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Nahost

Israel stoppt jüdisches Hilfsschiff

Vor dem Gazastreifen hat die israelische Marine ein Boot mit jüdischen Aktivisten gestoppt. Sie wollten Hilfsgüter in das abgeriegelte Gebiet bringen. Nach Militärangaben wurde kein Widerstand geleistet.

Beladenes Schiff einer Hilfsorganisation (Foto: AP)

26. September 2010 auf dem Weg zum Gazastreifen: jüdische Aktivisten verlassen Zypern

Die israelische Armee hat eine jüdische Solidaritätsaktion für den Gazastreifen am Dienstag (28.09.2010) ohne Blutvergießen gestoppt - auf hoher See, wie die Organisatoren mitteilten. Die Besatzung des Segelschiffes habe keinen Widerstand geleistet, betonte die Marine. Die Sympathisanten aus Deutschland, Israel, Großbritannien und den USA waren am Sonntag von Nordzypern aus in See gestochen. Israel hatte angekündigt, das Schiff werde in jedem Fall gestoppt, wenn es versuchen sollte, die Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen.

Nach Militärangaben hatte der Kapitän zwei Aufforderungen zum Umkehren ignoriert. Daraufhin sei das Schiff "ohne Zwischenfälle und ohne Gewaltanwendung aufgebracht" worden. Wie Besatzungsmitglieder erklärten, befand sich das Boot rund 40 Kilometer vor der Küste des Palästinensergebiets. Der unter britischer Flagge fahrende Segler habe symbolische Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen wollen - unter anderem Schulsachen, Musikinstrumente und Fischernetze.

Crew auch aus Deutschland

Fischer mit Boot und Netz (Foto: AP)

An der Küste des Gazastreifens: die aufgehaltenen Aktivisten wollten auch Fischernetze bringen

Die jüdischen Aktivisten kamen nach eigenen Angaben unter anderem aus Deutschland, Israel und den USA. Die Fahrt organisiert hätten vor allem die deutsche Organisation "Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" und die britische Gruppe "Jews for Justice for Palestinians" (JFJFP).

Unter den Passagieren befänden sich ein 82-Jahre alter Überlebender des Holocaust und ein ehemaliger israelischer Kampfpilot. Einer der Israelis an Bord, Rami Elchanan, habe 1997 seine Tochter bei einem Selbstmordanschlag der heute im Gazastreifen herrschenden Hamas-Organisation verloren.

Nach Israel geschleppt

Nach israelischen Angaben wurde das Schiff mit zehn Menschen an Bord in den Hafen von Aschdod geschleppt. Noch im Mai hatten israelische Kommandoeinheiten eine türkische Flottille auf dem Weg zum Gazastreifen mit Waffengewalt gestoppt und neun Menschen getötet. Der blutige Einsatz führte zu scharfen internationalen Protesten. Auf internationalen Druck hin lockerte die israelische Regierung dann die vor vier Jahren verhängte Blockade des Gazastreifens.

Nach Meinung des UN-Menschenrechtsrats verstößt die israelische Seeblockade des Gazastreifens gegen internationales Recht. Dagegen argumentiert Israel, es handele sich um eine notwendige Maßnahme, um den Waffenschmuggel in das Palästinensergebiet zu unterbinden.

Jahrestag der Intifada

Steine-Werfer, im Hintergrund auch Flammen (Foto: AP)

September 2000: Palästinenser werfen Steine auf israelische Soldaten

Das Aufbringen des Segelschiffs vor dem Gazastreifen geschah unmittelbar vor dem 10. Jahrestag des palästinensischen zweiten Volksaufstandes - der Intifada. Am 29. September 2000 war es zu Aufständen gekommen, nachdem Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern in Camp David - im US-Bundesstaat Maryland - gescheitert waren. Tags zuvor hatte der damalige israelische Oppositionsführer Ariel Scharon überraschend den Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem besucht. Dies wurde von den Palästinensern als Provokation aufgefasst. Bei anschließenden Gewalttätigkeiten wurden nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem mehr als 6370 Palästinenser und über 1080 Israelis getötet.

Während die Intifada im Westjordanland vor Jahren beendet wurde, setzen militante Palästinenser im Gazastreifen ihre Angriffe auf Israel mit selbst gebauten Raketen und Mörsergranaten weiter fort. Zum Jahrestag kündigte die radikal-islamische Hamas-Organisation nun an, sie werde ihren Kampf gegen Israel fortsetzen. Dagegen erklärte der israelische Außenamtssprecher Jigal Palmor, die Entscheidung für Gewalt statt Verhandlungen sei ein großer Fehler. Direkte Verhandlungen mit Israel seien der einzige Weg, um einen realen und gerechten Frieden mit Israel zu erreichen, der beiden Völkern diene.

Autor: Herbert Peckmann (dpa, afp, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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