Israels Armee sprengt Grenztunnel in Gaza | Aktuell Nahost | DW | 31.10.2017
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Nahostkonflikt

Israels Armee sprengt Grenztunnel in Gaza

Terroristen und Schmuggler nutzen die unterirdischen Gänge zwischen dem Gebiet der Hamas und Israel. Dessen Militär zerstörte nun solch ein Bauwerk mittels geheimer Technik. Es gab mehrere Tote.

Israel Grenze Gazastreifen Tunnelsprengung Soldaten (Getty Images/AFP/M. Kahana)

Israelische Soldaten sperren eine Straße bei Kissufim, wo die Aktion stattfand

Die israelische Armee hat einen aus dem Gazastreifen auf israelisches Gebiet führenden Tunnel gesprengt. Nach Angaben der dort herrschenden Hamas wurden dabei sieben Palästinenser getötet. Zwölf weitere Menschen seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium der Hamas-Regierung mit.

Demnach gehörten zwei der Getöteten dem bewaffneten Arm der radikalislamischen Hamas, den Essedin-al-Kassam-Brigaden, an. Die übrigen fünf waren mutmaßliche Mitglieder der mit der Hamas verbündeten Islamistengruppe Islamischer Dschihad. Beide Organisationen bestätigten dies.

"Schwere Souveränitätsverletzung"

Das israelische Militär sprach von einem "Terror-Tunnel", der sich noch im Bau befunden habe. Es handele sich um eine "schwere und inakzeptable Verletzung" der eigenen Souveränität. Der unterirdische Gang in der Nähe des Dorfes Kissufim im südlichen Teil des Palästinensergebiets sei von israelischer Seite aus mit Sprengstoff zum Einsturz gebracht worden, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. Dabei sei eine neuartige Technik zum Einsatz gekommen. Nähere Details nannte er nicht.

Israel Grenze Gazastreifen Tunnelsprengung Soldaten (Getty Images/AFP/M. Kahana)

Israelischer Panzer nahe der Grenze zum Gazastreifen

Israel strebe keine Eskalation im Konflikt mit der Hamas an, so Conricus. Das Militär sei aber auf alle Möglichkeiten vorbereitet. Man erwarte, dass militante Palästinenser versuchten, weitere Tunnel zu graben. Die Hamas sei verantwortlich für "alle feindseligen Aktivitäten, die vom Gazastreifen ausgehen". Die radikalislamische Organisation erklärte ihrerseits, der israelische Angriff auf den Tunnel bedeute sehr wohl eine "gefährliche Eskalation". Der "Widerstand gegen die Besatzung" sei ein Recht des palästinensischen Volkes.

Schleichwege für Terroristen und Schmuggler

Die Hamas, die auch von den USA und von der EU als Terrororganisation eingestuft wird, hatte in der Vergangenheit immer wieder unterirdische Gänge gebaut, um auf israelisches Gebiet vorzudringen und dort Angriffe zu verüben.

Die Tunnel werden auch genutzt, um Waffen und andere Waren zu schmuggeln. Im Gaza-Krieg 2014 waren etwa 30 Tunnel entdeckt und zerstört worden.

Die Sprengung der unterirdischen Passage bei Chan Junis erfolgte kurz vor der geplanten Übergabe der Grenzübergänge des Gazastreifens an die Palästinenserbehörde von Präsident Mahmud Abbas, die am Mittwoch erfolgen soll. Dessen gemäßigte Organisation, die Fatah, hatte mit der Hamas Mitte Oktober ein Versöhnungsabkommen unterzeichnet.

Ziel ist eine einheitliche Herrschaft im Gazastreifen - der bisher von der Hamas kontrolliert wird - und im Westjordanland, das schon jetzt der Fatah untersteht. Spätestens bis Dezember soll eine palästinensische Einheitsregierung die vollständige Kontrolle im Gazastreifen übernehmen.

jj/cw (dpa, afp)