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Politik

Israel weitet Luftoffensive im Gazastreifen aus

Israel hat seine bislang größte Luftoffensive gegen die Hamas im Gazastreifen fortgesetzt. Bombardiert wurden auch die Universität und Regierungsgebäude. Die Vorbereitungen für eine mögliche Bodenoffensive dauern an.

Zwei Palästinenser stützen einen Verletzten in den Trümmern bei Rafah, dahinter Rauchwolken (ap)

Szenen von Chaos und Zerstörung nach dem israelischen Bombenhagel

Die Zahl der Toten durch die israelischen Luftangriffe stieg nach palästinensischen Angaben auf mehr als 310. Verletzt wurden demnach mindestens 800 Menschen. Am Montag (29.12.2008) waren im Morgengrauen große schwarze Rauchwolken über Gaza zu sehen, überall war das Dröhnen der Triebwerke pilotloser israelischer Drohnen zu hören. Dabei gab es ständig Explosionen neuer Einschläge von Bomben und Raketen.

Kampfflugzeuge beschossen kurz nach Mitternacht die Islamische Universität in Gaza. In dem Gebäude brach nach Augenzeugenberichten ein Feuer aus. Bombardiert wurden auch ein Gelände der Hamas-Regierung und ein von ihr genutztes Gästehaus sowie das Gebäude neben dem Haus von Hamas-Führer Ismail Hanija.

Am Sonntag war das Hauptziel der Angriffe mit Kampfjets die Zentrale der Sicherheitskräfte der radikal-islamischen Hamas in Gaza-Stadt gewesen, außerdem Regierungsgebäude und ein TV-Sender.

Ban schaltet Nahost-Quartett ein

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat wegen der Eskalation der Gewalt im Gazastreifen das Nahost-Quartett eingeschaltet. Ban habe mit den übrigen Partnern der Vermittlungsgruppe telefoniert, teilten die Vereinten Nationen am Sonntag in New York mit. Neben den UN gehören dem Quartett die Europäische Union, die USA und Russland an.

Ban rief zudem die Regierung in Jerusalem auf, die Grenzen zum Gazastreifen für die Lieferung dringend benötigter Hilfsgüter zu öffnen.

Einmarsch von Bodentruppen möglich

Israelischer Soldat vor Panzer (ap)

Israelische Panzer in Warteposition an der Grenze zum Gazastreifen

Das israelische Kabinett beschloss, 6500 weitere Reservisten zu mobilisieren. Laut örtlichen Medien wird nach den Angriffswellen vom Vortag auch ein Einmarsch von Bodentruppen und Panzern in den Gazastreifen vorbereitet. Bei den bisherigen Lufteinsätzen seien etwa 230 Ziele bombardiert worden, teilte ein Militärsprecher mit. Es handele sich vor allem um die "terroristische Infrastruktur der Hamas".

Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte nach einer Krisensitzung, Israel stelle sich auf einen Krieg ein. Dieser werde "lang, schmerzhaft und schwierig" sein.

Das erklärte kurzfristige Ziel der Offensive, den Raketenbeschuss Südisraels zu stoppen, wurde am Sonntag nicht erreicht. Militante Palästinenser feuerten Dutzende weitere Raketen und Mörsergranaten ab. Eine mit hoher Reichweite schlug knapp 40 Kilometer entfernt nahe der Stadt Aschdod ein.

Hamas schwächen oder ganz entmachten?

Helfer versuchen einen Verschütteten aus einem zerstörten Gefängnis zu bergen (ap)

Helfer bergen einen Verschütteten aus einem zerstörten Gefängnis in Gaza

Die Angriffe auf die Palästinenser sind die blutigsten seit dem Sechstagekrieg 1967. Der Beginn einer Großoffensive ausgerechnet am jüdischen Ruhetag Sabbath hatte die Hamas völlig überrascht.

Ein kommandierender General an der Südgrenze Israels erklärte, die Militäroperation werde den Gazastreifen um "Jahrzehnte zurückwerfen". Ron Ben-Jischai, ein israelischer Militärexperte, bezeichnete die Offensive als "Schockbehandlung" mit dem Ziel, einen langfristigen Waffenstillstand mit günstigeren Bedingungen für Israel zu erreichen. Die Botschaft an die Hamas sei, dass Israel "jedes Mal unverhältnismäßig zurückschlagen" werde, wenn Bürger durch Raketen bedroht würden.

Palästinenser mit großer Plastiktüte in zertrümmertem Straßenzug (ap)

Mit den letzten Habseligkeiten auf der Suche nach einer sicheren Unterkunft

Israels Außenministerin Zipi Livni geht noch einen Schritt weiter. Sie erklärte, ihr Ziel sei der endgültige Sturz der islamistischen Hamas, da diese niemals zu einem Frieden mit dem israelischen Staat bereit sein werde.

EU erschüttert über Blutbad im Gazastreifen

EU-Chefdiplomat Javier Solana ließ in Brüssel keinen Zweifel an der Kritik der Europäer aufkommen und erklärte unmissverständlich: "Die derzeitigen israelischen Luftangriffe führen zu einem nicht hinnehmbaren Leid für palästinensische Zivilisten. Sie werden die humanitäre Lage nur verschlechtern und die Suche nach einer friedlichen Lösung des Problems nur erschweren." Er unterstrich die generelle Einschätzung: "Es gibt im Gazastreifen keine militärische Lösung". Die Zugänge zum Gazastreifen sollten für humanitäre und wirtschaftliche Zwecke wieder geöffnet werden.

EU-Chefdiplomat Solana vor Mikrofon (ap)l

EU-Chefdiplomat Solana: Krieg bringt keine Lösung

Der EU-Außenbeauftragte verurteilte gleichzeitig auch den Raketenbeschuss radikaler Palästinenser gegen Israel.

Die EU sieht Israel zum einen als einen ihrer wichtigsten internationalen Partner, ist andererseits der größte Förderer und Investor in den palästinensischen Gebieten.

Im Gazastreifen wohnen schätzungsweise 1,5 Millionen Palästinenser, mehr als die Hälfte davon Flüchtlinge. In der dicht besiedelten Küstenzone am Mittelmeer leben nach Angaben von Hilfsorganisationen die meisten Menschen von weniger als zwei Dollar am Tag. Bis zu 80 Prozent sind von Lebensmittellieferungen abhängig. (gri)

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