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Nahost

Israel schiebt alle Gaza-Aktivisten ab

Zwei Tage nach der Militäraktion gegen eine internationale Flotte mit Hilfsgütern für den Gaza-Streifen hat Israel nach eigenen Angaben alle auf den Schiffen festgenommenen fast 700 Aktivisten freigelassen.

Mann jubelt (Foto: AP)

Begeisterter Empfang in Jordanien

Verschleierte Frauen (Foto: AP)

Pro-Palästinensische Aktivistinnen aus Kuwait

Die große Mehrheit der 682 Aktivisten sei inzwischen auf dem Weg in die jeweiligen Heimatländer oder bereits dort eingetroffen, bilanzierte Außenamtssprecher Jigal Palmor am Mittwoch (02.06.2010). Auch die in Israel verbliebenen Aktivisten sollen das Land verlassen. Die meisten der Freigelassenen seien Türken, teilten die israelischen Behörden mit. Die türkische Regierung hatte ihre Freilassung ultimativ gefordert.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin wurden auch fünf deutsche Aktivisten aus israelischer Haft entlassen. Sie würden ausgeflogen. Auch ein weiterer Deutscher, der nach der Militäraktion verletzt in ein israelisches Krankenhaus gebracht worden sei, könne ausreisen.

Keine strafrechtliche Verfolgung

Gaza-Aktivist mit Kindern (Foto: AP)

Wiedersehen mit der Familie

123 Personen aus arabischen Ländern wurden nach Jordanien ausgewiesen. Sie wurden am frühen Morgen mit zwölf Bussen über die Allenby-Brücke nach Jordanien gebracht. 45 Aktivisten hatten Israel bereits am Dienstag verlassen können. Unter ihnen waren auch zwei Bundestagsabgeordnete der Linkspartei.

Anklagen wird es - anders als ursprünglich geplant - nach offiziellen Angaben nicht geben. Die 682 Aktivisten waren festgesetzt worden, nachdem israelisches Militär am Montag mehrere Schiffe einer türkischen Hilfsorganisation auf offener See gestürmt hatte. Die Schiffe mit zahlreichen Prominenten und Politikern an Bord wollten Hilfsgüter in den von Israel abgeriegelten Gaza-Streifen bringen. Bei der Erstürmung wurden mindestens neun Menschen getötet. Die israelische Regierung behauptete, die Soldaten hätten in Notwehr geschossen, nachdem sie von Gaza-Aktivisten angegriffen worden seien.

Vorwürfe gegen Israel

Henning Mankell (Archivfoto: dpa)

Henning Mankell: "Bewaffneter Angriff"

Unter den Freigelassenen ist auch der schwedische Krimi-Autor Henning Mankell. Auf dem Rückflug nach Göteborg kritisierte er das israelische Vorgehen als Seeräuberei und Kidnapping: "Die israelischen Soldaten gingen fernab der eigenen Gewässer zum bewaffneten Angriff. Das war in internationalen Gewässern", sagte er der Zeitung "Expressen" (Mittwochausgabe).

Schwere Vorwürfe gegen die israelische Marine erhob auch ein pakistanischer Journalist, der ebenfalls festgenommen worden war und nun aus der Haft entlassen wurde. "Vor mir sind vier Leute in den Kopf geschossen worden. Ich wurde Zeuge, wie vier Menschen starben", sagte Talat Hussain, ein Moderator des Fernsehsender "Aaj".

US-Regierung für offene Untersuchung

Die weltweite Empörung über das israelische Vorgehen hält unterdessen unvermindert an. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warf Israel vor, ein "blutiges Massaker" begangen zu haben. US-Präsident Barack Obama habe in der Nacht zum Mittwoch dem türkischen Regierungschef in einem Telefongespräch sein Beileid für die Opfer ausgesprochen, teilte das Weiße Haus mit.

Die US-Regierung fordert eine glaubwürdige, unparteiische, transparente Untersuchung der Vorfälle am Montag. An einer entsprechenden Untersuchung könnten auch internationale Beobachter teilnehmen, sagte US-Außenministerin Hillary Clinton.

Autor: Dirk Eckert (apn, dpa, rtr)

Redaktion: Martin Schrader

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