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Welt

Ist Marco Rubio der lachende Dritte?

Bei den US-Vorwahlen in New Hampshire ist Marco Rubio für viele der neue Hoffnungsträger der Republikaner. Wie unterscheidet er sich von Donald Trump und Ted Cruz? Aus New Hampshire berichtet Ines Pohl.

Und schwupps hat das Establishment einen neuen Hoffnungsträger ausgemacht: Marco Rubio. Auch wenn er bei der jüngsten Debatte am Samstagabend keine glückliche Figur abgegeben hat - der Senator aus Florida ist derzeit der Einzige, dem die Republikaner zutrauen, dass er ihren Alptraum namens Donald Trump beendet.

Der smarte, jungenhafte Mittvierziger soll den polternden Geschäftsmann endgültig das Verlieren lehren und nebenbei den evangelikalen Hardliner Ted Cruz in die Schranken weisen, und zwar am besten gleich an diesem Dienstag, bei der zweiten Runde der Vorwahlen, die traditionsgemäß in New Hampshire stattfindet und der erheblicher Einfluss auf die Ernennung der Präsidentschaftskandidaten zugeschrieben wird.

Diese plötzliche Rubio-Euphorie drückt vor allem eines aus: wie verzweifelt viele rechtschaffene republikanische Politiker und Geschäftsleute über das Spitzenpersonal sind, mit dem sie das Weiße Haus zurückerobern wollen.

Zwar hat Trump bei der ersten Vorwahl in Iowa nur den zweiten Platz belegt, aber immerhin kam er auf 24 Prozent der Stimmen. Der republikanischen Stimmen wohl bemerkt, denn in einem "Caucus", wie die Vorwahl unter anderem in Iowa heißt, dürfen nur registrierte Wähler der jeweiligen Partei abstimmen - anders als bei den "Primaries" wie sie in New Hampshire abgehalten werden.

USA Wahlkampf Republikaner Diskussion der Kandidaten - Donald Trump & Ted Cruz (Foto: Reuters/R. Hill)

Führten die Republikaner in Iowa an: Donald Trump (r.) und Ted Cruz

Auch deshalb wissen die Politik-Profis der Republikaner, dass Ted Cruz mit seiner radikal-evangelikalen Weltsicht zwar in einem Staat wie Iowa punkten kann, er aber weder in der Lage sein wird, die Partei zu vereinen, noch entsprechende Mehrheiten bei der Bevölkerung insgesamt zu gewinnen.

"Am Anfang siegen die Extreme"

Nun wäre es kein Novum in der Geschichte der USA, dass am Anfang eines Wahlkampfes die Extreme siegen, sich im Verlauf der Vorwahlen dann aber gemäßigtere Politiker durchsetzen. In diesem Jahr aber scheint alles anders. Und alles möglich.

Und das nicht nur, weil es Kandidaten wie Trump und Cruz überhaupt so weit schaffen konnten, obwohl sie vom republikanischen Establishment mehr oder weniger offen abgelehnt werden. Sondern vor allem, weil ein Kandidat der Mitte fehlt, der ernsthafte Aussichten auf Erfolge hätte.

Jeb Bush etwa konnte in Iowa lediglich drei Prozent der Wähler für sich gewinnen. Schneidet er am kommenden Dienstag in New Hampshire ähnlich desaströs ab, dürfte es für den ehemaligen Gouverneur aus Florida vorbei sein, bevor es überhaupt richtig angefangen hat.

USA Jeb Bush am Rednerpult in Houston (Foto: picture-alliance/AP/Houston Chronicle/G. Coronado)

Muss in New Hamshire punkten: Jeb Bush, der in Reihen der Republikaner als Kandidat der Mitte gilt

Denn ein Wahlkampf in den USA verschlingt Unsummen. Und die Geldgeber investieren nur in Kandidaten, die früh zeigen, dass sie nicht nur Umfragen, sondern tatsächlich auch Stimmen gewinnen können. Da ist ein großer Name sicherlich gutes Startkapital. Wenn aber nicht geliefert wird, zieht das Geld schnell weiter. Und - zumindest für den Moment - sieht es so aus, als könnte Marco Rubio am Ende der lachende Dritte sein.

"Weltgewordener amerikanischer Traum"

Seine größte Stärke ist seine Biographie: Sein Aufstieg als Sohn kubanischer Einwanderer ist eine Art fleischgewordener amerikanischer Traum. Wenn auch widerwillig versteht die Partei langsam, dass sie einen Weg finden muss, auch für Amerikas Latinos wählbar zu werden. Aufs erste scheint Rubio dazu der ideale Kandidat.

Als Senator setzte er sich zudem für einen erschwinglicheren Zugang zu Universitäten ein. Das ist offenbar wichtig, um jüngere Wähler zu gewinnen. Denn genau damit konnte Bernie Sanders - Hillary Clintons Konkurrent um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei - sogar über Parteigrenzen hinweg bei den "Millennials" punkten, also den Wählern der 80er- und 90er- Jahrgänge.

Komplizierter aber wird es bei der Einwanderungspolitik. Als Neuling in Washington hatte sich der jetzt 44-jährige Rubio zwar für eine liberale Gesetzesreform eingesetzt. Als er aber merkte, dass ihm das bei seinen Unterstützern aus der Tea-Party-Bewegung schadete, wechselte er schnell seine Position. Mittlerweile klingt er wie ein geschliffener Trump, der möglichst alle Einwanderung unterbinden will. Diese Unzuverlässigkeit könnte ihm von seinen Gegner noch ausführlich unter die Nase gerieben werden.

Sein dynamisches, weltoffenes Auftreten sollte nicht darüber wegtäuschen, mit welchem Programm Rubio in den Wahlkampf zieht. Er will zwar Steuern generell senken, besonders aber für Unternehmen. Wie alle konservativen Kandidaten will er den Einfluss des Staates beschränken, Umweltschutz hält er für überbewertet, die staatliche Umweltbehörde soll nach seinem Dafürhalten entsprechend zusammengestrichen werden. Für seine Behauptung, es sei nicht erwiesen, dass Menschen zum Klimawandel beitragen, bekommt er nicht nur viel Applaus an der republikanischen Basis, sondern vor allem auch geldwerte Pluspunkte bei Unternehmern und Großspendern.

Marco Rubio mit seiner Familie beim Caucus in Iowa(Foto: AP Photo/Paul Sancya)

Familie als Trumpf: Marco Rubio ist Sohn kubanischer Immigranten

Rubio ist für die Todesstrafe und gegen die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben. Wenn es um das "Sicherheitsrisiko Muslime" geht, klingt er zunehmend wie Donald Trump, beim Thema Außenpolitik zunehmend wie George W. Bush: Er preist nicht nur die Allmacht des amerikanischen Militärs, sondern hält auch Folter für ein legitimes Mittel zur Wahrheitsfindung.

Dass ein Mann mit solchen Prinzipien als moderater Parteigänger gilt, der Brücken in die verschiedenen Lager bauen soll, zeigt vor allem eines: wie weit nach rechts die Republikaner in den vergangenen Jahren gerückt sind.

"Keine Angst vor New Hampshire"

Auf die Wahlen in New Hampshire dürfte Marco Rubio sich freuen. Im Gegensatz zu seinen Widersachern. Kann Trump auch diesen Staat nicht gewinnen, werden viele alles dafür tun, dass diese Schlappe seinen Niedergang einläutet. Und für Ted Cruz ist New Hampshire der erste wirkliche Realitätstest. Denn all zu viel sagt dieser erste Sieg im vielerorts evangelikal geprägten Iowa noch nicht aus.

Für Rubio wäre ein weiterer dritter Platz eher gut als schlecht. Wird er zweiter, wird das einen extremen Schub bei seinen Unterstützern auslösen. Und gewinnt er gar, darf spekuliert werden, ob Jeb Bush wirklich erst nach den nächsten Wahlen in South Carolina das Handtuch wirft.

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