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Politik

Israels Gaza-Offensive im Spiegel der Presse

"Krieg ist Mist. Immer sterben Unschuldige" - "Offensive schürt Hass gegen Israel" - "Supermacht USA gelähmt": So lauten einige Einschätzungen in der deutschen und ausländischen Presse.

Symbolbild Presseschau

Eindeutig begrüßt wird der Einmarsch im Gazastreifen von der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Wer Waffenstillstände bricht und trotz Warnungen im Schutz der Bevölkerung weiter Hunderte Raketen auf Israel abfeuert, provoziert einen Gegenschlag. (…) Ob ein begrenzter Vorstoß nicht besser wäre als eine breite Offensive, darüber lässt sich streiten. Die um den Erdball rollende Empörungswelle über Israel ist jedoch oftmals nicht frei von einer Doppelmoral, vor allem in Teilen der islamischen Welt. Die Ermordung von Juden oder Terroranschläge der Kaida lösen dort jedenfalls keine Proteststürme aus."

Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" meint, "Krieg sei immer Mist. Immer sterben Unschuldige" – die Palästinenser seien ein Spielball: "Die Palästinenser werden nicht nur zerrieben in dem asymmetrischen Krieg Israels gegen die Hamas, sondern auch in dem der Hamas gegen die Fatah. Und hinter allem steht der wahre Konflikt: Syrien und Teheran gegen Israel. Assad und Ahmadinedschad wollen die Juden ins Meer treiben. Was das bedeutet, vermag hier, wo bloß Rezession droht, kaum jemand zu ermessen."

Die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" aus Essen meint, Israel unterstütze mit der Bodenoffensive indirekt die Hamas: "Die Unfähigkeit den Gazastreifen zu regieren, die desolate Versorgungslage, die hohe Arbeitslosigkeit – die Schuld wird gerne dem zionistischen Feind in die Schuhe geschoben, begann sich aber gegen die radikalen Islamisten selbst zu wenden. Umfragen sahen Hamas im Abwind, die Fatah von Palästinenser-Präsident Abbas gestärkt. Nun aber feiern die Radikalen. Sie werden Bilder von Kindern und Frauen zeigen, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten."

Die "Neue Presse" aus Hannover zeigt sich enttäuscht von der internationalen Gemeinschaft: "Entscheidend ist, dass Israel den Krieg nicht gewinnen kann. Bestenfalls kann die Hamas geschwächt werden – nach dem geplanten Rückzug der Armee werden die Raketenangriffe sicher fortgesetzt. Der Nahost-Konflikt kann nur politisch gelöst werden. Die Staatengemeinschaft diskutiert und appelliert, kann sich aber auf keine gemeinsame Linie einigen. Die wichtigste Rolle spielen ohnehin die USA, doch die Supermacht ist gelähmt, erst am 20. Januar tritt Barack Obama sein Präsidentenamt an."

Für die "Hannoversche Allgemeine" ist Obama aber kein 'Superman': "Wenn schon die Konfliktparteien nicht wissen, was sie wollen und wie sie es erreichen können, soll Obama ihnen den Weg weisen. Das ist ziemlich viel verlangt von einem einzelnen Mann, sogar wenn der im Weißen Haus regiert."

Die "Rheinische Post" aus Düsseldorf sieht die internationale Gemeinschaft in der Pflicht: "Will (Israel) nicht wieder als Besatzungsmacht auftreten, muss eine Lösung her, die künftige Militäraktionen verhindert. Das geht wohl nur mit einer Aufpasser-Truppe der UNO, die auch dafür sorgen muss, dass die Palästinenser im Gazastreifen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten versorgt werden. Friede in Gaza kommt nicht über die Einsicht der Kontrahenten, sondern über die Aufsicht der Weltgemeinschaft. Sie fordert ihn, dann muss sie ihn auch gewährleisten."

Die "Frankfurter Rundschau" schlägt eine arabisch-türkische Schutztruppe vor, bemängelt aber: "Bislang sind weder Ankara noch irgendeine arabische Hauptstadt bereit, sich für eine solche Initiative stark zu machen. Ähnlich agiert die Europäische Union. Sie hält sich auffallend zurück. Die Politik der Isolierung von Hamas ist gescheitert."

Die "tageszeitung" aus Berlin sieht die Zukunft der Region düster: "Zu befürchten ist, dass der Krieg im Gazastreifen die kommende Generation der Palästinenser weiter radikalisieren wird. Die Hamas könnte dann von einer Generation al-Qaida abgelöst werden. Die USA und die Europäer werden sich dann ganz anders engagieren müssen. Sicher ist nur: der Hass, der aus den Ruinen dieses Krieges wächst, wird die Welt weiter in Atem halten."

Diese Befürchtung wird überwiegend auch, bei allem Verständnis für Israels Interessen, in ausländischen Zeitungen geäußert.

Die französische Zeitung "La Croix" meint, dass die Offensive "Menschenleben kosten wird" und den "Weltfrieden teuer zu stehen kommt, da der Nahe Osten neuralgischer Punkt des internationalen Gleichgewichts ist": "Was heute im Gazastreifen passiert, und was davon in den öffentlichen Meinungen der arabisch-muslimischen Länder kursiert, stärkt die Extremisten und schürt den Hass gegen Israel und die westliche Welt."

Ähnlich sieht das die in Madrid erscheinende Tageszeitung "ABC": "Israel hätte nicht nur den militärischen Teil dieser Operation planen müssen, sondern vor allem auch den nächsten Schritt. Was wird geschehen, wenn seine Panzer und Truppen die Belagerung abgeschlossen haben? Wie wird Israel es schaffen, dass dieser Schmerz, den es den Palästinensern zufügt, nicht noch mehr Hass und weitere Generationen Friedensgegner hervorbringt?"

Die "Rzeczpospolita" aus Warschau meint, Israel habe sich militärisch und politisch "für ein riskantes Spiel entschieden". So werde "mit jedem getöteten Zivilisten in der Welt die Abneigung gegen Israel wachsen": "Die Geduld verlieren bereits jene, die bislang Verständnis für israelische Luftangriffe auf den Gazastreifen zeigten."

Der "Kurier" aus Wien vermutet gar eine bestimmte weiter gehende Strategie Israels: "Israel geht es wohl darum, all seinen Feinden – bis in den gar nicht so fernen Iran – Entschlossenheit und Stärke zu demonstrieren. (…) Und das vor dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama, dessen rückhaltloser Unterstützung sich viele Israelis nicht so sicher sind. Wird Gaza ruhiggestellt, wäre auch der Rücken frei für den immer wieder angedrohten Luftschlag gegen Irans Atomanlagen."

Viele verschiedene Vermittlungsbemühungen laufen – erfolgreich war bisher keine. Die in Turin erscheinende "La Stampa" wundert das nicht: "Es ist, als ob die Zeit der unendlichen kriegerischen Konflikte in Ex-Jugoslawien zurückgekehrt wäre. Die Zeit als die UN nicht wussten, was sie machen sollten, Frankreich die Serben unterstützte, Deutschland die Kroaten und Italien zwischen den einen und den anderen hin- und herschwamm, während die Europäische Union – im Großen und Ganzen uneinig – auf die Entscheidungen der USA wartete, um die eigenen Kompasse danach zu richten. Auch heute – angesichts des Gazastreifens in Flammen – ist der UN-Sicherheitsrat nicht in der Lage, eine einstimmige Resolution (…) zu verabschieden. Und Europa wartet auf ein Machtwort Obamas."