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Kultur

Ist der Dialog möglich?

"Sie beschäftigen sich nur mit Ideologie" – sagt der chinesische Schriftsteller Yang Lian über das chinesische Organisationskomitee. Trotzdem ist er überzeugt, dass China sich öffnen wird.

Der hessische Ministerpraesident Roland Koch und der chinesische Vizepraesident Xi Jinping auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: AP

Deutsche und Chinesen reden miteinander. Doch ist das schon Dialog?

Ob es allerdings hier in Frankfurt zum Dialog zwischen der offiziellen chinesischen Delegation und den unabhängigen Verlagen und Instituten kommen wird, daran zweifelt er. Die Buchmesse habe sich mit der staatlichen Zensurbehörde – dem Amt für Presse und Publikationen – den denkbar schwierigsten Partner gesucht. "Die Zensurbehörde wird sich nicht verändern, sie tut nichts anderes als die Propaganda-Maschine in Bewegung zu halten", sagt Yang Lian.

Motto: Tradition und Innovation

In der Ehrengasthalle zeigt China sich stolz: auf seine Jahrtausende alte Geschichte und darauf, dass die Chinesen die Ersten waren, die Papier herstellen konnten. In zahlreichen Vitrinen wird die Entwicklung der chinesischen Schriftkultur anschaulich gemacht. Man sieht Knochen mit eingeritzten Schriftzeichen, Steine und Bambusrollen, später kommt das Papier und der Buchdruck – und dann das digitale Zeitalter, mit seinen Computern und mobilen Lesegeräten.

Installation des Künstlers Li Jiwei. Foto: DW

Der Künstler Li Jiwei ist für die Installation in der Mitte des Raumes verantwortlich. Ein riesiges Blatt Reispapier schwebt über den Köpfen der Besucher, auf dem Boden ist ein kleiner Teich, auf dessen Wasseroberfläche ein Tropfen Tinte projiziert wird, drum herum stehen Holzblöcke mit Schriftzeichen. Das alte China wird präsentiert in einer modernen Formensprache. "Ich hoffe, die Leute sehen in der chinesischen Kultur nicht nur die roten Lampions", sagt Li Jiwei. Er will zeigen, dass es in China auch moderne Kunst gibt.

Harmonie trotz Zensur?

Bundeskanzlerin Merkel mit dem Vizepräsidenten Chinas, Xi Jinping. Foto: AP

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Chinas Vizepräsident Xi Jinping bei der Eröffnung

Immer wieder ist bei der Präsentation des Ehrengastauftritts von Harmonie die Rede – von einer Umschließung der Gegensätze. Doch guckt man sich um, scheint auch das Ausschließen eine Rolle zu spielen. An der Wand hängen Fotos von Autoren – aber offenbar nur von solchen, die das offizielle Organisationskomitee für gut befindet. Kritische Stimmen wie Yan Lianke oder Liao Yiwu, die beide nicht zur Buchmesse kommen durften, sind nicht vertreten.

Buchmessen-Direktor Jürgen Boos ist trotzdem zuversichtlich, dass es auf der Buchmesse zum Dialog kommen wird. Er werde an einzelnen Ecken stattfinden, sagt er. "Er kann nicht im Vordergrund stehen. Dafür sind die Positionen zu unterschiedlich. Aber ich weiß beispielsweise, dass sich taiwanesische Autoren mit Autoren aus der Volksrepublik hier treffen werden. Die setzen sich zusammen, die unterhalten sich und daraus wird hoffentlich etwas entstehen."

Westliche Sicht zu oberflächlich

Buchmesse 2009 (Foto:DW)

Mehr als 400 chinesische Titel sind ins Deutsche übersetzt worden

Auch Michael Kahn-Ackermann, der Regionalleiter des Goethe-Instituts in China, hofft auf spannende Konfrontationen auf der Messe. Er lebt seit vielen Jahren unter Chinesen und ist der Meinung, dass die Deutschen etwas vorsichtiger sein sollten mit ihrem Urteil über das Gastland. Die westliche Wahrnehmung von China sei "einigermaßen verzerrt", sagt er. Sie entspreche wenig den chinesischen Realitäten und sei sehr oberflächlich. "Wenn es einen kritischen Dialog gibt, dann hoffe ich, dass er kritisch für beide Seiten wird, nicht nur für die eine."

Veränderungen nicht steuerbar

Mehr als 450 Veranstaltungen zum Gastland China sind geplant, etwa die Hälfte davon wird vom chinesischen Organisationskomitee organisiert, die anderen von unabhängigen Institutionen und Verlagen. Der Schriftstellerverband PEN beispielsweise lädt jeden Tag zur chinesischen Stunde, in der kritische Autoren zu Wort kommen sollen. Dort wird auch Yang Lian dabei sein. Er lebt seit vielen Jahren in London im Exil, doch er kehrt regelmäßig nach China zurück, unter anderem um seinen Vater zu besuchen. China verändere sich jede Minute, sagt er. Das werde auch die Regierung eines Tages akzeptieren müssen. "Sie können die Veränderungen nicht kontrollieren. Sie wollen kontrollieren, aber sie können es nicht."

Autorin: Petra Lambeck

Redaktion: Elena Singer

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