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Nahost

Israelische Araber im Zivildienst

Die Zahl der israelischen Araber im Zivildienst hat sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt. Israel will weitere Kandidaten für den Dienst gewinnen. Zur Integration der Araber trägt das aber nur wenig bei.

Portrait Gharam Samara (Foto: DW)

Gharam Samara ist eine von rund 1300 Arabern, die Zivildienst in Israel machen

Email schreiben steht heute auf dem Stundenplan. Es ist die letzte Woche vor den Sommerferien und die letzte Woche für Gharam Samara als Lehrerin. Sie unterrichtet Computer für Grundschüler, und die wollen unbedingt mit Gharam in Kontakt bleiben, ihr Emails schreiben. Gharam ist israelische Araberin, macht ihren Zivildienst als Lehrerin im jüdisch-arabischen Gemeindezentrum in Jaffo, und für sie ist das Jahr eine tolle Erfahrung. Sie habe viel gelernt, sagt sie. "Über Computer und auch über mich selbst. Ich hätte nie geglaubt, dass ich so viel Geduld habe!"

Integration ist das Ziel

Altenbetreuung in Israel durch deutsche Zivis (Foto: Aktion Sühnezeichen Friedensdienste)

Altenbetreuung in Israel machen auch deutsche Zivis

Gharam ist eine von rund 1300 israelischen Arabern, die freiwillig Zivildienst in Israel machen. Die meisten von ihnen arbeiten in Schulen oder im Krankenhaus, und ihre Zahl hat sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt. Damit nicht genug: Die Politik will den Anteil der israelischen Araber im Zivildienst nochmals um das Doppelte erhöhen, so dass die Araber gemäß ihrem Bevölkerungsanteil repräsentiert sind - und das bei gleichbleibender Zahl der Zivildienstplätze.

Das Ziel ist klar, sagt Sar-Schalom Jerbi, Leiter des Nationalen Zivildienstes. Er will arabische Jugendliche integrieren, sie mit Juden vernetzen und ihnen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt später erleichtern. "Der Zivildienst gibt den Arabern das Gefühl, kein Bürger zweiter Klasse zu sein", meint Sar-Schalom Jerbi, "sondern er zeigt ihnen, dass sie gebraucht werden."

Araber im Zivildienst, das war nicht immer so. Erst seit acht Jahren sind sie zugelassen. Zuvor war der Zivildienst nur für Wehrdienstverweigerer gedacht, meist ultraorthodoxe Juden. Da Araber aber vom Dienst an der Waffe ausgeschlossen sind, war ihnen auch der Zivildienst nicht gestattet. Heute jedoch werden Araber an Schulen informiert und überzeugt. Es locken finanzielle Anreize – der Hauptgrund für viele Araber, sich für den Dienst zu entscheiden. Und auch Gharam hat ihr Gehalt schon verplant: Ab Herbst studiert sie an der Universität Tel Aviv Soziologie und Anthropologie. Ihr Studium ist also fast schon bezahlt.

Kritik von den arabischen Gemeinden

Israelischer Soldat (Foto: DW/Viktoria Kleber)

Ursprünglich war der Zivildienst als Wehrdienstersatz für ultraorthodoxe Juden gedacht

Vor einem Jahr, als Gharam sich nach ihrem Schulabschluss entschloss, Zivildienst zu machen, waren nicht alle begeistert davon. Ihre Familie hat sie zwar unterstützt, einige ihrer Freunde haben ihr aber davon abgeraten. Araber, so sagten sie, sollten das nicht tun, denn man könne nicht einem Land dienen, das einem selbst nicht alle Rechte gebe.

Besonders bei arabischen Politikern stößt der Zivildienst für Araber auf scharfe Kritik. Sie wollen zwar, dass die arabischen Jugendlichen sich engagieren, aber nicht unter israelischer Aufsicht. Da würden sie nur "israelisiert" und Teil der israelischen Kriegsmaschinerie, meint Hanin Zoabi, Abgeordnete der Partei Nationale demokratische Vereinigung der Knesset. "Israel kümmert sich nicht um unsere Gleichberechtigung, sie wollen nur unsere Loyalität", sagt Hanin Zoabi.

Zivildienst erreicht nicht alle Araber

Zwei arabische Frauen auf der Straße in Jerusalem (Foto: DW/Viktoria Kleber)

Die Integration der Araber wird durch den Zivildienst aber nicht vorangetrieben

Loyal sind die meisten arabischen Zivildienstleistenden meistens schon vor ihrem Dienst. Sie haben eine positive Einstellung zum israelischen Staat, weiß Professor Sammy Smooha von der Universität Haifa. Er fordert, dass der Zivildienst besonders Araber erreichen müsse, die keinen Kontakt mit der jüdischen Bevölkerung haben oder ihr kritisch gegenüberstehen. Erst dann, so der Wissenschaftler, wäre eine Integration erfolgreich.

Für Professor Smooha ist das Projekt jedoch ein Zeichen in Richtung Gleichberechtigung. Viel mehr sei von der aktuellen israelischen Regierung aber auch nicht zu erwarten, sagt er. Da die Koalitionspartner in der Araber-Frage gespalten seien, die verschiedenen Blöcke in verschiedene Richtungen zögen. "Grundsätzlich hat die Regierung bislang eine sehr fragwürdige israelische Politik gegenüber den Arabern fortgesetzt", sagt Professor Smooha.

Autorin: Viktoria Kleber
Redaktion: Stephanie Gebert

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