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Aktuell Deutschland

Israels Präsident Rivlin: Sympathieträger in Berlin

Vor fünfzig Jahren hat Israels Präsident Reuven Rivlin gegen den ersten deutschen Botschafter in seinem Land protestiert. Heute feierte er das Jubiläum der deutsch-israelischen Beziehungen.

Es herrscht Sicherheitsstufe 1 bei dem Besuch des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin in Berlin. Die Gullydeckel sind versiegelt, der Verkehr ist weiträumig abgesperrt, überall ist Polizei zu sehen. Vor dem Gebäude, in dem der deutsch-israelische Jugendkongress tagt, stehen schwer bewaffnete und vermummte Sicherheitskräfte. Sogar die Straßenbahn, die in der Nähe vorbeifährt, wurde an diesem Nachmittag lahmgelegt.

"Unser Präsident wird hier besser bewacht als zuhause", kommentiert ein junger Israeli das Geschehen. Er ist einer von dreihundert Jugendlichen aus Israel und Deutschland, die seit Samstag in Berlin zusammengekommen sind, um über den deutsch-israelischen Jugendaustausch zu debattieren und neue Ideen für Dialog und Zusammenarbeit zu entwickeln.

Die Jugendlichen stellen gerade die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen vor, als die beiden Präsidenten in Begleitung von Familienministerin Manuela Schwesig den Saal betreten. Sofort springen alle auf und bejubeln die beiden Staatsoberhäupter, die gekommen sind, um das Engagement der jungen Männer und Frauen zu würdigen. "Der Jugendaustausch zwischen Deutschland und Israel hat schon zehn Jahre vor Aufnahme der diplomatischen Beziehungen begonnen", sagt Bundespräsident Joachim Gauck. Die Politik sei über die Brücke gegangen, die die Jugendlichen gebaut hätten. Rivlin ergänzt: "Man sagt, die Jungen seien die Anführer von morgen. Ich sage euch: Ihr seid die Anführer von heute. Mit Euch hat die freie Welt eine Zukunft."

Deutsch-israelischer Freiwilligendienst ins Leben gerufen

Beide Präsidenten zeichneten drei junge Frauen aus Israel aus. Sie sind die ersten Teilnehmerinnen des neu gegründeten deutsch-israelischen Freiwilligendienstes. Gaia ist die Enkelin von Holocaust-Überlebenden und war noch nie zuvor in Deutschland. "Ich wollte einen Kreis schließen, indem ich es wage, hierher zu kommen", sagt sie. Sie wird einige Monate in einer Schule arbeiten. Auch Munia und Sawir sind zum ersten Mal in Deutschland und freuen sich auf ihre Einsätze als Freiwillige. "Es gefällt mir hier", sagt Munia und Sawir fügt hinzu: "Meine Familie hat das sehr positiv aufgenommen, dass ich hierher komme, um freiwilligen Dienst zu leisten. Ich werde in einem Altersheim arbeiten." Die Begegnung mit den Präsidenten fanden die drei jungen Frauen aufregend und ermutigend. "Das war sehr beeindruckend, dass sie mit uns gesprochen und uns die Hand gegeben haben."

Die drei ersten Teilnehmerinnen des neu gegründeten deutsch-israelischen Freiwilligendienstes Sawir, Gaia und Munia (von links nach rechts) (Foto: DW)

Von den Präsidenten ausgezeichnet: die drei ersten Freiwilligen aus Israel

Dichtes Besuchsprogramm

Zum Auftakt seines

dreitägigen Besuches in Deutschland

war der israelische Staatspräsident am Morgen von Bundespräsident Gauck mit militärischen Ehren empfangen worden. Vor Journalisten lobte Rivlin die engen und freundschaftlichen deutsch-israelischen Beziehungen. Sie beruhten auf den gemeinsamen Werten von Demokratie, Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung. Auch im Streben nach einem wahren Frieden, der die Tragödie zwischen "Juden und Arabern im Land Israel beenden" werde, seien beide Staaten vereint. Dabei sei man sich einig, dass es unter Freunden auch Meinungsunterschiede geben dürfe, wie der Frieden zu erreichen sei.

Bundespräsident Joachim Gauck empfängt Israels Präsident Reuven Rivlin (Foto: Getty Images)

Die beiden Präsidenten Gauck und Rivlin verstehen sich offenbar blendend

"Juden und Araber im Land Israel sind dazu bestimmt, gemeinsam zu leben, sie sind nicht dazu verurteilt", sagte Rivlin. Er rief Deutsche und Israelis dazu auf, sich auch in Zukunft gemeinsam gegen Antisemitismus und Rassismus zu stellen.

50 Jahre Beziehungen

Vor seiner Abreise aus Israels hatte Rivlin an den holprigen Start der

deutsch-israelischen Beziehungen vor 50 Jahren

erinnert. "Vor fünfzig Jahren habe ich mit einer Gruppe von Studenten gegen die Ankunft des ersten deutschen Botschafters protestiert. Heute mache ich mich als Präsident Israels auf den Weg nach Deutschland, um das Jubiläum der bilateralen Beziehungen zu begehen."

Die guten und engen Beziehungen seien keine Entschädigung für die Shoah, erklärte Rivlin in Berlin. Sie seien jedoch umso bemerkenswerter, wenn man an die dunkle Vergangenheit denke, die beide Nationen schicksalhaft verbinde.

Die dunkle Vergangenheit, die Zeit des Nationalsozialismus und der Judenvernichtung, ist in Berlin überall sichtbar. Es gibt neben dem zentralen Holocaust-Denkmal zahlreiche kleinere Gedenkorte, Mahnmale, Skulpturen und Stolpersteine in der Stadt. Der israelische Präsident besuchte das "Gleis 17" am S-Bahnhof Grunewald. Von dort waren während der Nazizeit tausende Berliner Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert worden. Er legte einen Kranz nieder und sprach das Kaddisch, das Totengebet.

Im Anschluss an diesen Ausflug in die schmerzliche Vergangenheit, besichtigte der israelische Präsident das Brandenburger Tor und trug sich in das goldene Buch der Stadt ein.

Rivlin legt am Gleis 17 im Grunewald einen Kranz nieder (Foto: Getty Images)

Gedenken an die Ermordeten am Gleis 17 im Grunewald

"Hier ist Ruby Rivlin aus Jerusalem"

Rivlin ist in Israel ausgesprochen populär und wird gemeinhin "Ruby" genannt. Er entstammt dem Likud von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, mit dem er jedoch nicht auf gutem Fuß steht. Er ist volksnah und bescheiden. Politisch ist er dem rechten Lager zuzuordnen. So gilt er als entschiedener Gegner der Zweistaatenlösung und einer möglichen Teilung Jerusalems, dessen Ostteil die Palästinenser als Hauptstadt ihres Staates beanspruchen. Um dies zu unterstreichen, meldet er sich in Radio-Interviews stets mit den Worten: "Hier ist Ruby Rivlin aus Jerusalem".

Trotzdem seiner nationalistischen politischen Einstellung ist Rivlin auch bei der palästinensischen Minderheit in Israel beliebt, denn er setzt sich für ihre Belange ein und wendet sich immer wieder gegen rassistische Tendenzen in seinem Land.

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