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Politik

Israel wartet auf die Rache

Nach der Tötung von Scheich Ahmed Jassin befindet sich Israel in höchster Alarmbereitschaft. Man erwartet eine Welle schwerer Anschläge. Die israelische Bevölkerung steht anscheinend hinter der Tötung Jassins.

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Israelische Polizei in erhöhter Alarmbereitschaft

Israelische Sicherheitskreise erwarten nach der gezielten Tötung des Hamas-Gründers Scheich Ahmed Jassin eine Welle schwerer Racheanschläge. Der israelische Armeesender meldete, man fürchte auch Angriffe des internationalen Terrornetzwerks El Kaida und der südlibanesischen Hisbollah-Miliz. Nur wenige Stunden
nach dem Tode des gelähmten Scheichs in Gaza am Montag (22.3.2004) tauchte auf einer Islamisten-Seite im Internet eine Erklärung auf, die angeblich von einer mit El Kaida verbundenen Gruppe stammen soll und die Racheakte gegen die USA und ihre Verbündeten ankündigt.

"Rasch reagieren"

Die israelischen Sicherheitskräfte haben unterdessen Maßnahmen ergriffen, um die erwartetenen Anschläge zu verhindern: Die palästinensischen Autonomiegebiete wurden abgeriegelt, gepanzerte Fahrzeuge rückten in den Gaza-Streifen vor. Die Polizeikräfte wurden landesweit weiter verstärkt, auch in israelischen Vertretungen in aller Welt sind außergewöhnliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.

Israelischer Soldat durchsucht Palästinenser

Israelischer Soldat durchsucht Palästinenser

Zusätzlich wurden die Truppen an der Grenze zum Libanon verstärkt. Der israelische Armeesender meldete, die Soldaten sollten "rasch reagieren", falls es zu weiteren Angriffen kommen sollte. Hisbollah-Kämpfer hatten am Montag nach der Liquidierung des Hamas-Gründers Jassin mehrere Kleinraketen auf israelische Militärposten abgefeuert. Israelische Kampfflugzeuge beschossen daraufhin einige Hisbollah-Stützpunkte in Grenznähe.

Brandanschlag in Südfrankreich

In der Nacht zum Dienstag (23.3.2004) haben Unbekannte das jüdische Gemeindezentrum im südfranzösischen Toulon in Brand zu setzen versucht. Die Täter warfen einen Molotowcocktail in die Eingangshalle des Zentrums, zu dem eine Synagoge gehört, teilte die Polizei mit. Es sei jedoch nur geringer Sachschaden an den Wänden entstanden. Ob die Tat im Zusammenhang mit der gezielten Tötung des Hamas-Gründers durch Israel am Vortag steht, war unklar.

"Tödlicher Schlag"

Ungeachtet der Kritik an dem Angriff auf Jassin will Israel an seiner Politik der gezielten Tötungen festhalten. Generalstabschef Mosche Jaalon deutete an, auch der palästinensische Präsident Jassir Arafat und der Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah könnten Ziele israelischer Angriffe werden.

Jaalon bezeichnete die Liquidierung des Hamas-Gründers Jassin als "tödlichen Schlag" für die radikal-islamische Bewegung. Die Aktion werde zwar kurzfristig zu einem Anstieg der Anschläge in Israel führen. Längerfristig erwarte Jaloon jedoch eine Stärkung der moderaten Kräfte bei den Palästinensern und insbesondere im von Hamas dominierten Gaza-Streifen.

Meinungsumfragen zufolge steht die Mehrheit der Israelis hinter der Liquidierung von Jassin. Nach einer Umfrage von "Yediot Aharonot", der meistgelesen Zeitung Israels, unterstützen 60 Prozent der Israelis die Tötung des Hamas-Führers, nach einer Umfrage der Zeitung "Maariv Daily" sind es 61 Prozent.

Doch Kritik der USA

Nach anfänglichem Zögern kritisierten auch die USA den Angriff vom Montag. "Wir sind sehr besorgt angesichts des Vorfalls in Gaza", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan der Nachrichtenagentur AP. Während einer regulären Pressekonferenz hatte er zuvor die israelische Regierung nicht kritisiert. Das Weißen Haus hatte am Montag mitgeteilt, Israel habe das Recht auf Selbstverteidigung, müsse aber "die Konsequenzen seines Handelns mitberücksichtigen".

Nach Angaben der US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hatte Israel die USA nicht im Voraus über die Militäraktion informiert. Die radikale Splittergruppe Al-Aksa-Brigaden machte die USA am Montag mitverantwortlich für den Tod Jassins.

Kritik und Rechtferigung

Der israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, hat die Kritik der EU an der Tötung von Jassin zurückgewiesen. Er wundere sich über die Europäische Union (EU), die die Hamas-Organisation doch selbst vor einiger Zeit auf die Terrorliste gesetzt habe, sagte Stein. "Wie haben sie sich eigentlich vorgestellt, dass man diese Terrororganisation auch bekämpfen soll?"

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, hält die gezielte Tötung von Jassin für einen Fehler. Er glaube nicht, dass die Tat für Israel gut sei, "weil anhand von solchen Angriffen wir eigentlich den Extremismus im palästinensischen Lager verstärken", sagte Primor. (sams)

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