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Fußball

Issa Hayatou will CAF-Präsident bleiben

Issa Hayatou strebt eine achte Amtszeit an der Spitze des afrikanischen Fußball-Kontinentalverbands CAF an. Doch bei der Wahl am Donnerstag in Addis Abeba hat er erstmals einen Gegenkandidaten mit reellen Siegchancen.

Libreville, Gabun, 5. Februar 2017: Endspiel um den Afrika-Cup, die größte Trophäe im afrikanischen Fußball. Auf der VIP-Tribüne sitzt ein gequält dreinschauender CAF- Präsident. Dabei müsste er in Feierlaune sein, denn die Nationalmannschaft Kameruns, des Heimatlandes von Issa Hayatou, besiegt Ägypten 2:1.

Doch zum Feiern ist Hayatou nicht zumute: Da sind die immer wieder aufkommenden Korruptionsvorwürfe, die Ermittlungen rund um die unter seiner Federführung ausgehandelte Fußballrechte-Vermarktung und jetzt auch noch die immer lauter werdenden Stimmen gegen seine Wiederwahl.

Das System Hayatou wankt. Das war mal anders: Der inzwischen 70-Jährige, konnte sich in der Vergangenheit immer auf die Unterstützung der afrikanischen Verbandschefs verlassen. Sieben Wahlen hat er seitdem erfolgreich hinter sich gebracht. Seit 1988 sitzt er auf seinem Posten.

"Von der Fußball-Mafia filetiert"

Viele Funktionäre in Afrika halten Issa Hayatou inzwischen für überfordert in seinem Amt. Er sei "ein alter Mann, der nicht mehr zuhören kann", heißt es hinter vorgehaltener Hand. Doch Hayatou klammert sich an die Macht. Ein Alterslimit für Kandidaten wurde kurzfristig aus den Statuten der CAF gestrichen.

Eine "Lex Hayatou" sei das, sagt der Sportjournalist Thomas Kwenaite, der seit Jahren für den südafrikanischen TV-Sender Supersport sowie für die Tageszeitung Mail & Guardian die Korruptionsskandale rund um den afrikanischen Fußball beleuchtet, im Gespräch mit der DW: "Es gab immer die Regel, dass ein Kandidat auf den Posten des CAF-Präsidenten nicht über 70 Jahre alt sein durfte. Aber kurz vor seinem 70. Geburtstag wurde die Verfassung geändert, so dass sich Hayatou weiterhin auf den Posten bewerben kann.

Elfenbeinküste Fußballverband FIF Präsident Jacques Anouma (picture-alliance/Maxppp/G. Barnus)

Ein Hayatou-Opfer: Jacques Anouma

Hayatou habe sich seit Jahrzehnten daran gewöhnt, wie ein Sultan zu regieren, so Knewaite. Seine Methode sei einfach: Er belohne viele seiner Untergebenen großzügig, Rivalen und Gegner räume er aber brutal aus dem Weg. Kwenaite verweist auf zwei prominente Opfer Hayatous: den früheren FIFA-Funktionär aus Botswana, Ismail Bhamkee, und Jacques Anouma aus der Elfenbeinküste. Beide hätten es gewagt, den Sultan zu kritisieren. Und beide hätte das gleiche Schicksal ereilt: "Sie sind raus aus dem Fußballgeschäft. Issa Hayatous Mafia hat sie filetiert."

Schmiergeld-Empfänger Hayatou

Die Liste der Korruptionsvorwürfe gegen Hayatou wird von Jahr zu Jahr länger. Im Zuge des FIFA-Korruptionsskandals war auch er in den Fokus gerückt. Medienberichten zufolge soll er eine Millionen-Zahlung erhalten haben, um bei der Vergabe der WM 2022 für Katar zu stimmen.

Über Jahre hinweg soll er zudem Schmiergelder vom ehemaligen Sportrechtehändler ISL kassiert haben. Doch Hayatou redete sich immer wieder heraus. "Er gab zwar zu, dass er dieses Geld erhalten hatte, will es aber nicht in die eigene Tasche gesteckt haben", kommentiert Kwenaite den Fall. Hayatous Rechtfertigung vor einer vom IOC eingesetzten Ethikkommission: Er habe die Schmiergelder für die Feierlichkeiten zum 40. CAF-Geburtstag verwendet.

Viel schlimmer wiegt der aktuelle Skandal um den sogenannten Lagardère-Sports-Deal: Es geht um die Vermarktung von Fernsehrechten im Werte von circa einer Milliarde Euro. Gegen diesen Vertrag will der ägyptische Fußballverband jetzt klagen, weil er das Wettbewerbsrecht massiv verletze.

Hayatous Schicksal hänge jetzt vor allem davon ab, wie viele seiner alten Freunde noch zum Langzeit-Präsidenten stehen, sagt Alexandre Zandamela, Berater und Sportanalyst aus Mosambik. Viele Funktionäre hätten sich längst von Hayatou abgewendet, trauten sich aber nicht, das auch öffentlich zuzugeben. Andere hätten sich tatsächlich noch nicht entschlossen. Etwa der Verbandspräsident Mosambiks, der "noch verhandeln und demjenigen die Stimme geben will, der verspricht, sich für den Fußball in Mosambik einzusetzen", berichtet Zandamela.

Gegenspieler vor allem im südlichen Afrika

Als größter Feind des "Paten" Hayatou in ganz Afrika und Strippenzieher zugunsten des Gegenkandidaten Ahmad Ahmad gilt Phillip Chiyangwa. Der Simbabwer war langjähriger Abgeordneter der regierenden ZANU-PF, bevor er im vergangenen Jahr zum Präsidenten des Regionalverbands im südlichen Afrika COSAFA gewählt wurde.

Unter seiner Anleitung haben sich die COSAFA schon festgelegt: Am Donnerstag (16.3.2017) in Addis Abeba werden sie nicht für den Kameruner Hayatou stimmen, sondern für Ahmad, den Präsidenten des nationalen Verbandes von Madagaskar.

Wer ist Ahmad Ahmad?

"Ahmad Ahmad ist ein ehemaliger Minister und Verbandsfunktionär aus Madagaskar; ein ruhiger Mann, der immer mehr Unterstützung findet, nicht nur in Simbabwe, sondern in der ganzen Region", sagt Sportjournalist Kwenaite. Er sei der Mann, der für den notwendigen "wind of chance", den "Wind des Wechsels" sorgen könne: "Er verspricht Transparenz für den afrikanischen Fußball. Und er will die Buchhaltung der CAF für alle einsehbar machen."

Ahmad Ahmad (picture alliance/Rijasolo/AFP)

Madagaskars Verbandspräsident Ahmad Ahmad fordet einen Wechsel und stellt sich zur Wahl

Alexandre Zandamela aus Mosambik erinnert daran, dass der Simbabwer Chiyangwa international sehr gut vernetzt sei und damit Ahmad Ahmad "sehr nützlich" sein könne. Erst kürzlich habe Chiyangwa intensiv Werbung für Ahmad gemacht mit einem als "Geburtstagsfeier getarnter Dolchstoß", der den amtierenden CAF-Präsidenten mächtig geärgert habe: "Chiyangwa hat ein Fest ausgerichtet, zu dem viele afrikanische Verbandspräsidenten eingeladen waren. Das war eine reine Unterstützungsveranstaltung für den Kandidaten aus Madagaskar. Es waren bei diesem Fest eine Menge einflussreicher Fußballfunktionäre, unter anderem der FIFA-Präsident. Nur der CAF-Präsident Hayatou war nicht eingeladen", erinnert sich Zandamela.

Disziplinarverfahren gegen Ahmad-Unterstützer

In der CAF-Zentrale in Kairo wird die Geburtstagsfeier als Affront betrachtet. Inzwischen wurde sogar ein Disziplinarverfahren gegen Chiyangwa angekündigt. Sein Verhalten sei nicht akzeptabel, hieß es: Er habe sich in der Öffentlichkeit als "Wahlkampfhelfer für Ahmad Ahmad" geriert. Seine öffentlichen Aktionen und Verlautbarungen seien als "Attacken gegen die Ehre der CAF und ihres Präsidenten" zu werten.

"Die Nerven liegen blank, vor allem im Hayatou-Lager", fasst Journalist Kwenaite die Lage am Vortag der Wahl zusammen und erinnert daran, dass auch Amaju Pinnick, Verbandschef aus Nigeria, öffentlich bekundet hatte, Ahmad Ahmad zu unterstützen. Auch Pinnick sei zurückgepfiffen worden - offenbar von seiner eigenen Regierung. Diese habe ihn angewiesen für den Kameruner Hayatou zu stimmen. Kamerun sei ein befreundetes Land und dazu ein Nachbarland, mit dem man Hand in Hand gegen den Terrorismus der Boko Haram kämpfe.

Wie groß sind die Chancen, dass Hayatou tatsächlich sein Amt verliert? Thomas Kwenaite sieht für beide Kandidaten eine "Fifty-Fifty"-Chance: "Man sollte niemals den Fehler machen, Hayatou zu unterschätzten. Er hat in der Vergangenheit viele Angriffe überstanden und bewiesen, dass er eine Art 'Katze mit neun Leben' ist."

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