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Ist Arbeit das halbe Leben?

Sie begleitet uns in der Regel täglich, manchmal sogar bis in die Abendstunden oder auch an Wochenenden. In irgendeiner Form ist sie immer da: die Arbeit. Aber ist Arbeit wirklich das halbe Leben?

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Ist Arbeit das halbe Leben? – die Folge als MP3

Es geht doch vielen Menschen zumindest in unseren Breiten so: Die Arbeitswoche will kaum ein Ende nehmen, und ist es erst einmal Freitag, vergeht das Wochenende wie im Fluge. Wenn doch bloß diese Arbeit nicht wäre! Man hätte so viel Zeit für schönere Dinge … Nur, wer bezahlt die Miete? Und einen Urlaub möchte man doch auch gerne machen oder sich den einen oder anderen Wunsch erfüllen. Unsere Vorfahren hatten für diesen Fall natürlich einen Spruch parat: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Und ganz ehrlich: Ein Feierabendgetränk mit den Freunden schmeckt doch auch viel besser, wenn man vorher hart geschuftet und nicht den ganzen Tag gefaulenzt hat.

Lieber Arbeit als keine

Ein Erntehelfer bei der Spargelernte

Früher hießen sie „Tagelöhner“, heute „Saisonarbeitskräfte“ oder „Erntehelfer“

In der Regel wird über die Arbeit geschimpft. Das frühe Aufstehen, launische Chefs und ständige Anweisungen, denen man sich fügen muss. Oder eine Führungsposition, die einem wegen der Verantwortung, die man trägt, durchgehend Kopfschmerzen bereitet. Doch wehe dem, der seinen Job verliert und plötzlich ohne Arbeit dasteht. Dann wird noch mehr geschimpft.

Noch in der Antike und bis ins Mittelalter verband man mit dem Wort Arbeit nicht Gutes. So hatte schon der römische Geschichtsschreiber Tacitus den Germanen bescheinigt, dass sie die Mühsal der täglichen Arbeit gern den Unfreien und Mittellosen unter ihnen überließen. Arbeit war ein Synonym für Plage, Last und Not. Von der Bedeutung her hingen „Armut“ und „Arbeit“ in gewisser Weise zusammen. Die deutsche Sprache hat dafür das Wort Tagelöhner, eine Person, die kurzfristig beschäftigt wird und tageweise ihren Lohn erhält.

Unrühmliche Arbeit

Dass Arbeit mitunter unmenschlich sein kann beziehungsweise konnte, belegen Ausdrücke wir Hunds- oder Pferdearbeit. Eine Mordsarbeit bezeichnet redensartlich eine ganz besonders schwierige und anstrengende Arbeit. Allerdings beruht dieses Wort auf der schlimmen Tatsache, dass sich zahllose Menschen – und weiß Gott nicht aus freien Stücken – zu Tode gearbeitet haben.

In der Zeit des Rittertums hat das Wort „Arbeit“ erstmals eine positive Wertung bekommen. In der christlichen Mystik galt weltliche Arbeit sogar als Beruf im Sinne dessen, was wir heute unter „Berufung“ verstehen. Mit dem Aufkommen des Bürgertums wurde die Arbeit sogar zu einer Tugend erhoben. Sie galt als „Zierde“ des Menschen, wobei sowohl die Tätigkeit als auch deren Ergebnis gemeint war.

Arbeit in der modernen Zeit

Autofahrer stehen im Stau

Der Nachteil eines „nine-to-five-Jobs“ ...

Etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts kämpfte in Deutschland die Arbeiterbewegung für die Rechte der Arbeiter. Von diesem Kampf profitieren wir heute. Denn zahlreiche Arbeitsgesetze regeln unsere Arbeit – unter anderem auch die Arbeitszeit. Und die passt sich immer mehr den modernen Lebensverhältnissen an.

Es gibt zwar weiterhin „normale“ Arbeitszeiten, einen sogenannten „nine-to-five-Job“, aber auch flexible Arbeitszeiten oder sogar die Möglichkeit, zu Hause, im Homeoffice, zu arbeiten. Mindestens einen Vorteil hat diese Flexibilisierung: als Autofahrerin oder Autofahrer muss man sich morgens nicht Stoßstange an Stoßstange vorwärts bewegen oder sich als Bahnfahrerin oder Bahnfahrer in überfüllte Züge quetschen.

Ehrenamtliche Arbeit

Trotzdem bleibt Arbeit eine – manchmal – mühsame Angelegenheit. Und Hand auf‘s Herz – man muss ja nicht gleich ein Faulpelz sein, wenn man sich lieber den Dingen widmet, die eben nur in der Freizeit möglich sind. Am besten ist es natürlich, wenn man Arbeit und persönliche Interessen miteinander verbinden kann, etwa in einem Ehrenamt.

Diese Art von Arbeit können sich allerdings nur bestimmte Personen leisten: diejenigen, für die Geld keine Rolle spielt, oder die nicht mehr im Arbeitsleben stehen, oder die aus Überzeugung, etwas Gutes tun zu wollen, neben ihrem eigentlichen Beruf beispielsweise noch bei der Feuerwehr, im Rettungsdienst oder als Schöffe bei Gericht arbeiten.

Manchmal gibt‘s wichtigere Dinge im Leben

Arbeit ist vielleicht mehr als das halbe Leben, aber nicht das ganze! Manchmal sind auch andere Dinge im Leben wichtiger. Zum Beispiel der 100. Geburtstag der Uroma oder die Hochzeit des besten Freundes. Für solche Tage nimmt man sich – trotz eines Berges an Arbeit – gerne einmal frei. Hin und wieder kann die Arbeit auch mal warten. Der Sinnspruch: „Arbeite, um zu leben, und lebe nicht für die Arbeit“ hat doch – zumindest manchmal – etwas für sich, oder?






Arbeitsauftrag
Der US-Amerikaner Bob Black hat sich 1985 in seinem Aufsatz „Die Abschaffung der Arbeit“ mit dem Thema beschäftigt. Hier findet ihr eine kurze Zusammenfassung seiner Thesen: http://bit.ly/1nxoSZj. Bearbeitet diese Zusammenfassung in eurer Arbeitsgruppe und erstellt eine stichpunktartige Liste der Thesen. Abschließend könnt ihr darüber diskutieren, ob ihr diese für sinnvoll haltet oder nicht.

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