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Nahost

Israel verstärkt Bodenoffensive im Südlibanon

Mit der Ausweitung seiner Bodenoffensive will Israel Fakten schaffen, bevor es zur Einsetzung einer internationalen Friedenstruppe im Libanon kommt. Kritik kommt nicht nur aus Syrien und Iran, sondern auch von der EU.

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Trotz wachsender internationaler Kritik hat das israelische Sicherheitskabinett am Dienstag (1.8.2006) eine Ausweitung seiner Bodenoffensive im Südlibanon beschlossen. Die israelische Artillerie rückte auf mehrere Dörfer im südlibanesischen Grenzgebiet vor und nahm sie unter heftigen Beschuss. Kampfflugzeuge boten Unterstützung aus der Luft und flogen auch Einsätze im Landesinneren - trotz erklärter Feuerpause.

Libanon Fluß Litani

Israel will die Hisbollah hinter den Fluss Litani zurückdrängen

Die Hisbollah erklärte, sie habe den israelischen Streitkräften beim Kampf um die Grenzstadt Ainta al Schaab schwere Verluste zugefügt. 35 Soldaten seien getötet oder verwundet worden, meldete Al Manar, der Fernsehsender der schiitischen Miliz. Andere arabische Satellitensender zeigten Live-Bilder, wie die Stadt von der israelischen Artillerie unaufhörlich unter Feuer genommen wurde.

Die israelischen Streitkräfte erklärten am Dienstagmorgen, in den vergangenen 48 Stunden seien mindestens 20 Hisbollah-Kämpfer getötet oder verwundet worden.

Ziel der israelischen Bodenoffensive sei es, die Hisbollah hinter den Fluss Litani zurückzudrängen und deren Stellungen an und in der Nähe der israelischen Grenze zu zerstören. Israel wolle vor Aufstellung einer internationalen Friedenstruppe die Realität im Südlibanon verändern, betonte der israelische Verteidigungsminister Amir Perez. Infrastrukturminister Binjamin Ben-Elieser deutete an, dass die Offensive gegen die radikal-islamische Hisbollah noch bis zu zwei Wochen dauern könnte.

EU kritisiert israelisches Vorgehen

Libanon - Israelische Artillerie

Israel will die Zahl seiner Soldaten verdoppeln

An dem Einsatz waren israelischen Medienberichten zufolge bis zu 20.000 israelische Soldaten beteiligt. Und die Zahl der im Libanon eingesetzten israelischen Soldaten soll in den nächsten Tagen noch verdoppelt werden, heißt es aus Militärkreisen. Dazu würden weitere Reservisten in den Libanon verlegt. Man werde alles tun, damit die internationale Gemeinschaft "das Recht des Staates Israel auf Selbstverteidigung" anerkenne, sagte Perez.

Doch die internationale Gemeinschaft steht der Ausweitung der israelischen Bodenoffensive und der Fortführung der Luftangriffe - trotz erklärter Feuerpause - nicht uneingeschränkt wohl gesonnen gegenüber. Unmittelbar vor einer Krisensitzung der 25 EU-Außenminister am Dienstag in Brüssel erntete Israels Vorgehen Kritik von der finnischen Ratspräsidentschaft: Auf diese Weise werde der Extremismus im Nahen Osten nur verstärkt, sagte Außenminister Erkki Toumioja.

Iran geißelt UN-Sicherheitsrat

Syrien kündigte an, seine Unterstützung des anti-israelischen Widerstands fortzuführen. Im Iran rief ein ranghoher iranischer Geistlicher die islamischen Staaten zur Lieferung von Waffen an die Hisbollah auf. Der Iran gilt neben Syrien als Hauptförderer der schiitischen Hisbollah-Miliz. Unterdessen warf der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki dem Weltsicherheitsrat Versagen vor. Das UN-Gremium habe sich angesichts der "israelischen Aggression" als "nutzlos" und "ineffektiv" erwiesen, sagte Mottaki.

Schwere Folgen für Umwelt und Wirtschaft

Libanon - Verseuchter Strand in Beirut

Ölverseuchter Strand in Beirut

Der riesige Ölteppich, der nach israelischen Luftangriffen vor dem Libanon treibt, könne Schäden und Folgekosten in Höhe von 250 Millionen Dollar verursachen, erklärte der libanesische Umweltexperte Wael Hmaidan. Der inzwischen über 100 Kilometer lange Ölteppich hatte sich nach israelischen Luftangriffen auf die Öltanks eines küstennahen libanesischen Kraftwerks vor zwei Wochen gebildet.

Und auch Händler und Analysten erleben mit den Spekulationen um den Fortgang des Libanon-Konflikts ihren ganz persönlichen Alptraum. Erst im Juli hatte die Libanon-Krise den Ölpreis auf ein Rekordhoch von 78,40 Dollar getrieben. Eskaliert die Gewalt weiter, könnte dies erneut die Preise in die Höhe treiben. Würde zudem der Iran in den Konflikt verwickelt, so käme dies einem Flächebrand in der ölreichen Region gleich, betonten Analysten. Ein Drittel der weltweiten Ölförderung kommt aus dem Nahen Osten. (ana)

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