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Nahost

Israel will Luftangriffe für 48 Stunden aussetzen

Israel hat am Montagmorgen (31.7.2006) seine Luftangriffe auf Südlibanon für 48 Stunden eingestellt. Damit soll der Bevölkerung ermöglicht werden, sich in Sicherheit zu bringen.

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Der israelische Angriff auf Zivilisten in Kana soll überprüft werden

Die israelische Luftwaffe behält sich nach eigenen Angaben in dieser Zeit jedoch Einsätze gegen Kämpfer der radikalislamischen Hisbollah vor, falls diese gerade Raketenangriffe auf Nordisrael vorbereiteten. Noch eine halbe Stunde vor der Waffenpause bombardierten israelische Kampfjets mutmaßliche Guerilla-Stellungen im östlichen Libanon nahe der syrischen Grenze. Das verlautete aus libanesischen Sicherheitskreisen.

Prüfung der Angriffe

Israel will nach Angaben eines US-Außenamtssprechers während der Feuerpause den Hergang des Bombardements im südlibanesischen Kana untersuchen. Bei dem Angriff in der Nacht zum Sonntag (30.7.2006) waren 56 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, getötet worden. Dies löste weltweit Empörung aus. Der UN-Sicherheitsrat zeigte sich schockiert über den Tod der Zivilisten.

Condoleezza Rice in Israel

Rice im Gespräch mit Peretz

Israel hatte der Feuerpause nach Gesprächen mit US-Außenministerin Condoleezza Rice in Jerusalem zugestimmt. Die US-Chefdiplomatin traf bei ihrer zweiten Nahost-Mission binnen einer Woche am Sonntag Israels Regierungschef Ehud Olmert, ihre israelische Kollegin Zippi Livni und Verteidigungsminister Amir Perez.

Widersprüchliche Darstellungen

Die israelische Armee kündigte zudem die Einrichtung einer Sicherheitszone im Südlibanon an. Die Zone solle zwei Kilometer in libanesisches Gebiet hineinreichen, um die radikalislamische Schiitenmiliz Hisbollah von israelischem Gebiet fernzuhalten, berichtete die Agentur AFP unter Berufung auf General Gadi Eisenkaut.

Israelische Militärs äußerten Zweifel an der Ursache der tödlichen Explosion in Kana. Zwischen den israelischen Angriffen auf das Haus und der Explosion hätten sieben Stunden gelegen, sagte Luftwaffengeneral Amir Eschel. Möglicherweise habe die Hisbollah in dem Haus Waffen versteckt gehabt, fügte er hinzu. Augenzeugen berichteten, das Gebäude sei gegen Mitternacht erstmals angegriffen worden. Zehn Minuten später sei das Haus durch einen zweiten Angriff komplett zerstört worden.

UN-Sicherheitsrat: keine klare Verurteilung Israels

In Reaktion auf den Angriff in Kana rief der UN-Sicherheitsrat zu einem Ende der Gewalt im Nahen Osten auf. Das Gremium zeigte sich in der am Sonntagabend vom französischen UN-Botschafter Jean-Marc de la Sablière verlesenen Erklärung besorgt über die drohende Eskalation der Gewalt mit weiteren schwerwiegenden Konsequenzen für die humanitäre Lage. Der tödliche Angriff von Kana zeige, wie wichtig eine dauerhafte, ständige und tragfähige Waffenruhe sei. Auf eine klare Verurteilung des israelischen Bombardements sei auf Druck der USA hin verzichtet worden, sagten Diplomaten. Vertreter Russlands und Frankreichs erklärten nach der Sitzung vor Journalisten, dass sie eine klare Verurteilung des Angriffs und die

Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe vorgezogen hätten.

Reaktionen aus Washington und Teheran

US-Präsident George W. Bush sprach sich für einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten aus. "Amerika trauert um den Verlust unschuldigen Lebens", sagte er mit Blick auf die Toten von Kana. Anders als Russland und Frankreich forderte der US-Präsident keine unverzügliche Waffenruhe.

Bushs engster Verbündeter, der britische Premierminister Tony Blair, und Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärten nach einem Telefonat, die tragischen Ereignisse von Kana zeigten, dass eine Waffenruhe so schnell wie möglich erreicht werden müsse.

Die israelischen Offensiven im Gazastreifen und im Libanon werden nach den Worten des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad auch die Antwort seines Landes im Atomstreit mit dem Westen beeinflussen. Das Angebotspaket der fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat und Deutschlands werde unter Berücksichtung "unserer Interessen und legitimen Rechte" geprüft, sagte Ahmadinedschad in Teheran. Die Ereignisse im Libanon und den Palästinensergebieten würden Auswirkungen auf die Antwort haben. (mas)

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