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Politik

Ist der 1. Mai out?

Parallel zum Mitgliederschwund der deutschen Gewerkschaften ist auch das Interesse am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, rapide gesunken. Ein schöner gesetzlicher Feiertag, aber war da sonst noch was?

Kundgebung zum 1. Mai in München 2006 (Quelle: AP)

Fahnen und Transparente gehören zu jeder 1. Mai-Kundgebung

Eine Umfrage des Hamburger Magazins "Stern“ brachte es an den Tag: Jeder vierte Deutsche kennt die Bedeutung des 1. Mai als Tag der Arbeit nicht. Auf die Frage, warum der 1. Mai ein Feiertag ist, konnten 26 Prozent nicht die richtige Antwort geben. Am wenigsten wussten junge Leute Bescheid. Bei den 18- bis 29-Jährigen konnte fast jeder zweite nicht sagen, was am 1. Mai traditionell gefeiert wird. Diese Altersgruppe hält es mehrheitlich auch für wichtiger, dann die Freizeit zu genießen als sich für die Rechte der Arbeitnehmer einzusetzen.

Den Tag der Arbeit gibt es schon seit 1890

DGB-Chef Michael Sommer spricht auf einer Kundgebung am 1. Mai 2007 in Gelsenkirchen (Quelle: AP)

DGB-Chef Sommer will wieder Rede zum 1. Mai halten

Der Tag der Arbeit wird seit mehr als 100 Jahren von der internationalen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung begangen. In Deutschland und vielen anderen Ländern ist er ein gesetzlicher Feiertag. Ausgerufen wurde er im Jahr 1889 von der Zweiten Internationalen der sozialistischen Arbeiterbewegung auf ihrem Gründungskongress in Paris. Sie erklärte den 1. Mai 1890 zum "Kampftag der Arbeit“. Das Datum sollte an die Kämpfe amerikanischer Arbeiter am 1. Mai 1885 für den Achtstundentag erinnern, der auch bei den ersten europäischen Mai-Kundgebungen im Mittelpunkt stand.

Bratwurstduft statt Kampfesgeist

Die Zeiten, als selbstbewusste Gewerkschaften die Massen am Mai mit kämpferischen Parolen mobilisieren konnten, sind in der Bundesrepublik längst vorbei. An die Stelle von politischen Großereignissen sind überschaubare Kundgebungen standhafter Gewerkschafter getreten, die schnell in gemütliche Feste mit Bratwurst und Bier übergehen. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes nur noch eine halbe Million Menschen zu den Aktionen in 450 Städten. Das ergibt einen Schnitt von knapp 1200 Teilnehmern pro Kundgebung.

Gewerkschaften leiden an Mitgliederschwund

Ein Grund für die schwindende Motivation zum Marschieren für die Arbeitersolidarität: Die Gewerkschaften verlieren rapide an Bedeutung. Seit der Blütezeit nach der deutschen Einheit ist die Zahl der DGB-Mitglieder kontinuierlich gesunken: Von 11,8 Millionen im Jahr 1991 auf jetzt 6,4 Millionen. Und nur noch 20 Prozent der Beschäftigten sind überhaupt noch gewerkschaftlich organisiert.

Mittlerweile gibt es aber erste Anzeichen für eine Trendwende. Bei der IG Metall, der größten deutschen Gewerkschaft, hat sich erstens der Mitgliederschwund verlangsamt, und zweitens die Zahl der jugendlichen Mitglieder um drei Prozent auf mehr als 200.000 erhöht.

DGB fordert: "Gute Arbeit muss drin sein!"

Hinter einem Plakat mit der Aufschrift Arbeit spricht der Vorsitzende der IG-Metall, Jürgen Peters, am 1. Mai 2005 auf einer DGB-Kundgebung in Frankfurt am Main (Quelle: dpa)

Tag der Arbeit: Ein Symbol für den Kampf um Arbeiterrechte

Über solche Nachrichten wird sich der Deutsche Gewerkschaftsbund natürlich freuen, der auch in diesem Jahr zu Demonstrationen aufruft. Den Tag der Arbeit stellt er diesmal unter das Motto "Gute Arbeit muss drin sein!“. Im Mittelpunkt der Hauptkundgebung in Mainz stehen die Themen Mindestlohn, Altersarmut und Leiharbeit. Im Vorfeld nannte DGB-Chef Michael Sommer den 1. Mai einen Tag, der für Gewerkschaften und ihre Mitglieder "wie Weihnachten und Ostern für die Christen“ sei.

Für Rückenwind dürfte auch sorgen, dass neuerdings Deutschlands Arbeitnehmer wieder streikfreudiger geworden sind. Zuletzt sorgten vor allem die Streiks bei Bahn, Post und Öffentlichem Dienst für Schlagzeilen. "Die Zunahme der Streiks fällt auch deshalb so stark auf, weil wir seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre eine Phase mit außergewöhnlich wenigen Arbeitskämpfen erlebt haben“, sagt der Experte Heiner Dribbusch. Er hat für das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gerade ein Tarifhandbuch erstellt.

Nur in der Schweiz wird weniger gestreikt

Die Studie zeigt aber auch, dass trotz der reaktivierten Bereitschaft zu Arbeitskämpfen Deutschland im internationalen Vergleich ein streikarmes Land bleibt. Hierzulande fielen zwischen 1995 und 2006 im Jahresdurchschnitt nur 3,6 Arbeitstage pro 1000 Beschäftigte aus - dagegen waren es in Kanada 203 Arbeitstage, in Spanien 134, in Frankreich 91 und in Norwegen 74 Tage. Auch in den USA, in Schweden und den Niederlanden liegt die Streikquote um ein Mehrfaches höher als in Deutschland. Nur die Arbeitnehmer in der Schweiz waren noch braver als ihre deutschen Kollegen: In der Alpenrepublik fielen wegen Streiks nur 2,8 Arbeitstage aus. (kle)

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