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Aktuell Nahost

Israel verkündet mehrstündige humanitäre Waffenruhe im Palästinensergebiet

An diesem Montag will die israelische Armee für sieben Stunden wieder die Waffen schweigen lassen. Die Feuerpause soll fast im gesamten Gazastreifen gelten. Das Militär äußerte sich auch zum Beschuss einer UN-Schule.

Ein Sprecher des israelischen Verteidigungsministeriums kündigte die Waffenruhe an, die zwischen 7.00 und 14.00 Uhr GMT (9.00 - 16.00 Uhr MESZ) gelten soll. Die Menschen im Gazastreifen sollen so Gelegenheit erhalten, sich mit dem Nötigsten zu versorgen und in ihre Häuser zurückzukehren. Die Feuerpause gilt für den gesamten palästinensischen Küstenstreifen mit Ausnahme des Gebiets östlich von Rafah, wo die israelischen Streitkräfte weiter operierten. Der Sprecher machte zugleich deutlich, falls israelische Soldaten in dieser Zeit im übrigen Gazastreifen angegriffen würden, werde das Feuer erwidert.

Am Sonntag hatte die Armee eines ihrer Ziele, die sie sich seit Beginn des Kriegs im Gazastreifen vor vier Wochen gesetzt hatte, nahezu erreicht: die Zerstörung der von der radikalislamischen Hamas errichteten Tunnel. Militante Palästinenser nutzten diese unterirdischen Wege nach Israel für Anschläge und Entführungen. Nach den Worten von Armeesprecher Peter Lerner wurden mehr als 30 dieser Tunnel vernichtet. "Wir hoffen, dass diese Angelegenheit in Stunden und nicht in Tagen abgeschlossen ist", erklärte der israelische Botschafter in den USA, Ron Dermer.

Ein palästinensischer Junge vor einem Tunneleingang im Gazastreifen (Foto: dpa)

Ein palästinensischer Junge vor einem Tunneleingang im Gazastreifen

Abzug oder Umgruppierung?

Kolonnen von Fahrzeugen und Soldaten verließen am Sonntag den Küstenstreifen und bezogen auf israelischem Gebiet Stellung, wie Augenzeugen berichteten. Der Umfang des Truppenrückzugs aus dem Gazastreifen blieb dennoch unklar. Israelische Medien berichteten, der größte Teil der Soldaten habe die Region am 27. Tag der Kämpfe wieder verlassen.

Die Armee sprach dagegen von einer Umgruppierung und betonte, die Streitkräfte setzten ihre Einsätze fort. "Wir entlassen Truppen von der Front, die Mission geht aber weiter: Die Bodentruppen operieren, die Luftwaffe operiert", betonte Militärsprecher Lerner. Man werde solange weitermachen, bis keine Raketen mehr auf Israel abgefeuert würden und keine Selbstmordattentäter in Israel einsickerten. Bei neuen israelischen Angriffen auf Ziele im Gazastreifen wurden in der Nacht zum Montag zehn Menschen getötet, wie palästinensische Rettungskräfte angaben.

"Angriff galt Militanten"

Gleichzeitig räumte das israelische Militär ein, ein Ziel nahe einer von den Vereinten Nationen betriebenen Schule in Rafah im Süden des Gazastreifens beschossen zu haben. Gegolten habe der Angriff drei Militanten auf einem Motorrad, teilten die Streitkräfte mit. Die "Konsequenzen" des Angriffs würden geprüft. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei mindestens zehn Menschen getötet und 30 verletzt. Laut Augenzeugen saß eine Gruppe von Kindern und einige Erwachsene vor dem Haupttor der Schule im Schatten, als es zu einer Explosion kam.

Erst am Mittwoch waren 15 Palästinenser, die sich im Flüchtlingslager Dschabalja in einer UN-Schule in Sicherheit bringen wollten, nach UN-Angaben beim Einschlag eines israelischen Geschosses getötet worden.

Ungewöhnlich scharfe Kritik von UN und USA

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach mit Blick auf den Angriff vom Sonntag von einer "Gräueltat und einem Verbrechen". Diejenigen, die für die Menschenrechtsverletzungen verantwortlich seien, müssten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Ban in New York.

Die USA kritisierten ebenfalls in ungewöhnlich deutlichen Worten das Vorgehen Israels. Das Außenministerium in Washington zeigte sich "entsetzt" über den "schändlichen" Angriff und forderte Israel dazu auf, mehr zur Vermeidung ziviler Opfer zu tun.

Das Gelände der unter Beschuss geratenen UN-Schule im Gazastreifen (Foto: dpa)

Das Gelände der unter Beschuss geratenen UN-Schule im Gazastreifen

Weitere Warnung Israels

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu warnte die Hamas nochmals vor weiteren Angriffen. "Wir akzeptieren keine Fortsetzung des Beschusses (mit Raketen). Die Hamas muss das verstehen. Egal wie lange es dauert. Sie wird einen aus ihrer Sicht unerträglich hohen Preis zahlen", machte Netanjahu deutlich.

Die israelische Regierung lehnt seit dem Vorfall vom Freitag weitere Verhandlungen mit der Hamas über eine neue Waffenruhe ab und schickte auch keine Delegation zu den Vermittlungsgesprächen in Ägyptens Hauptstadt Kairo. Bei einem Angriff aus einem Tunnel waren am Freitag zwei israelische Soldaten getötet worden. Der zunächst als verschleppt gemeldete dritte Soldat Hadar Goldin war dabei ebenfalls getötet worden.

Forderungskatalog der Palästinenser

Die palästinensische Delegation, die sich für mögliche Verhandlungen über eine dauerhafte Feuerpause im Gazastreifen in Kairo aufhält, präsentierte inzwischen den ägyptischen Vermittlern ihre Bedingungen. Der Gruppe gehören sowohl Mitglieder der Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als auch der islamistischen Hamas an.

Zu dem Forderungskatalog gehörten neben einer Waffenruhe der Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, das Ende der Besatzung des Gebiets, die Freilassung palästinensischer Gefangener sowie die Öffnung der Grenzübergänge, erläuterte Maher al-Taher von der "Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas".

se/kle (ape, afp, rtr, dpa)