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Wirtschaft

Ist das Ende der Krise jetzt erreicht?

Nicht nur Wirtschaftsexperten beschäftigt in diesen Tagen eine Frage: Kommt der Aufschwung? Die US-Regierung erwartet eine dauerhafte Erholung. Andere Experten sind vorsichtig.

Aufschrift auf Konkturbus: Konjunktur on Tour. (Foto:

Die Talsohle der Krise sei erreicht. Das war schon in den vergangenen Wochen häufiger zu hören. Tatsächlich sind die Signale für eine Erholung der Konjunktur derzeit positiv. In der vergangenen Woche erklärte das Institut für Weltwirtschaft, IfW, in Kiel, die Konjunktur in Deutschland habe sich stabilisiert. Insgesamt werde der Einbruch 2009 weniger dramatisch ausfallen, als Ende letzten Jahres befürchtet. Dennoch gehen die Experten von einem Konjunktureinbruch um knapp fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2008 aus.

Lage in europäischen Ländern unterschiedlich

deutschen Bundesbank, Axel Weber (Foto: AP Photo/Virginia Mayo)

Axel Weber, Präsident der deutschen Bundesbank

Auch die Europäische Zentralbank sieht Anzeichen für eine Aufhellung der Konjunktur. Bundesbankchef Axel Weber sieht die Lage allerdings differenziert. Die Frühindikatoren für Deutschland ließen für das 3. Quartal auf ein Wachstum schließen. Innerhalb der Euro-Zone sei die Situation aber unterschiedlich. Während sich die Konjunktur in Ländern wie Deutschland und Frankreich bereits stabilisiere, sei dies in anderen europäischen Ländern noch nicht der Fall, sagte Weber beim Global Economic Symposium (GES) 2009 in Plön.

Aufwärtstrend noch nicht selbsttragend

Vor allzu großem Optimismus warnte Weber auch für die Aussichten in Deutschland. Dieser Aufschwung sei seiner Einschätzung nach nicht selbsttragend, sondern das Ergebnis von konjunkturellen Stützungsmaßnahmen, den umfassenden Bankpaketen und einer expansiven Geldpolitik. “Einen selbsttragenden Aufschwung wird es erst geben, wenn der Exportimpuls, der derzeit noch sehr schwach ist, auf Investitionen in Deutschland übergreift“, so Weber.

George Akerlof, Wirtschaftsnobelpreisträger (AP Photo/Noah Berger)

George Akerlof, Wirtschaftsnobelpreisträger

Auch der US-Wirtschaftswissenschaftler Robert Shiller geht davon aus, dass die staatlichen Maßnahmen in den USA und anderen Ländern wesentlichen Anteil daran haben, dass die Krise nicht so dramatisch verläuft, wie anfangs befürchtet. Es sei positiv, dass die Internationale Staatengemeinschaft in der Krise gut zusammengearbeitet habe, sagt Shiller, aber es würden weitere gemeinsame Anstrengungen notwendig.

Wird es neue Erschütterungen geben?

Wirtschaftsprofessor Robert Shiller beim Global Economic Symposium (GES) 2009 auf Schloss Plön. (Deutsche Welle/ Julia Bernstorf)

Wirtschaftsprofessor Robert Shiller beim Global Economic Symposium (GES) 2009

Der Wirtschaftsnobelpreisträger George Akerlof geht noch einen Schritt weiter. Für die positive Entwicklung sei es sehr wichtig, dass die Menschen hoffnungsvoll seien und es keine Panik gebe. Dies habe aber auch zur Folge, dass die Öffentlichkeit nicht auf weitere Erschütterungen der Finanzmärkte vorbereitet sei. “Im Moment läuft gerade “Plan D“ und wir alle glauben, dass “Plan D“ erfolgreich ist“, so Akerlof, “es könnte aber weitere Erschütterungen geben, auf die wir nicht vorbereitet sind. Wir sollten aber vorbereitet sein und auch “Plan E“ ausarbeiten. Und wenn auch der nicht reicht, zu “Plan F“ übergehen.“

Wirtschaft erst 2013 auf altem Niveau

Doch selbst wenn weitere, schwere Einbrüche vorerst ausbleiben, wird die wirtschaftliche Erholung ein langer Weg werden. Bundesbankchef Weber erwartet, dass das BIP in Deutschland erst im 2013 wieder auf einem ähnlichen Niveau angelangt sein werde wie 2008. Das sei ein langer Zeitraum, um wieder auf den Status quo ante zurückzukehren. Wie lange staatliche Stützungsmaßnahmen noch notwendig sein werden, darauf will sich Weber nicht festlegen, sondern sagt dazu nur: “Es ist vollkommen klar, wenn die Konjunktur derzeit noch an Krücken geht, dann ist es nicht angeraten, dem Patienten, die Krücken wegzuschlagen. Sie könnten das Problem heraufbeschwören, dass der Patient wieder umfällt.“

Autor: Julia Bernstorf
Redaktion: Zhang Danhong