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Aktuell Nahost

Israelischer Soldat von militanten Palästinensern verschleppt

Die Hoffnung währte nur kurz: Wenige Stunden nach Beginn hat Israel die Waffenruhe für beendet erklärt. Grund dafür ist die Entführung eines Soldaten. Israel und die Hamas liefern sich heftige Gefechte.

"Terroristen griffen israelische Streitkräfte an, die an einem Tunnel im Einsatz waren. Ein Soldat wurde vermutlich entführt", teilte der israelische Militärsprecher Peter Lerner auf Twitter mit. Die Hamas bestätigte die Entführung, betonte aber, der Soldat sei noch vor Beginn der Waffenruhe verschleppt worden. Die israelische Armee teilte zudem mit, dass zwei Soldaten getötet worden seien.

Schwere Gefechte

Die Entführung des Soldaten nahe der Stadt Rafah im Gazastreifen löste neue heftige Kämpfe aus. Wie der Sprecher des palästinensischen Gesundheitsministeriums, Aschraf al-Kidra, mitteilte, wurden bei israelischen Angriffen mindestens 35 Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt. Militante aus dem Gazastreifen feuerten mindestens acht Geschosse auf Israel ab. Drei wurden von der Raketenabwehr abgefangen, die anderen landeten auf freiem Feld.

Israel erklärte die in der Nacht zuvor unter internationalem Druck zustande gekommene Waffenruhe im Anschluss an die Verschleppung für gescheitert. Der israelische Militärrepräsentant General Joav Mordechai habe den UN-Vermittler Robert Serry darüber informiert, gab das Regierungspresseamt bekannt. "Israel wird die Aggression der Hamas und anderer Terrororganisationen im Gazastreifen mit harten Maßnahmen beantworten", sagte Mordechai dem UN-Diplomaten.
Brennendes haus in Rafah (Foto: picture alliance)

Bei dem Angriff auf Rafah wurden mindestens 35 Menschen getötet

Verhandlungen in Ägypten abgesagt

Die 72-stündige humanitäre Kampfpause sollte die Bergung der Toten, die Behandlung der Verletzten und die Reparatur der beschädigten Wasser- und Stromversorgung im Gazastreifen erlauben. Auch sollte sie ermöglichen, dass sich die Bevölkerung mit Lebensmitteln eindeckt. Zugleich sollte die Feuerpause Zeit schaffen für Verhandlungen in Kairo über eine dauerhafte Waffenruhe.

Dass es zu den Gesprächen kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Nach dem Bruch der Feuerpause sagte ein Sprecher des an der Seite der Hamas kämpfenden Islamischen Dschihad, die ägyptische Regierung habe die Organisation informiert, dass Israel die geplanten Verhandlungen über einen dauerhaften Waffenstillstand wegen der Entführung verschoben habe. Eine palästinensische Delegation werde jedoch trotzdem nach Kairo reisen, teilte das Büro von Palästinenserpräsident Abbas mit.

Mehr als 1400 Tote

Die israelische Armee hatte vor mehr als drei Wochen mit einer Luftoffensive in dem von der radikal-islamischen Hamas beherrschten Gazastreifen begonnen. Später drangen auch Bodentruppen in das Gebiet vor. Ziel der Militäroperation ist es, den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Küstengebiet auf Israel zu unterbinden. Auch Tunnel, durch die militante Palästinenser auf israelischen Boden vordringen, um Anschläge zu verüben oder Menschen zu entführen, sollen zerstört werden.

Seit Beginn der Kämpfe wurden auf Seiten der Palästinenser mehr als 1400 Menschen getötet, etwa 8400 wurden verletzt. Nach palästinensischen Angaben sind mehr als zwei Drittel der Opfer Zivilsten. Auf der israelischen Seite wurden 61 israelische Soldaten und drei Zivilisten getötet. Mehrere hundert Menschen wurden verletzt.

cr/uh (dpa, afp, rtr)