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Politik

Israel tauscht Gefangene gegen Video

Israel hat im Austausch für ein Video mit Lebenszeichen eines vor drei Jahren entführten Soldaten 19 Palästinenserinnen freigelassen. Der Deal soll vor allem den Bemühungen eines deutschen Vermittlers zu verdanken sein.

Eine Palästinenserin wird bei ihrer Rückkehr von Angehörigen willkommen geheißen (Foto: dpa)

Bejubelte Heimkehr der freigelassenen Palästinenserinnen

Der entführte israelische Soldat Gilad Schalit ist offenbar in einem guten Gesunheitszustand. Der israelische Fernsehsender zitierte am Freitag (02.10.2009) einen Regierungsbeamten, wonach der 23 Jahre alte Schalit auf dem Video gesund und in gutem Zustand erscheine.

Gilad Schalit (Foto: AP)

Israel hofft auf seine Freilassung: Gilad Schalit, im Bild 19 Jahre alt

Der gefangene Soldat hielt demnach in seiner Hand eine Zeitung vom 14. September. Schalit sei auf dem Video rasiert und mit frisch geschnittenen Haaren zu sehen. Er trage Zivilkleidung und spreche entspannt und ohne Angst direkt in die Kamera. Der Fernsehsender berichtete weiter, Schalit wende sich mit seiner Botschaft direkt an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie an seine Eltern. Die Familie des Entführten wolle später in Abstimmung mit der Regierung entscheiden, ob das Video veröffentlicht wird. Bisher hatten die Angehörigen des Soldaten lediglich Tonaufnahmen und einige Briefe erhalten.

Palästinenserinnen jubelnd empfangen

Bus fährt durch Gefängnistor (Foto: AP)

Ein von Polizei eskortierter Bus bringt die Palästinenserinnen in die Freiheit

Israel hatte als Voraussetzung für Verhandlungen mit der radikal-islamischen Hamas ein aktuelles Lebenszeichen des Entführten verlangt. Nachdem das Video geprüft und für echt befunden worden war, gab Israel grünes Licht für die Freilassung von 19 palästinensischen Frauen.

Die Freigelassenen waren in Fahrzeugen des internationalen Roten Kreuzes zu Grenzübergängen zum Westjordanland und dem Gaza-Streifen gebracht worden. Dort wurden sie von ihren Familienmitgliedern jubelnd in Empfang genommen. Der hochrangige Hamas-Führer Ismail Hanijah bezeichnete die Freilassung der Frauen als "Sieg des Widerstandes".

Aus israelischen Regierungskreisen hieß es, alle Frauen hätten ohnehin innerhalb der kommenden beiden Jahre freigelassen werden sollen. Keine von ihnen sei für israelische Todesopfer verantwortlich. Nach palästinensischen Angaben gehören vier der Frauen der Hamas und fünf weitere der rivalisierenden Fatah-Organisation von Präsident Mahmud Abbas an. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sitzen in israelischen Gefängnissen noch weitere 47 Palästinenserinnen.

BND mit großer Erfahrung

BND-Logo vor der Zentrale in Pullach (Foto: AP)

Vermittelten den ersten Austausch: Beamte des Bundesnachrichtendienstes

Deutsche und ägyptische Vermittler hatten diesen ersten Schritt auf dem Weg zu einem umfassenden Gefangenenaustausch vorgeschlagen. Die Hamas fordert für einen Austausch des Soldaten die Freilassung von insgesamt eintausend Häftlingen. Eine Liste mit 450 Namen liegt bereits vor. Die Zeitung "Haaretz" schrieb, der deutsche Vermittler habe seine Arbeit in den letzten Monaten aufgenommen und unter großer Anstrengung den jüngsten Durchbruch erzielt. Israel sei überaus zufrieden mit seinen Bemühungen, weil er einen Verhandlungsmodus geschafft habe, der angemessen funktioniere und auch große Diskretion auf beiden Seiten gewährleiste.

Die Identität des Vermittlers darf in Israel nicht veröffentlicht werden. Die "Jerusalem Post" berichtete sogar von einem ganzen Vermittlungsteam unter Leitung des Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes Ernst Uhrlau. Die deutsche Botschaft in Tel Aviv verweigert jede Auskunft. Der BND verfügt inzwischen über große Erfahrung mit der Vermittlung zwischen Israel und militanten Gruppierungen. Im vergangenen Jahr war ein Gefangenentausch zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel ausgehandelt worden.

Hamas nicht in die Hände spielen

Ein Foto von Gilad Schalit wird in Händen gehalten (Foto: AP)

Gilad Schalit: Mehr als drei Jahre in der Gewalt der Entführer

Schalit, der auch die französische Staatsangehörigkeit besitzt, war am 25. Juni 2006 von einem palästinensischen Kommando unter Hamas-Führung in den Gazastreifen verschleppt worden. Seine Familie kämpft seitdem unermüdlich für eine Freilassung.

Nach Presseinformationen ist Israel daran interessiert, den Austausch möglichst in den kommenden Monaten abzuschließen. Ein Grund dafür sei, dass man der Hamas bei den im kommenden Jahr anstehenden palästinensischen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen nicht mit einem Propaganda-Erfolg in die Hände spielen wolle.

Die Hamas fordert, dass Israel als Gegenleistung für eine Freilassung Schalits 1000 palästinensische Gefangene in die Freiheit entlässt.

Autor: Gerd Winkelmann / Ursula Kissel (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Christian Walz / Oliver Samson

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