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Hintergrund

Ist Schönheit messbar?

Ein Regensburger Psychologe hat eine Formel entwickelt, die Attraktivität messen soll. Schon jetzt können Computer anhand eines Fotos berechnen, wie schön die Figur eines Körpers ist. Bald sollen Gesichter folgen.

Wie schön finden Sie diese beiden Menschen?

Prototypen attraktiver Gesichter nach Martin Gründl

Für Martin Gründl von der Uni Regensburg sind sie jedenfalls das Nonplusultra des guten Aussehens. Der Psychologe ist überzeugt: "Schönheit ist messbar". Die beiden Protagonisten vom Foto schnitten in Bewertungen durch Probanden sehr hoch ab. Braune Haut, schmales Gesicht, wenig Fettansatz, schmale Nase – das sind nur einige der Merkmale von Schönheit, die Gründl identifiziert haben will.

Wer die beiden Personen vom Foto treffen möchte, wird jedoch enttäuscht sein: Sie existieren gar nicht. Gründl fotografierte 64 Frauen und 32 Männer und ließ sie von Probanden auf einer Skala von 1 bis 7 (sehr attraktiv) bewerten. Die Personen oben sind eine digitale Verschmelzung der Fotos, die die höchsten Bewertungen erhielten.

Auch das andere Extrem gibt es.

Beautycheck: Prototyp unattraktiv

Prototypen "für ein sehr unattraktives" Gesicht schreibt Gründl unverblümt auf seiner Homepage beautycheck.de.

Thema an der Grenze zum Boulevard

Auch zur Figur des Körpers experimentiert Gründl. Jetzt kann man dem Forscher sogar ein Foto seines Körpers schicken. Ein Computer berechnet dann, "wie attraktiv die Figur ist". Für das Gesicht gibt es solche Computerberechnungen noch nicht, aber das ist prinzipiell denkbar.

"Ich habe immer noch Skrupel", sagt Martin Gründl zu seiner Arbeit. "Das Thema ist an der Grenze zum Boulevard." Neulich bekam der Forscher einen Anruf. Er solle doch bitte herausfinden, was die perfekte Form und Größe einer weiblichen Brust sei. Der Anruf kam von Seiten der Schönheitschirurgie. Gründl lehnte ab. "Ich will in den Medien nicht der Tittenforscher von Regensburg sein." Seriös will er sein. Aber was treibt ihn an?

"Jeder kann erkennen, ob ein Gesicht schön ist", sagt der 34-Jährige. "Aber wenn man nach den Gründen fragt, kann das keiner beantworten." Martin Gründl ist kein Chirurg, er will nicht den perfekten Körper bauen. Der Psychologe will ergründen, warum wir bestimmte Menschen attraktiver finden als andere. Dabei spielt auch die Kultur eine Rolle. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, gälten heute besonders schlanke Körper als schön. In Europa sei es attraktiv "ein dickes Bankkonto als Reserve zu haben und nicht ein Fettpolster".

Schönheitsforscher Flash

Online-Fragebogen von Martin Gründl, Psychologe aus Regensburg

Fiese Vergleiche auf Schulhöfen?

Doch was ist, wenn Gründls Computer sogar bei Gesichtern eine Bewertung ausspucken, die aussagen: Du bist besonders schön! Oder: Du bist nur eine 2,2 von 7! Ein Szenario, das zu ziemlich fiesen Vergleichsszenen auf Schulhöfen führen könnte. Schon jetzt gibt der Forscher einen "Beauty-Quotienten" zur Figur heraus, eine Art Rangliste des Körperbaus.

Auf "beautycheck.de" wird ein Zertifikat gezeigt. "Beautycheck bescheinigt, dass die Figur von Helena Tausendschön einen Beauty-Quotienten in Höhe von 120 Punkten hat", steht dort. Und weiter: "Damit hat sie eine attraktivere Figur als 90 Prozent aller Frauen."

Gründl weist Bedenken zurück. "Ein Feedback, wie schön man ist, bekommt man doch auch von seinen Mitmenschen", meint er. Und IQ-Tests gebe es auch, nur hätten diese eine längere Tradition. Außerdem dürfe man die Ergebnisse nicht überbewerten. "Wir befassen uns hier nur mit einem Ausschnitt", sagt der Regensburger. "Was wir nicht messen ist die Ausstrahlung, ob einer lächelt, der Klang der Stimme, die Frisur, die Kleidung."

Absackende Augenbrauen, leicht hängende Lider

Wenn man den Psychologen fragt, was für ihn schön ist, dann spricht er vor allem von Merkmalen wie "Jugend und Gesundheit". "Das Alte und Kranke findet man in keiner Kultur schön." Und dann nennt Gründl Makel des Alters. Er sagt dann solche Sätze: "Dass die Augenbraue nach außen absackt, die Augachse nach außen abfällt, die Lider leicht hängen."

Solche Worte klingen hart. Gründl sagt aber auch, dass man sich nicht mit den hübschen Prototypen seiner Beispielfotos messen solle. "Es ist sehr sehr selten, dass an einer Person so ziemlich alles passt."

Vor ein paar Jahren ließ er die Finalistinnen einer Miss Germany-Wahl fotografieren. Sie schnitten alle relativ schlecht ab, es gewann eine am Computer nachbearbeitete "virtuelle Miss". "Die virtuellen Gesichter haben Merkmale, die für uns normale Menschen völlig unerreichbar sind", sagt Gründl. Dennoch würden wir ständig mit solchen Gesichtern konfrontiert, etwa in der Kosmetikwerbung. "Wir laufen Gefahr zu den Opfern unseres eigenen, völlig unrealistischen Schönheitsideals zu werden", sagt Gründl.

Autor: Benjamin Hammer

Redaktion: Sabine Oelze