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Politik

Israelische Großaktion in Rafah

Beim Nahost-Treffen in Berlin war noch von "positiven Signalen" die Rede. Doch kaum war das Treffen beendet, weitete Israel seine Militäraktion im Gaza-Streifen aus.

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Angehörige von Opfern des Angriffs

Bei einem Großeinsatz der israelischen Armee im palästinensischen Flüchtlingslager von Rafah im Süden des Gazastreifens sind am Dienstag (18.5.2004) mindestens 14 Palästinenser getötet worden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa auf Basis von israelischen Rundfunkmeldungen. Nach israelischen Angaben handelt es sich bei den Toten zumeist um palästinensische Kämpfer, die bei Hubschrauberangriffen starben.

Kurz vor der Dämmerung schlug eine Rakete in der Nähe einer Moschee im Viertel Tel Sultan ein, wo sich Gläubige zum Morgengebet versammelt hatten. Etwa zur gleichen Zeit stießen israelische Panzer und Kampfeinheiten in das Viertel vor, das sich nicht in Grenznähe befindet. Die Soldaten begannen damit, einen Graben auszuheben und Tel Sultan vom Rest Rafahs abzuschneiden, wie Augenzeugen berichteten. Haus für Haus werde durchgekämmt. Mindestens 45 Militärfahrzeuge wurden in dem Viertel gezählt.

Größere Sicherheitszone

Es war bereits der zweite Angriff seit Mitternacht. Bei dem ersten waren nach Augenzeugenberichten drei Menschen getötet und sieben weitere verletzt worden. Wenige Minuten nach dem ersten Angriff begannen die Israelis damit, Gelände am Rande des 90.000 Bewohner zählenden Lagers nahe der ägyptischen Grenze einzuebnen. Israel will die Sicherheitszone rund um das Lager vergrößern, von dem aus immer wieder Soldaten angegriffen wurden.

Die israelische Militärführung erklärte, beide Angriffe habe sich gegen bewaffnete Gruppen gerichtet. Israelische Panzer und Truppen halten das Lager seit Montag umstellt und haben es vom Rest des Gazastreifens abgeschnitten. Mehrere tausend Palästinenser flohen bereits aus Furcht vor einem israelischen Großangriff aus dem rund 90.000 Bewohner zählenden Lager.

Rafah kein neues Ziel

Die Israelis sind in den vergangenen Jahren bereits mehrmals in das Lager Rafah eingedrungen. Sie haben dabei vor allem nach Tunneln gesucht, in den Palästinenser Waffen unter der ägyptischen Grenze hindurch in den Gazastreifen einschmuggeln sollen. Vergangene Woche hatten militante Palästinenser ein israelisches Panzerfahrzeug in der Nähe des Lagers in die Luft gesprengt und dabei fünf Soldaten getötet. Die israelische Regierung kündigte daraufhin an, sie werde die Sicherheitszone zu dem Lager vergrößern, indem sie Häuser niederreißen lasse.

Die arabischen Staaten verlangten unterdessen wegen der Zerstörungsaktionen der Israelis eine aktuelle Stunde des Weltsicherheitsrates. Über die Einberufung soll am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in New York entschieden werden.

Appell von Amnesty

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Israel unterdessen aufgefordert, die Zerstörung von palästinensischen Häusern zu stoppen. In dreieinhalb Jahren hätten die Streitkräfte mehr als 3.000 Häuser sowie große landwirtschaftlich genutzte Gebiete zerstört, erklärte die Organisation unter Berufung auf UN-Angaben. Zehntausende von Männern, Frauen und Kinder verlören auf diese Weise ihr Zuhause oder ihre Lebensgrundlage. (kas)

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