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Nahost

Israel richtet Stützpunkt im Gazastreifen ein

Die israelische Bodenoffensive im Gazastreifen hat bereits erste Todesopfer gefordert. In Israel findet die Militäraktion breite Zustimmung.

Erst ist es dunkel geworden im Gazastreifen. Die Lichter gingen aus für fast 1,8 Millionen Menschen, die in diesem winzigen Landstrich leben. Israelische Artillerie, Kriegsschiffe und Luftwaffe belegten das gesamte Gebiet mit schwerem Dauerfeuer. Die Einschläge waren im Minutentakt zu hören, die Häuser bebten aufgrund der schweren Bombardements. Augenzeugen berichteten, dass der Beschuss schlimmer war als in den zehn Tagen zuvor. Die Zivilbevölkerung in Gaza wurde in Angst und Schrecken versetzt.

"Tausende Ziele angegriffen"

Am späten Donnerstagabend (17.07.2014) gab es dann erste Meldungen, israelische Bodentruppen hätten die Grenze des Gazastreifens überschritten. "Wir treten jetzt in die zweite Phase der Operation ein, nachdem wir in der ersten Phase schon bedeutende Ergebnisse erzielt haben", erklärte Armeesprecher Motti Almoz wenig später. "Wir haben die Hamas schwer getroffen und werden sie auch weiter schlagen." Israels Armee habe tausende Ziele angegriffen und die Infrastruktur und die Kämpfer getroffen. Große Verbände von Bodentruppen würden von massiver Luftunterstützung, der Marine und dem Geheimdienst begleitet.

Palästinenser vor zerstörtem Gebäude. Foto: EPA/OLIVER WEIKEN

Palästinenser vor zerstörtem Gebäude: Die Opferzahlen steigen

"Unsere Truppen kontrollieren jetzt Stützpunkte im Gazastreifen und gehen gegen Tunnel und gegen Terroristen vor", sagte Brigadegeneral Almoz. Er rief die Bevölkerung des Gazastreifens auf, die Orte zu evakuieren, an denen die Armee operiert, denn die Truppen würden massive Gewalt anwenden.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Moshe Yaalon erklärten in einer Stellungnahme, sie hätten den Einsatz von Bodentruppen angeordnet, um die Tunnel zu zerstören, durch die militante Palästinenser versuchen könnten, auf israelisches Gebiet vorzudringen. In der Nacht zum Donnerstag hatte die Armee eine Gruppe von 13 bewaffneten Männern entdeckt, die durch einen solchen Tunnel auf israelisches Gebiet vorgedrungen war und dort offenbar einen Anschlag durchführen wollte. Eine bewaffnete Drohne schoss auf die Männer, denen es aber offenbar gelang, zu fliehen.

"Diese Schande eliminieren"

Der Likudpolitiker Ofir Akunis, Staatsminister im Büro des Ministerpräsidenten, begrüßte in der Nacht den Einsatz von Bodentruppen. Es sei die Aufgabe der israelischen Armee, die Ruhe für die Bürger des Landes wiederherzustellen. Darüber hinaus müsse sich Israel aber auch gegen den islamistischen Terror schützen. "Die Hamas wird von der internationalen Staatengemeinschaft als Terrororganisation eingestuft", sagte Akunis. "Die Hamas ist ein Vorposten des Iran im Süden Israels."

Israel Rakettenangriff Tel-Aviv

Raketenbeschuss auf Tel Aviv: "Schande für Israel"?

Zustimmung findet die israelische Regierung auch bei weiten Teilen der Bevölkerung. Viele Menschen im südlichen Landesteil, die seit Jahren unter dem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen leiden, begrüßen die Offensive. "Wir haben es mit einer Bande von Mördern zu tun. Sie schafft es, das stärkste, technologisch am weitesten entwickelte Volk der Welt in die Knie zu zwingen", sagte etwa Eli Moyal, der frühere Bürgermeister der Stadt Sderot, an der Grenze zu Gaza. "Diese Schande müssen wir jetzt eliminieren, denn ein Volk ohne Nationalstolz hat keine Aussichten, auch nur einen Tag lang zu existieren."

Schon in der Nacht gab es erste Berichte über zahlreiche Tote und Verletzte unter der Zivilbevölkerung. Seit Beginn der Luftangriffe, die der Bodenoffensive vorausgingen, verloren rund 260 Palästinenser ihr Leben.

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