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Afrika

Ist Gaddafi verletzt und aus Tripolis geflohen?

Neue Spekulationen über das Schicksal von Muammar al-Gaddafi: Die italienische Regierung meldet, Libyens Machthaber sei sehr wahrscheinlich nicht mehr in Tripolis. Außerdem soll er verletzt sein.

Bild von Gaddafi im staatlichen Fernsehen vom 11.05.2011 (Foto: AP)

Gaddafi verletzt? Am Mittwoch waren Bilder von ihm noch im Fernsehen zu sehen

Wo sich Diktator Gaddafi aufhalte, sei nicht bekannt, sagte der italienische Außenminister Franco Frattini am Freitag (13.05.2011) in einem Interview mit der Zeitung "Corriere della sera". Vermutlich habe der internationale Druck dazu geführt, dass Gaddafi die Entscheidung getroffen habe, an einem sicheren Ort in Libyen Zuflucht zu suchen. Frattini berief sich bei seinen Angaben auf den katholischen Bischof in Tripolis, Giovanni Innocenzo Martinelli. Dieser habe erklärt, Gaddafi sei "sehr wahrscheinlich außerhalb von Tripolis und vermutlich sogar verletzt" worden durch Luftangriffe der NATO.

Libysche Regierung dementiert

Die libysche Regierung wies die Äußerungen Frattinis umgehend zurück. Gaddafi sei guten Mutes und gehe seinen Amtsgeschäften nach, sagte ein Regierungssprecher. "Ihm ist überhaupt nichts passiert."

Ein bei einem NATO-Luftangriff zerstörtes Regierungsgebäude in Tripolis (Foto: dapd/AP)

Regierungsgebäude in Tripolis im Visier der NATO-Truppen

Die Residenz des Diktators wurde mehrfach bei Luftangriffen der NATO getroffen. Dabei wurden vor etwa zwei Wochen nach offiziellen libyschen Angaben der jüngste Sohn Gaddafis und drei seiner Enkel getötet. Bis Mittwoch war der Machthaber dann nicht in den Medien zu sehen, was Spekulationen über den Gesundheitszustand des Diktators Raum gab. Dann zeigte das Staatsfernsehen erstmals wieder Bilder von ihm.

Lage in Libyen weiter unklar

Gaddafis Truppen liefern sich seit Monaten Kämpfe mit Aufständischen. Trotz zahlreicher Erfolgs-Meldungen auf beiden Seiten sehen Beobachter keine größeren Veränderungen der Lage. Wie es heißt, kontrollen die Regierungstruppen und die Rebellen etwa je die Hälfte des Landes. Eine objektive Berichterstattung ist wegen der gefährlichen Situation kaum möglich.

Zuletzt meldeten die Aufständischen im Westen Libyens, sie hätten in einem strategisch wichtigen Gebirgszug mehrere Angriffe der Truppen Gaddafis zurückgeschlagen. "Von Sintan bis Nalut haben seine Truppen in diesem westlichen Gebirge keine einzige Schlacht gewonnen", sagte ein Rebellen-Kommandeur dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira. Der Nafusa-Gebirgszug erstreckt sich parallel zur Mittelmeerküste auf einer Länge von etwa 250 Kilometern von der tunesischen Grenze bis südlich von Tripolis. Von den Anhöhen aus kontrollieren die Aufständischen die darunter liegenden Ebenen.

NATO: Weniger Angriffe auf Zivilisten

Rauch steigt aus der Rebellenhochburg Misrata in Libyen auf (Foto: AP)

Wochenlang wurde in der Rebellenhochburg Misrata gekämpft

Nach Angaben der NATO nimmt die Zahl der Angriffe auf Zivilisten durch Gaddafis Soldaten inzwischen ab. So habe es etwa am Donnerstag keine Berichte über einen Beschuss von Zivilisten in Misrata gegeben, sagte der Sprecher des internationalen Militäreinsatzes in Libyen, der britische Oberstleutnant Mike Bracken. Die Bündnispartner würden ihren "Einsatz fortsetzen, bis alle Angriffe auf Dauer aufhören". Er betonte zugleich, es sei nicht das Ziel, "diese Truppen zu zerstören. Und unser Ziel ist auch nicht Gaddafi selbst."

Dagegen machten staatliche libysche Medien die NATO unter Berufung auf Militärkreise für den Tod von zahlreichen Zivilisten in der Ölsdtadt Brega verantwortlich. 16 Prediger, die sich in einem Gästehaus für muslimische Kleriker aufhielten, seien bei einem Luftangriff des westlichen Militärbündnisses in der Nacht auf Freitag getötet worden, hieß es. Von unabhängiger Seite ließ sich das nicht bestätigen.

Die NATO hatte Anfang April die Führung des internationalen Einsatzes in Libyen übernommen, mit dem gemäß einer Resolution des UN-Sicherheitsrates die Zivilbevölkerung vor Gaddafi-treuen Truppen geschützt werden soll.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, rtr, dapd)
Redaktion: Reinhard Kleber

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