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Israel und die Palästinenser

Israelischer Soldat muss wegen Tötung von Palästinenser 18 Monate in Haft

Der Fall spaltet das Land: Im März 2016 erschoss Elor Asaria einen am Boden liegenden palästinensischen Attentäter. Viele Israelis, darunter auch Regierungschef Netanjahu, verlangten Gnade für den Soldaten.

Elor Asaria mit seiner Mutter vor dem Militärgericht (Reuters/J. Hollander)

Elor Asaria mit seiner Mutter vor dem Militärgericht

Das Militärgericht in Tel Aviv gab das Strafmaß bekannt. Es verurteilte den 21-Jährigen außerdem zu einem weiteren Jahr Haft auf Bewährung. Der Dienstgrad des Unteroffiziers soll auf die niedrigste Stufe herabgesetzt werden.

Ein palästinensischer Mitarbeiter einer israelischen Menschenrechtsorganisation hatte den Vorfall vom März 2016 gefilmt, so dass dieser an die Öffentlichkeit gelangte. Elor Asaria war bereits Anfang Januar wegen Totschlags schuldig gesprochen worden, nur das Strafmaß stand noch aus. Die Militärstaatsanwaltschaft hatte zwischen drei und fünf Jahren Haft gefordert. Asarias Verteidigung hatte auf nicht schuldig plädiert und will nun das Urteil anfechten.

Richter sahen keine Gefahr für Soldaten  

Asaria war zum Tatzeitpunkt 19 Jahre alt. Ein 21-jähriger Palästinenser hatte in Hebron im Westjordanland mit einem Komplizen einen Soldaten mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt, wurde dann angeschossen und lag blutend auf der Straße. Sein Komplize war bereits tot. Später kam Asaria als Militärsanitäter zum Tatort und tötete den wehrlosen Palästinenser. Von diesem war nach Auffassung der Richter keinerlei Gefahr für den Soldaten ausgegangen. Der Vorfall ereignete sich während einer Welle palästinensischer Anschläge auf Israelis. 

Asaria gab während des Prozesses an, er habe aus Sorge gehandelt, der 21-jährige Attentäter könnte einen Sprengstoffgürtel tragen und diesen zur Explosion bringen. Das Gericht schenkte dieser Darstellung jedoch keinen Glauben. Es urteilte vielmehr, Asaria habe Rache für den bei dem Anschlag verletzten Kameraden üben wollen.

Video ansehen 01:32

Palästinensischer Vater enttäuscht über Urteil

Asaria für die einen ein Held, für die anderen ein Mörder 

Der Fall hat in Israel die Wellen hoch schlagen lassen: Von einigen wird Asaria als Held gefeiert, andere sehen ihn als Mörder. Rechtsgerichtete Politiker, allen voran Regierungschef Benjamin Netanjahu, sprachen sich für Asarias Begnadigung aus. Nach dem Schuldspruch im Januar demonstrierten zahlreiche Unterstützter Asarias vor dem Gerichtsgebäude und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die drei Militärrichter und Generalstabschef Gadi Eisenkot, der sich für den Militärprozess eingesetzt hatte, wurden im Internet und bei Kundgebungen massiv bedroht.

Nach seiner Verurteilung wegen Totschlags hatte Asarias Familie den israelischen Rechtsanwalt Joram Scheftel angeheuert, damit dieser das Verteidigungsteam anführt. Scheftel wurde international bekannt, als er 1993 vor Israels Höchstem Gericht eine Aufhebung des Todesurteils gegen den NS-Verbrecher John Demjanjuk erreichte. Es konnte damals nicht einwandfrei nachgewiesen werden, dass Demjanjuk mit dem berüchtigten SS-Wachmann "Iwan der Schreckliche" identisch war. Israel schob Demjanjuk danach in die USA ab.

sti/stu (afp, dpa, rtr, ap)

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