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Nahost

Israel und die Hisbollah dringen tiefer in Feindesland vor

Israel und die Hisbollah haben ihre Kämpfe ausgeweitet. Israel drang bis nach Baalbek im Norden des Libanon vor. Die Hisbollah feuerte eine Rakete auf Beit Schean, ihr bisher südlichstes Ziel.

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Israelisches Dorf nach einem Raketenangriff durch die Hisbollah

Bei der israelischen Aktion in Baalbek nahm die israelische Armee fünf mutmaßliche Milizionäre fest. Die festgenommenen "Terroristen" seien nach Israel gebracht worden, teilte eine Armeesprecherin am Mittwoch (2.8.06) mit. Zu dem Angriff wollte sie sich nicht äußern. Ein Hisbollah-Sprecher sagte, ein israelischer Militärhubschrauber sei nahe Baalbek gelandet. Die Insassen seien in ein Krankenhaus eingedrungen, das von der Hisbollah umstellt worden sei. Nach einigen Stunden hätten die Soldaten unter massivem Feuerschutz aus der Luft das Krankenhaus wieder verlassen.

Die Landung des israelischen Soldaten in Baalbek war der tiefste israelische Vorstoß in den Libanon seit zwölf Jahren. Die Stadt liegt hundert Kilometer nördlich des Flusses Litani, bis zu dem die israelischen Streitkräfte die Hisbollah aus dem Südlibanon zurückdrängen soll. Zuletzt drangen israelische Truppen 1994 so weit in libanesisches Gebiet vor. Sie brachten damals den Guerilla-Führer Mustafa Dirani in ihre Gewalt. Dirani wurde zehn Jahre später in einem Gefangenenaustausch freigelassen. Baalbek ist eine Provinzhauptstadt mit 80.000 Einwohnern.

Die Hisbollah wiederum drang mit ihren Raketenangriffen bis nach Beit Schean vor, rund 70 Kilometer von der israelisch-libanesischen Grenze entfernt. Unweit der Stadt wurden nach Augenzeugenberichten auch zum ersten Mal Dörfer im Westjordanland getroffen. Unter der dortigen palästinensischen Bevölkerung gab es keine Verletzten.

20.000 Soldaten

Am Mittwoch zerstörte die israelische Luftwaffe auch zwei Brücken im Norden des Libanon. Die Ziele befanden sich nach libanesischen Polizeiangaben fünf Kilometer von Syrien entfernt.

Festgefahren - Großbild

Israelische Panzer an der Grenze zum Libanon

An der Bodenoffensive im Südlibanon sind israelischen Medienberichten zufolge fast 20.000 israelische Soldaten beteiligt. Die israelischen Truppen hätten 70 bis 80 Prozent der weitreichenden Raketen der Hisbollah vernichtet und seien sehr nahe daran, der Miliz den entscheidenden Schlag zu versetzen, sagte Israels Vize-Ministerpräsident Schimon Peres nach einem Treffen mit dem Nationalen Sicherheitsberater der USA, Stephen Hadley, in Washington. "Es ist eine Frage von Wochen, vielleicht sogar weniger." Dem Fernsehsender PBS sagte Peres: "Ich kann Ihnen kein Datum nennen, aber ich hoffe, dass es eine Frage von Wochen sein wird, nicht Monaten."

US-Außenministerin Rice zeigte sich zuversichtlicher. Innerhalb einiger Tage, nicht Wochen, könne ein Waffenstillstand erreicht werden, sagte sie dem Sender. "Es ist an der Zeit, die Gewalt zu beenden." Wichtig sei aber zunächst sicherzustellen, dass die Hisbollah keine Bedrohung für Israel mehr sein werde. Daher müsse die libanesische Regierung die südlichen Landesteile kontrollieren.

Fast 700 Tote

Der Krieg in der Region geht inzwischen in die vierte Woche. Bislang sind im Libanon mindestens 631 und in Israel 54 Menschen getötet worden. Hunderttausende sind auf der Flucht.

Dem Angriff auf Baalbek und dem Raketenangriff auf Beit Schean fielen mindestens 15 libanesische Zivilpersonen und ein Israeli zum Opfer.

Frankreich sperrt sich

Die UN wollen vermutlich am Donnerstag über die Entsendung einer internationalen Schutztruppe in den Libanon beraten. Zu dem Gespräch werden Vertreter aus 40 Ländern erwartet. Frankreich wird sich daran nicht beteiligen. Das kündigte ein französischer Diplomat am Sitz der UN in New York an. Frankreich hatte sich im Gegensatz zu den USA für eine sofortige Waffenruhe ausgesprochen.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte, die israelische Offensive werde erst eingestellt, wenn eine funktionstüchtige internationale Streitmacht im südlichen Libanon stationiert sei. Ferner müssten die beiden am 12. Juli entführten israelischen Soldaten bedingungslos freigelassen werden. Er sei überzeugt, dass der Libanon-Konflikt seinen Plänen für einen Rückzug aus dem Westjordanland letztlich neuen Auftrieb geben werde. Eine neue Ordnung im Libanon werde der Region mehr Stabilität bringen. (chr)

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