ausgerufen hat."  

Kunst für Jedermann?

Schwenk ist es wichtig, ein breites Publikum in die Ausstellung zu locken. "A good neighbour_On The Move" mache spürbar, dass die globalisierte Welt auch das Selbstverständnis öffentlicher Museen und ihrer Ausstellungen verändere, schreibt die Pinakothek zu der Schau. "Es gibt viele Menschen, die denken, sie hätten im Museum nichts verloren, weil sie sich nicht in der Gegenwartskunst auskennen - warum auch immer", sagt Schwenk. "Ich glaube, wir müssen uns öffnen, schließlich sind wir öffentliche Institutionen, werden öffentlich bezuschusst. Das heißt nicht, dass wir uns anbiedern, aber dass wir uns erweitern." Diese Erweiterung könne beispielsweise durch ein Thema wie das der gerade eröffneten Ausstellung geschehen.

"A good neighbour_On The Move" ist vom 14. Dezember bis 29. April 2018 in der Münchener Pinakothek der Moderne zu sehen.

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