1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

Israelische Bodenoffensive im Gazastreifen hat begonnen

Truppen der israelischen Streitkräfte haben die Grenze zum Gazastreifen überschritten und damit eine neue Phase der seit einer Woche andauernden Militäroffensive eingeleitet.

Eine Explosion im Gazastreifen, gesehen von der israelischen Seite der Grenze aus (Quelle: AP)

Artilleriebeschuss des Grenzgebiets vom Gazastreifen

Augenzeugen berichteten am Samstag (03.01.2009), dass israelische Soldaten in den Norden und Osten des Palästinensergebiets vorgerückt seien. Eine Militärsprecherin bestätigte den Einmarsch. Die israelische Armee werde einige Gebiete einnehmen, aus denen Raketen auf Israel abgefeuert worden seien, erklärte sie. "Ziel ist es, die Terror-Infrastruktur der Hamas zu zerstören." Im Rahmen der Bodenoffensive werde Israel zehntausende Reservisten mobilisieren, teilte das Büro von Ministerpräsident Ehud Olmert mit.

Die israelischen Truppen drangen nach Augenzeugenberichten mehrere hundert Meter auf palästinensisches Gebiet vor. In der Nähe des Flüchtlingslagers von Dschabalija waren Raketeneinschläge zu hören. Die vordringenden Panzerfahrzeuge sollen von Apache-Hubschraubern unterstützt worden sein. Die Hamas habe das Feuer erwidert, berichteten die Augenzeugen.

Der bewaffnete Hamas-Arm, die Essedin-el-Kassam-Brigaden, erklärte, Israel werde für seine Offensive "einen hohen Preis" bezahlen. Die Hamas hatte für den Fall einer Bodenoffensive mit der Entführung israelischer Soldaten gedroht.

Israelischer Artilleriebeschuss

Die Regierung in Jerusalem hatte eine Bodenoperation angekündigt, sollte der Beschuss des israelischen Grenzgebiets durch militante Palästinenser aus dem Gazastreifen nicht aufhören. Schon seit Tagen waren Panzerverbände an der Grenze zusammengezogen worden.

Wenige Stunden vor dem Einmarsch hatte die israelische Artillerie erstmals damit begonnen, den Gazastreifen unter Beschuss zu nehmen. Vermutlich sollten damit vor einem Einmarsch Minenfelder beseitigt werden. Die Granaten schlugen entlang des Grenzverlaufs zwischen Israel und dem Gazastreifen ein. Zudem berichten Augenzeugen von schweren Explosionen in der Stadt Gaza. Bei dem Artillerie-Einsatz wurde nach palästinensischen Angaben auch ein Wohnhaus getroffen, zahlreiche Bewohner wurden verletzt.

Israel setzt Luftangriffe fort, Palästinenser die Raketenangriffe

Luftangriff auf Beit Lahia (Quelle: AP)

Luftangriff auf Beit Lahia

Die israelische Luftwaffe griff am Samstag nach Angaben einer Armeesprecherin mehr als 40 Ziele der radikal-islamischen Hamas an. Dabei wurde auch der ranghohe Hamas-Kommandeur Abu Zakaria al-Dschamal getötet. Bei dem Beschuss einer Moschee in Beit Lahia starben nach palästinensischen Angaben elf Menschen, 50 weitere wurden verletzt. Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde stieg die Zahl sämtlicher Todesopfer am achten Tag der israelischen Angriffe auf 461. Mindestens 100 der Toten waren nach UN-Angaben Zivilpersonen, rund 2000 Menschen wurden verletzt.

Nach Angaben der Armee schossen radikale Palästinenser im Laufe des Tages 15 Raketen auf Israel ab. Beim Einschlag einer Grad-Rakete in der rund 40 Kilometer nördlich des Gazastreifens gelegenen Stadt Aschdod wurden zwei Menschen durch Metallsplitter verletzt. In Aschkelon brach nach der Explosion einer Rakete in einem Haus Feuer aus. Auf israelischer Seite starben seit Beginn der Offensive bislang vier Menschen durch den Raketenbeschuss militanter Palästinenser.

Militärexperten wiesen darauf hin, dass die Anzahl der israelischen Luftangriffe inzwischen abgenommen habe. In den ersten Tagen der Offensive seien noch 100 Ziele pro Tag angegriffen worden. Es habe den Anschein, dass es bald keine Angriffsziele aus der Luft mehr geben könnte, hieß es.

Intensive Bemühungen um Waffenruhe

Unterdessen wurden die internationalen Bemühungen um einen Waffenstillstand verstärkt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon setzte sich für eine sofortige Feuerpause unter Einsatz internationaler Beobachter ein. Die Hamas reagierte nur kühl auf diesen Vorschlag. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan setzte in Saudi-Arabien seine Mission fort, die arabischen Staaten für eine Einflussnahme auf die Hamas zu gewinnen.

Der UN-Sicherheitsrat wird sich voraussichtlich am Montag mit einem Resolutionsentwurf der Arabischen Liga befassen, in dem ein Ende der Luftangriffe und eine Verurteilung Israels gefordert wird. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas und die Außenminister mehrerer arabischer Staaten wollten in New York persönlich für eine Annahme werben. Die USA und Großbritannien haben den Entwurf aber schon als inakzeptabel und unausgewogen abgelehnt, weil darin die Raketenangriffe der Hamas nicht erwähnt würden.

Wie Ban forderten auch US-Präsident George W. Bush, der französische Präsident Nicolas Sarkozy und Außenminister Frank-Walter Steinmeier einen Waffenstillstand. Bush betonte allerdings, dass eine einseitige Waffenruhe, die Gewalt von Seiten militanter Palästinenser zulasse, nicht akzeptabel sei. Ferner müsse es Überwachungsmechanismen geben, um den Waffenschmuggel nach Gaza zu unterbinden, erklärte der Präsident in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Die Raketenangriffe der Hamas bezeichnete er als Terrorakt.

Erneut weltweite Proteste gegen den Militäreinsatz

Ein muslimischer Demonstrant vor einem Bus, in dem eim Plakat mit der Aufschrift 'UN where is your power' hängt (Quelle: AP)

Auch in Indonesien wurde wieder demonstriert

Weltweit protestierten am Samstag erneut Zehntausende gegen den israelischen Militäreinsatz. Allein in Deutschland wurden weit mehr als 20.000 Demonstranten gezählt: In Frankfurt am Main kamen rund 10.000 Menschen zusammen, in Berlin gab die Polizei die Zahl der Demonstranten mit etwa 7000 an, in Düsseldorf waren es rund 4000.

In Paris bekundeten nach Angaben der Veranstalter etwa 25.000 Menschen ihre Solidarität mit den Palästinensern. In Großbritannien versammelten sich in rund 20 Städten ebenfalls deutlich mehr als 10.000 Menschen zu Protestaktionen. Auch in Israel selbst gab es Demonstrationen, an denen sich vor allem israelische Araber beteiligten. (je)

Die Redaktion empfiehlt