1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

Israel weitet Offensive im Gazastreifen aus

Nach Angriffen der Luftwaffe und der Marine hat Israel nun auch die lang erwartete Bodenoffensive gestartet. Panzer und Bodentruppen drangen in den Gazastreifen vor. Mindestens 24 Palästinenser wurden bisher getötet.

Ein israelischer Panzer rollt über die Grenze zwischen Israel und Gaza (Quelle: AP)

Ein israelischer Panzer rollt über die Grenze zwischen Israel und Gaza

Nach einwöchigen Luftangriffen ist Israel mit Panzern und mehreren tausend Soldaten am Samstag (03.01.2009) in den Gazastreifen einmarschiert. Am Sonntag gelang es den Soldaten nach israelischen Medienberichten, den Gazastreifen in drei Teile zu spalten und die Stadt Gaza einzukreisen. Nach palästinensischen Angaben wurden seit Beginn der Bodenoffensive am Samstag abend mindestens 17 Palästinenser getötet und 130 verletzt. Bei neuen Luftangriffen im südlichen Gazastreifen starben am Sonntag sieben weitere Palästinenser.

Israelische Soldaten überschreiten die Grenze zum Gazastreifen (Quelle: AP)

Israelische Soldaten überschreiten die Grenze zum Gazastreifen

Die Offensive im Gazastreifen hat inzwischen auch einen israelischen Soldaten das Leben gekostet. Die israelischen Streitkräfte erklärten am Sonntag, der Soldat sei am Morgen im Nordes des Autonomiegebiets getötet worden. Es ist der erste Todesfall in den Reihen der israelischen Streitkräfte seit Beginn der Bodenoffensive am Samstagabend.

Außerdem sagte ein israelischer Armeesprecher, bei Gefechten mit radikalislamischen Hamas-Kämpfern seien mindestens 30 Soldaten verletzt worden. Der Rundfunk meldete, es sei eine Seeblockade gegen das Palästinensergebiet verhängt worden. Die israelischen Truppen beschränkten ihre Vorstöße zunächst auf ländliche Gebiete. Aber auch dort kam es zu heftigen Gefechten mit Hamas-Kämpfern. Es wird geschätzt, dass die Organisation etwa 20.000 Mann unter Waffen hat.

Katastrophale Lage in Krankenhäusern

Eine Helferin beschrieb die Lage in den Krankenhäusern im Gazastreifen als dramatisch. Sie habe so etwas noch nie erlebt, sagte die Gaza-Koordinatorin der Hilfsorganisation Medical Aid for Palestinians (MAP), Fikr Shalltoot, dem US-Fernsehsender CNN. In ganz Gaza gebe es in den Krankenhäusern nur 2500 Betten. Sie warf Israel vor, keine Unterschiede zwischen Zivilisten und Hamas zu machen.

Nach einem Luftangriff auf Gaza-Stadt ist ein Feuer ausgebrochen (Quelle: AP)

Nach einem Luftangriff auf Gaza-Stadt ist ein Feuer ausgebrochen

In Gaza-Stadt stand in der Nacht zum Sonntag der von der Hamas betriebene Rundfunksender Al Aksa nach einem Raketentreffer in Flammen. Das Gebäude war bereits zu Beginn der Luftangriffe evakuiert worden. Die Hamas kündigte entschiedenen Widerstand gegen den Vorstoß der Israelis an. "Gaza wird zum Friedhof für euch werden", sagte Hamas-Sprecher Ismail Radwan im Al-Aksa-Fernsehen.

Ziel: Raketenbeschuss unterbinden

Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert nannte die Bodenoffensive am Sonntag unvermeidbar. Ziel der Armee sei es, jene Gebiete zu kontrollieren, aus denen die meisten Raketen abgefeuert worden seien. Der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen dauerte trotz der Bodenoffensive auch am Sonntag an.

Ein ranghoher israelischer Militärvertreter betonte, die Bodenoffensive werde nicht in Stunden oder Tagen enden. Eine Wiedereroberung des Gazastreifens sei aber nicht geplant. Ausdrücklich wies er erste Berichte über angeblich entführte israelische Soldaten als unwahr zurück.

Das israelische Militär hat trotz eines Urteils des Obersten Gerichtshofes seit Beginn der Offensive vor acht Tagen keine Auslandskorrespondenten in den Gazastreifen einreisen lassen. Eine unabhängige Berichterstattung ist damit derzeit kaum möglich, weil die Angaben der Konfliktparteien nicht überprüft werden können.

Zum ersten Mal seit Beginn der israelischen Militäroperation am Samstag vor einer Woche hatte die israelische Armee wenige Stunden vor dem Einmarsch auch Artillerie gegen Ziele der Hamas im Gazastreifen eingesetzt. Außerdem wurden die Luftangriffe in Vorbereitung des Bodeneinsatzes verstärkt.

Reservisten mobilisiert

Ein israelisches Geschoss trifft ein Ziel im Gazastreifen (Quelle: AP)

Ein israelisches Geschoss trifft ein Ziel im Gazastreifen

Unmittelbar nach Beginn der Bodenoffensive leitete die israelische Armee die Mobilisierung von Tausenden von Reservisten ein. Die Regierung des amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert habe die Genehmigung dazu am Samstagabend erteilt, berichtete das israelische Radio.

Verteidigungsminister Ehud Barak versicherte, Israel sei auch auf eine möglichen Gewalteskalation an der Grenze zum Libanon vorbereitet. Beim Libanonkrieg 2006 hatte die mit der Hamas sympathisierende Hisbollah-Miliz vom südlichen Libanon aus zahlreiche Katjuscha-Raketen auf israelischen Boden abgefeuert. "Wir hoffen, dass die Nordfront ruhig bleibt. Wir sind allerdings auf alle mögliche Szenarien vorbereitet", sagte Barak.

Israel hatte am 27. Dezember mit seiner Militäroffensive "Gegossenes Blei" begonnen. Nach jüngsten Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde stieg die Zahl der getöteten Palästinenser auf 487. Mehr als 2400 Menschen wurden verletzt. Im gleichen Zeitraum wurden aus dem Gazastreifen mehr als 500 Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Dabei kamen vier Menschen zu Tode. (sam/mas/kle)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema