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Aktuell Welt

Israel verlängert Gaza-Feuerpause einseitig

Israel hat die Feuerpause im Gazastreifen einseitig um 24 Stunden verlängert. Die Hamas feuert wieder Raketen ab.

Ein israelischer Regierungsvertreter teilte in Jerusalem mit, das Sicherheitskabinett habe auf eine Bitte der Vereinten Nationen hin beschlossen, die Waffen bis zu diesem Sonntag um Mitternacht Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) weiterhin ruhen zu lassen. Er warnte zugleich, dass die Armee auf eine Verletzung der Feuerpause durch die im Gazastreifen herrschende Hamas reagieren werde. Zudem würden die israelischen Streitkräfte mit der Zerstörung des Tunnelsystems in dem Palästinensergebiet fortfahren.

Die radikal-islamische Hamas lehnte eine Verlängerung der Feuerpause ab und beschoss Israel wieder mit Raketen und Granaten. In mehreren Regionen im Süden Israels heulten die Sirenen. Über der Stadt Aschkelon fing die Raketenabwehr nach Armeeangaben zwei Geschosse ab.

Hamas stellt Bedingungen

Bis zum Sonntagmorgen feuerten militante Palästinenser rund 20 Raketen ab. Ein Hamas-Sprecher erklärte, es könne keine Waffenruhe geben, solange israelische Panzer im Gazastreifen stünden und ohne dass die Menschen in ihre Häuser zurückkehren könnten. Auch müssten Rettungswagen ungehindert durch die zerstörten Straßenzüge des dicht besiedelten Landstrichs am Mittelmeer fahren können, um Leichen abzutransportieren.

Am Samstag hatten Israel und die militanten Palästinenser eine zwölfstündige Feuerpause eingehalten, die am Abend zu Ende ging. Einer dann von Israel auf zunächst vier Stunden begrenzten Verlängerung hatten sich die Hamas und andere bewaffnete Gruppen nicht mehr angeschlossen. Dennoch verkündete Israel in der Nacht zum Sonntag die einseitige Verlängerung der Waffenruhe.

Außenministertreffen in Paris

Die Regierung in Jerusalem kam damit der internationalen Staatengemeinschaft entgegen. Bei einem Treffen in Paris hatten die Außenminister Frankreichs, der USA, Großbritanniens, Deutschlands, Italiens, der Türkei und Katars gefordert, die Feuerpause aus humanitären Gründen zu verlängern. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte in der französischen Hauptstadt, die Zeit müsse genutzt werden, um Verhandlungen für einen dauerhaften Waffenstillstand vorzubereiten. Gaza dürfe nicht länger "ein Waffenlager für die Hamas" bleiben. Zudem müssten die Lebensbedingungen der Menschen im Gazastreifen nachhaltig verbessert werden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Konfliktparteien nochmals eindringlich auf, eine siebentägige Waffenruhe auszurufen.

Viele Tote geborgen

Die Waffenruhe am Samstag hatten die Menschen im Gazastreifen dazu benutzt, ihre Vorräte an Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten aufzustocken. Die Straßen waren voller Menschen, in den Geschäften herrschte Andrang. Zugleich wurde das ganze Ausmaß der Zerstörungen durch die israelischen Luftangriffe deutlich. Ganze Häuserreihen wurden durch Bombardements dem Erdboden gleichgemacht. Rettungskräfte konnten erstmals in Gebiete vordringen, die zuvor wegen des heftigen Beschusses durch die israelische Armee tagelang unzugänglich gewesen waren. Fast 150 Tote wurden nach Angaben der palästinensischen Rettungsdienste bis Samstagabend aus den Trümmern geborgen.

Die Zahl der getöteten Palästinenser stieg damit nach Angaben aus dem Gazastreifen auf mehr als 1000. Die meisten der Opfer seien Zivilisten, unter ihnen viele Kinder. Auf israelischer Seite wurden 42 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Nach andauernden Raketenangriffen militanter Palästinenser hatte Israel am 8. Juli mit Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen begonnen, ehe am 17. Juli Bodentruppen und Panzer in das Gebiet eindrangen.

wl/pg (dpa, afp, rtr)