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Ostmitteleuropa

Ist Angriff wirklich die beste Verteidigung?

- Polnische Städte und Regionen beginnen mit der Schätzung der Verluste und Schäden, die infolge des Zweiten Weltkrieges entstanden sind

Bonn, 4.2.2004, RZECZPOSPOLITA, WPROST ONLINE, ZYCIE WARSZAWY

RZECZPOSPOLITA, poln., 7.1.2004

Anfang des Jahres hat der Präsident von Warschau, Lech Kaczynski, eine Expertenkommission gegründet, die alle Verluste und Schäden schätzen soll, die Warschau infolge des Zweiten Weltkrieges erleiden musste. Lech Kaczynski schließt die Möglichkeit nicht aus, Entschädigungsforderungen an die Deutschen zu stellen. Die Juristen betonen, dass die Erfolgschancen, materielle Entschädigung wirklich zu bekommen, eher gering seien. Die Politiker betonen aber, dass dabei das internationale Echo sehr wichtig sei.

Die Initiative, diese Verluste zu schätzen, kam von den Warschauer Stadträten und den Sejmabgeordneten von der Partei Liga Polnischer Familien. Sie wollen, dass der Präsident von Warschau den Wert der während des Krieges vernichteten Immobilien und der gestohlenen Kunstgegenstände ermittelt (...)

Sie schließen nicht aus, sich nach den Ermittlungen an die deutsche Regierung mit Entschädigungsforderungen zu wenden. Lech Kaczynski gibt zu, dass Warschau den Weg für andere polnische Städte bei ihren Entschädigungsbemühungen bereiten könnte. "Dieses Unternehmen bezieht sich nicht nur auf Warschau, sondern auf ganz Polen. Ob das alles mit einer offiziellen Entschädigungsforderung enden wird, wird von der politischen Lage abhängig sein", sagte Lech Kaczynski (...) (sta)

WPROST ONLINE WIADOMOSCI, poln., 26.1.2003

Der Sejm der Woiwodschaft Mazowsze (Masovien) hat eine Kommission einberufen, die die Verluste und Schäden in der Woiwodschaft Mazowsze schätzen soll, die infolge des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzung entstanden sind.

"Dieses Thema wurde von der deutschen Seite angefangen: in Form von Rückgabeforderungen der Landsmannschaften. Angriff ist die beste Verteidigung", sagte Jerzy Dmowski, der Verfasser des entsprechenden Gesetzesentwurfes und Ratsmitglied der Partei Liga Polnischer Familien ist.(...)

ZYCIE WARSZAWY, poln., 30.1.2004

Der Präsident von Warschau, Lech Kaczynski, hat betont, dass die Schätzung der Verluste, die Warschau während und infolge des Zweiten Weltkrieges erleiden musste, eine Antwort auf die Tätigkeit der Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, sei. Die Stadträte hätten die Regierung Warschaus im letzten Jahr zu der Schätzung verpflichtet, um konkrete Zahlen zur Verfügung zu haben, falls sich die Vertriebenen um eine Entschädigung für ihr in Polen zurückgelassenes Eigentum offiziell bemühen sollten. (...)

WPROST ONLINE, WIADOMOSCI, poln., 4.2.2004

Werden sich die Stadträte Posens nach dem Warschauer Muster auch wegen einer Entschädigung für Kriegsverluste an Deutschland wenden? Bisher haben sie lediglich den Präsidenten Posens, Ryszard Grobelny, dazu aufgerufen, solch eine Möglichkeit zu überlegen.

Nach Ansicht des Verfassers dieser Idee, Tymoteusz Jacyna–Onyszkiewicz von der Partei Liga Polnischer Familie, können sich die Kriegschäden in Posen sogar auf einige Milliarden Dollar belaufen. (...) (sta)

  • Datum 04.02.2004
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