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Aktuell Nahost

Israels Armee legt Teile von Gaza-Stadt in Schutt und Asche

Bei heftigen Angriffen der israelischen Streitkräfte auf Gaza-Stadt gerieten Tausende Zivilisten zwischen die Fronten. Binnen 24 Stunden starben fast 100 Palästinenser. Die Bemühungen um eine Feuerpause verpuffen.

Es war der bislang blutigste Angriff während der israelischen Bodenoffensive gegen die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen. Besonders betroffen, die Bewohner des östlichen Stadtteils von Gaza, Sadschaija. Seit dem Vormittag haben die Streitkräfte das Feuer auf Sadschaija aus der Luft und von See aus intensiviert. In dem dichtbesiedelten Viertel, unweit der Grenze zu Israel, zählen die palästinensischen Rettungsdienste mindestens 60 Tote, darunter viele Frauen und Kinder. Insgesamt starben nach Angaben von Ärzten in den vergangenen 24 Stunden mindestens 97 Palästinenser bei Angriffen der israelischen Armee. Endgültige Opferzahlen liegen noch nicht vor. Es war das folgenreichste Bombardement auf den Gazastreifen seit fünf Jahren.

Zivilisten laufen um ihr Leben

Im Ortsteil Sadschaija liegt nach Angaben des israelischen Militärs die "Hochburg der Hamas". Ein Sprecher sagte: "Die israelischen Truppen wurden beim Vorrücken von allen Seiten mit Maschinengewehren und Panzerfäusten beschossen." Viele Bewohner des Viertels seien dadurch in die Schusslinie geraten. Das israelische Militär hatte die Zivilbevölkerung seit Tagen dazu aufgefordert, den Stadtteil zu räumen. Die Hamas wies die Menschen dagegen an, in ihren Häusern zu bleiben. Nun rannten während der Kämpfe Tausende um ihr Leben. Ihr Fluchtweg wurde von verkohlten Leichen, zerbombten Häusern und verbrannten Autos gesäumt. Etliche Verletzte sind noch in den Trümmern ihrer Häuser eingeschlossen.

Auch auf israelischer Seite steigen die Verluste. Nach Armeeangaben sollen in den vergangenen 24 Stunden 13 Soldaten getötet worden sein.

Beide Seiten hatten sich auf Drängen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz auf eine zweistündige humanitäre Waffenruhe geeinigt. Gebracht hat das fast nichts. Nach knapp einer Stunde wurde die Feuerpause wieder gebrochen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ordnete angesichts der vielen Toten bei den israelischen Militärschlägen eine dreitägige Staatstrauer an. Die Hamas kündigte Vergeltung an.

"Kriegsverbrechen"

Mittlerweile sieht sich Israel zunehmend dem Vorwurf von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Die Arabische Liga verurteilte das Vorgehen der israelischen Streitkräfte als "Kriegsverbrechen". Auch Kuwait rief Israel auf, die "Aggression" in Gaza zu stoppen; die palästinensische Politikerin Hanan Aschrawi aus dem Westjordanland sprach von einem "Massaker". In Ramallah und Jenin im Westjordanland gingen zahlreiche Demonstranten auf die Straße und forderten Palästinenserpräsident Abbas auf, gegen Israel vor dem Internationalen Strafgerichtshof zu ziehen.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu verteidigte seinerseits im US-Nachrichtensender CNN die militärische Operation. Die Streitkräfte würden alles unternehmen, um zivile Opfer zu vermeiden. Wenn Zivilisten zu Schaden kämen, sei das bedauerlich. Die Offensive werde fortgesetzt, bis die militärische Infrastruktur der Hamas und ihr Tunnelsystem zerstört sei. Das Tunnelsystem dient nach israelischer Darstellung dazu, die Abriegelung des Gazastreifens zu überwinden, die Hamas mit Waffen zu versorgen und palästinensische Attentäter nach Israel zu schaffen. Gleichzeitig warf Netanjahu der Hamas vor, die Bewohner des Gazastreifens als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Diplomatie hilflos

Alle diplomatischen Bemühungen, zwischen beiden Seiten eine dauerhafte Waffenruhe zu vermitteln, blieben bisher ohne Erfolg. Ägypten warb erneut für seinen Fahrplan für eine Waffenruhe. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon startete seine Vermittlungsbemühungen im Konflikt zwischen Israel und der Hamas am Sonntag in Doha, der Hauptstadt von Katar. Wie die Vereinten Nationen mitteilten, plant Ban danach nach Kuwait, Kairo, Jerusalem, Ramallah im Westjordanland und in die jordanische Hauptstadt Amman zu fahren. Ziel der Reise sei es, Israelis und Palästinensern zu helfen, die Gewalt zu beenden.

Auch US-Außenminister John Kerry kündigte eine neue Vermittlungsmission im Nahen Osten an. Nach israelischen Berichten wird Kerry bereits am Montag in der Region erwartet.

zam/qu (afp, dpa, rtr)