Ist der Vulkan schuld, wenn die Erde bebt? | Wissen & Umwelt | DW | 23.01.2018
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Wissen & Umwelt

Ist der Vulkan schuld, wenn die Erde bebt?

Die Erdbeben und Vulkanausbrüche in Alaska, Japan und Südost-Asien stehen wahrscheinlich in keinem Zusammenhang. Es ist eher Zufall, dass zur Zeit vieles gleichzeitig stattfindet, meint der Seismologe Torsten Dahm.

Philippinen Eruption Vulkan Mayon (picture-alliance/abaca/AA/J. Maitem )

Der Vulkan Mayon auf den Philippinen brauchte kein Erdbeben, um auszubrechen.

Deutsche Welle: Heute gab es zwei Erdbeben. Eins in Jakarta von der Stärke 6,0 und eins vor der Küste Alaskas von 7,9. Gleichzeitig gibt es relativ viele Vulkanausbrüche: Auf den Philippinen, in Japan und auch schon seit Ende letzten Jahres auf Bali. All diese Ereignisse liegen entlang des pazifischen Feuerrings. Haben sie deswegen irgendetwas miteinander zu tun?

Torsten Dahm: Es ist richtig, dass es all diese Ereignisse gab. Aber man muss bedenken, dass wir täglich sehr viele Erdbeben aufzeichnen. Es hängt vor allem von der Stärke der Ereignisse ab. Das heutige Alaska-Beben war das stärkste der letzten Zeit - knapp unter 8. Solch ein Beben kommt nicht sehr häufig vor - im Mittel ein bis zweimal im Jahr.

Das Beben bei Indonesien war deutlich kleiner. Von Beben der Magnitude 7 haben wir vielleicht zehn im Jahr, von Beben der Magnitude 6 zeichnen wir etwa hundert auf. Wenn man sich die Aktivitäten über einen längeren Zeitraum ansieht, gibt es immer wieder Tage, an denen zufälligerweise zwei oder drei etwas stärkere Erdbeben auftreten. Das verwundert oder überrascht uns nicht.

Dr. Torsten Dahm Seismologe (Privat)

Dr. Torsten Dahm beschäftigt sich mit der Physik von Erdbeben und Vulkanen

Zwischen Alaska und Indonesien liegen etwa 7000 Kilometer. Wie weit können Erdbeben voneinander entfernt sein, damit man noch von einer Wechselwirkung sprechen kann?

Wir können nicht beobachten, dass es einen direkten und klaren Einfluss über so große Entfernungen gibt. Wir wissen allerdings, dass sich die Spannungen im direkten Umfeld ändern. Wir sprechen dann von Spannungsumlagerungen. Die führen zum Beispiel zu den bekannten Nachbeben. Das stellt eine Interaktion zwischen Erdbeben dar.

Aber die Reichweite für solche Interaktionen ist etwa so groß wie die Bruchlänge des Ereignisses selbst. Bei einem Beben der Stärke 8 kann eine Bruchlänge mehrere hundert Kilometer betragen. Über Tausende von Kilometern ist kein Einfluss zu erwarten.

Und gibt es einen Zusammenhang zwischen der Aktivität von Vulkanen, die ja oft direkt an den Plattengrenzen liegen und Erdbeben?

Wir beobachten häufig Interaktionen zwischen Erdbeben und Vulkanen an einzelnen Plattengrenzen. Das verhält sich ähnlich wie mit den Haupt- und Nachbeben. Den direkten Einfluss kann man bestmöglich erkennen, wenn die Vulkane im direkten Einzugsbereich sind.

Aber es kann bei Vulkanen auch komplizierter sein: Manchmal können wir beobachten, dass die Wellen, die durch ein Erdbeben abgestrahlt werden und über große Entfernungen laufen, Vulkansysteme anregen, die sich sowieso schon in einem kritischen Zustand befinden. Dadurch kann es zu einer Fernauslösung kommen.

Das passiert aber nicht ständig. Doch das Phänomen des "Dynamischen Triggerns" existiert und ist wissenschaftlich hochspannend. Bei den jüngsten Erdbeben und Vulkanausbrüchen dieser Zusammenhang aber nicht nahe liegend.

Kann man sich das Dynamische Triggern so vorstellen, dass wenn man eine Mineralwasserflasche an ihrem einem Ende auf den Tisch schlägt, auch am anderen Ende Gasperlen entstehen?

So ähnlich stellen wir uns das vor. Es ist noch nicht bis ins letzte Detail verstanden aber es ist klar, dass Dynamisches Triggern etwas mit der Entgasung im Vulkansystem sowie dem Vorhandensein von Fluiden (Anm.d.Red: Bezeichnung für Flüssigkeiten und Gase) und Magmakammern zu tun hat.

Durch seismische Wellen erfährt das Fluidsystem unter dem Vulkan unter Umständen starke Beschleunigungen. Es kommt zu einer vermehrten Produktion von Gasen, die sich dann im Schlotsystem ansammeln und dadurch Druck aufbauen können. Dadurch kommt der Vulkan in einen Zustand, wo er eher ausbricht.

Aber Vulkane sind komplexe Systeme und können auch ohne dass es ein Erdbeben gibt in einen kritischen Zustand kommen.

Torsten Dahm ist Seismologe und leitet am Potsdamer Geoforschungszentrum die Sektion für Erdbeben und Vulkanphysik.

Das Interview führte Fabian Schmidt

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